Screenshot von Al Manhaj Media zeigt Ahmed Abdelasis A., alias Abu Walaa, seit einigen Jahren einer der einflussreichsten Prediger der radikalen deutschen Salafisten-Szene. | Bildquelle: dpa

Terrorverdacht gegen Islamisten V-Leute untermauern Vorwürfe gegen Abu Walaa

Stand: 10.11.2016 16:20 Uhr

Im Ermittlungsverfahren gegen den kürzlich festgenommenen Islamisten Abu Walaa liegen dem Generalbundesanwalt zwei weitere belastende Aussagen vor. Das ergaben Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung".

Von Volkmar Kabisch, Georg Heil und Lena Kampf

Die beiden nicht namentlich genannten "Vertrauenspersonen", sollen die Aussagen des Zeugen Anil O. untermauern. Über seinen Anwalt bestritt der angeklagte islamistische Prediger Ahmed Abdulaziz A. die Vorwürfe. Anwalt Mutlu Günal sagte, diese seien "derart absurd", dass sie sich nicht halten ließen.

Zum bewaffneten Kampf gegen "Ungläubige" aufgerufen

Wie aus dem Haftbefehl gegen den Prediger hervorgeht, der in der Szene nur Abu Walaa genannt wird, soll er unter anderem bei einem Islamseminar im Mai dieses Jahres in Kassel vor etwa 100 Zuhörern zum bewaffneten Kampf des sogenannten "Islamischen Staates" gegen die "Ungläubigen" aufgerufen haben.

Abu Walaa | Bildquelle: NDR
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Von Abu Walaa gibt es nur wenige Aufnahmen.

Diese Aussage habe er am Folgetag noch einmal vor einem kleinen Kreis wiederholt. Die andere Vertrauensperson sagte aus, der Prediger habe zusammen mit den ebenfalls am Dienstag verhafteten Boban S. und Hasan C. ein "überregionales Netzwerk" gebildet, das die Ansichten der Terrormiliz vertrete.

Diese Aussagen, so steht es in dem Haftbefehl, seien übereinstimmend mit den Vernehmungen des 22-jährigen Anil O. beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Gleiches hatte Anil O. auch vor seiner Rückkehr nach Deutschland NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" in einem Interview berichtet.

"Verdeckte Ausreisefinanzierung" des Islamisten

Er ist nun der Hauptbelastungszeuge gegen Abu Walaa und die weiteren Beschuldigten. Anil O., der vor seiner Ausreise nach Syrien im August 2015 ein Abitur mit Bestnoten ablegte und dann Medizin studierte, beschrieb in seiner Aussage auch die Rolle der beiden in Hildesheim festgenommenen Personen als Logistiker.

Ein Auto fährt in Karlsruhe am Haupteingang des Bundesgerichtshofs vorbei. | Bildquelle: dpa
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Ein Auto fährt in Karlsruhe am Haupteingang des Bundesgerichtshofs vorbei. Zwei der fünf am Dienstag festgenommenen mutmaßlichen IS-Unterstützer sind in Untersuchungshaft genommen worden.

Diese hatten ihm offenbar Telefonnummern von Schleusern gegeben, die ihm dann halfen, in das IS-Herrschaftsgebiet zu reisen. Außerdem hätten die beiden Verhafteten für die Finanzierung der Reise gesorgt. So sollen sie Anil O. instruiert haben, Handyverträge mit beinhalteten Mobilfunkgeräten, Tablets und Notebooks abzuschließen. Zur "verdeckten Ausreisefinanzierung" habe man ihm die Geräte dann tatsächlich abgekauft und seine Ausreise nach Syrien so unterstützt.

"Fluchtgefahr" als Haftgrund

Als Haftgrund gegen Abu Walaa gibt die Generalbundesanwaltschaft "Fluchtgefahr" an, da mit einer Ausreise des irakischen Staatsangehörigen in das Herrschaftsgebiet des IS zu rechnen sei, wie der Prediger gegenüber dem Zeugen Anil O. einmal angekündigt haben soll.

Günal, der Anwalt von Ahmad Abdulaziz A. (Abu Walaa) sagte gegenüber NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zu den Vorwürfen, er gehe davon aus, "dass sich das in den nächsten Wochen in Luft auflösen wird und dass mein Mandant dann wieder in die Freiheit gelangen wird". Die Aussagen des Hauptbelastungszeugen seien gelogen und den Beweiswert der Aussagen der zwei Vertrauenspersonen halte er für "rechtlich wertlos". 

Recherchekooperation

Die investigativen Ressorts von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kooperieren unter Leitung von Georg Mascolo themen- und projektbezogen. Die Rechercheergebnisse, auch zu komplexen internationalen Themen, werden für Fernsehen, Hörfunk, Online und Print aufbereitet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2016 um 18:10 Uhr

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