Menschen nehmen in Ludwigshafen Abschied von Helmut Kohl | Bildquelle: dpa

Abschied von Helmut Kohl Der letzte Weg zurück in die Heimat

Stand: 01.07.2017 22:35 Uhr

Nach dem Trauerakt in Straßburg ist Helmut Kohl wieder in seine Heimat übergeführt worden. Im Dom von Speyer gab es ein Pontifikalamt. Die Menschen in der Pfalz haben ebenfalls Abschied vom "Kanzler der Einheit" genommen.

Von Christin Jordan, SWR

Am Ende des europäischen Festakts im Europaparlament ist die Stimmung fast gelöst. Politikerinnen und Politiker aus der ganzen Welt haben hier Abschied von Altkanzler Helmut Kohl genommen, in sehr persönlichen, teils bewegenden Reden. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker etwa, der sich von seinem mehrjährigen Freund verabschiedet, Ex-US-Präsident Bill Clinton, Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Acht Offiziere des Wachbataillons des Bundesverteidigungsministeriums tragen den Sarg mit den sterblichen Überresten Kohls hinaus. Seine zweite Ehefrau, Maike Kohl-Richter, wird von Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Parlamentspräsident Antionio Tajani aus dem Saal begleitet. Der Altkanzler tritt seine letzte Reise an.

Zurück in seine Heimatstadt

Menschen nehmen Abschied von Helmut Kohl
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Im Ludwigshafener Stadtteil Ruchheim warteten viele Menschen auf den Trauerzug.

Mit zwei Hubschraubern werden der Sarg und die Trauernden nach Ludwigshafen geflogen, am frühen Nachmittag landen sie im Stadtteil Ruchheim. Bürger haben sich hier versammelt, Anwohner, Familien mit Kindern, manche schwenken Deutschland- und Europafahnen. Es herrscht fast fröhliche Stimmung, aber als die Hubschrauber landen, wird es still. Der Sarg, jetzt mit der Bundesfahne bedeckt, wird in einen Wagen umgebettet. "Ich hab richtig Herzklopfen!", sagt ein Nachbar. Als die Wagenkolonne anfährt, applaudieren die Menschen.

Gemischte Gefühle bei den Ludwigshafenern

Bis zuletzt war nicht klar, wie viele Menschen entlang der Strecke des Trauerkonvois stehen würden. Eva Lohse, Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, hatte sich für die Fahrt durch die Innenstadt stark gemacht, um den Altkanzler für seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt zu würdigen. "Er war ein Politiker, der sich immer zu seinen Wurzeln bekannt hat. Er hat immer deutlich gemacht, dass er Pfälzer ist, dass er Ludwigshafener ist."

Der Sarg mit Europafahne in Oggersheim | Bildquelle: dpa
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Am Morgen wird der Sarg, bedeckt mit einer Europafahne, in Oggersheim aus dem Haus von Altkanzler Helmut Kohl in einen Leichenwagen getragen.

Nicht bei allen Bürgern stößt das auf Verständnis. "Zu viel Act", sagt einer, "das geht mir alles einfach viel zu lange." Und: Sie nehmen es Kohl übel, dass er nicht in Ludwigshafen, nicht an der Seite seiner ersten Frau, sondern in Speyer beigesetzt werden wollte.

Am Ende sind es 300 bis 400 Menschen, die den Ludwigsplatz säumen. Hubschrauberdröhnen kündigt die Kolonne an, früher als erwartet, dann rauschen die schwarzen Wagen vorbei, kurz brandet Beifall auf. Zurück bleiben enttäuschte Ludwigshafener. Kaum einer konnte einen richtigen Blick auf den Sarg erhaschen. "Ich sage ganz offen: Der Konvoi ist viel zu schnell gefahren. Helmut Kohl war ein großer Kanzler. Ich wollte ihm hier die letzte Ehre geben."

Mit dem Schiff über den Rhein zum Requiem

Die Verladung des Sargs auf die MS Mainz zur letzten Fahrt über den Rhein ist nicht öffentlich. Neben Maike Kohl-Richter, Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und dem Anwalt der Familie ist es nur eine kleine Gruppe, die das Repräsentationsboot der Bundesregierung besteigt. Entlang der kurzen Strecke nach Speyer stehen vereinzelt Zuschauer an den Uferböschungen - kein Vergleich mit den Menschenmengen, die Konrad Adenauer sein letztes Geleit gaben.

Abschied im Dom zu Speyer

Zum Pontifikalamt im Dom wurden etwa 700 geladene Gäste erwartet, viel Politprominenz, aber auch Freunde und Vertraute des Ehepaares Kohl. Die Söhne aus erster Ehe sind nicht anwesend. Schon zwei Stunden vor Beginn der Messe füllt sich der Domplatz. Die Kanzlerin ist früh hier, begrüßt Bürger, schüttelt Hände. Und doch: Es sind weit weniger Zuschauer gekommen als erwartet, das Wetter. Nieselregen und böiger Wind mögen dazu beigetragen haben. Besucher würdigen Kohl zwar als großen Europäer, als Staatsmann. Viele üben aber auch Kritik. Dennoch: Sie wollen Abschied nehmen "von einem großen Kanzler, der die Welt verändert hat."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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