Teilnehmer einer Protestaktion demonstrieren am Flughafen in Düsseldorf gegen die Sammelabschiebung. | Bildquelle: dpa

Flug nach Kabul Acht Afghanen abgeschoben

Stand: 13.09.2017 11:45 Uhr

Acht Afghanen sind aus Deutschland in ihre Heimat abgeschoben worden. Es handele sich um Männer, die alle zuvor in Straf- oder Abschiebehaft gesessen hätten, sagte Innenminister de Maizière. Beim Abflug hatten Menschenrechtsaktivisten gegen die Abschiebung demonstriert.

Erstmals seit dem Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul im Mai sind abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden. Die Maschine war gestern Abend in Düsseldorf gestartet und landete am Morgen auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Kabul.

Nach der Landung wurden die Menschen in Begleitung von Polizisten auf einen Parkplatz geführt, wo sie registriert wurden. Die Internationale Organisation für Migration bestätigte die Ankunft von "acht Rückkehrern".

Sieben Männer zuvor im Gefängnis

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bestätigte die Abschiebung von acht Afghanen. Es habe sich ausschließlich um Männer gehandelt, von denen sieben in Strafhaft saßen. Sie seien wegen "erheblicher" Straftaten verurteilt worden. Ein Mann sei zuvor in Abschiebehaft gewesen. Details nannte de Maizière nicht.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte, drei der acht Abgeschobenen kämen aus seinem Bundesland. "Zwei sind wegen Vergewaltigung verurteilt worden, einer wegen gefährlicher Körperverletzung."

Demonstration am Flughafen in Düsseldorf | Bildquelle: dpa
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Beim Abflug hatten Menschenrechtsaktivisten gegen die Abschiebung demonstriert.

Proteste auf dem Düsseldorfer Flughafen

Beim Abflug hatten Menschenrechtsaktivisten auf dem Düsseldorfer Flughafen gegen die Abschiebung protestiert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 180 Demonstranten an der Aktion. Zwischenfälle habe es keine gegeben, sagte ein Sprecher. Auf Transparenten und Schildern hieß es: "Abschiebungen stoppen" und "Keine Abschiebungen in den Tod".

Hilfsorganisationen lehnen die Abschiebungen ab, weil sie die Situation in Afghanistan wegen Anschlägen der islamistischen Taliban als lebensgefährlich einschätzen. Pro Asyl hält den Abschiebeflug für ein Wahlkampfmanöver. "Man will ein Signal der Härte setzen, um kurz vor der Bundestagswahl im flüchtlingsfeindlichen Milieu nach Stimmen zu fischen", erklärte der Geschäftsführer der Organisation, Günter Burkhardt.

Bisher hat Deutschland in etwa einem halben Dutzend Sammelflügen mehr als 100 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

Abschiebungen nach Afghanistan wegen "erheblicher Straftaten"
V. Schaffranke, ARD Berlin
13.09.2017 12:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. September 2017 um 07:02 Uhr.

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