Gymnasial-Lehrer zum "gerechteren Abi" Viel zu tun auf der Bildungs-Landkarte

Stand: 22.03.2017 01:49 Uhr

Zum ersten Mal können Schulen aller Bundesländer ihre Abitur-Aufgaben für vier Hauptfächer aus einem "gemeinsamen Topf" beziehen. So soll der Abschluss einen einheitlichen Standard erlangen. Doch für den Gymnasiallehrer Robert Rauh reicht das noch lange nicht aus.

Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch - für diese Fächer können die Bundesländer in diesem Jahr zum ersten Mal die Abituraufgaben aus einem "einheitlichen Topf" beziehen. So sollen die Ergebnisse des Abschluss dann einheitlicher und damit bundesweit besser vergleichbar werden. Doch von einem gerechteren Abi will der Berliner Gymnasiallehrer Robert Rauh im Interview mit dem ARD-Nachtmagazin trotzdem nicht sprechen.

"Der gemeinsame Aufgabenpool ist zwar ein erster richtiger Schritt", sagte Rauh, "aber die Bundesländer sind nicht verpflichtet, sich aus diesem Aufgabenpool zu bedienen. Und es bleibt den Bundesländern überlassen, wie die Abschlüsse am Ende gewichtet werden. Gerecht ist das nicht!"

Robert Rauh, Lehrer aus Berlin, über den deutschen Bildungsföderalismus
nachtmagazin 00:35 Uhr, 22.03.2017

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Klare Kante gegen "Bildungsförderalismus"

Daher fordert Rauh nicht nur die Einführung eines Zentralabiturs, er geht sogar noch einen Schritt weiter: Deutschland solle "den Bildungsförderalismus abschaffen". Dieses Modell habe sich "überlebt". Das spiegele sich auch in den G8- und G9-Reformen wider. "Wenn man auf die bildungspolitische Karte Deutschlands schaut, weiß man gar nicht, in welchem Land nach zwölf Jahren Abitur gemacht wird und in welchen nach dreizehn Jahren", führt Rauh aus. Zudem gebe es Schulen, an denen die Schule und die Eltern bestimmten, wie die Schüler zum Abitur geführt werden - breitgefächerte Unterschiede, die Gerechtigkeit unmöglich machten.

Ein weiterer Kritikpunkt des Lehrers: Die Abiturnoten werden im Durchschnitt immer besser - eine Entwicklung, die sich seit Jahren in Deutschland abzeichnet. Und die "inflationär" sei, drückt es Rauh aus. Immer mehr Schüler drängten auf die Gymnasien, um den Abiturabschluss zu erreichen. Ein Trend, der von der Politik gewollt sei, aber auf Basis der G8-Reform - also dem Abi nach zwölf Jahren - "erkauft" worden sei. Denn um das schnellere Abitur zu ermöglichen, "wurden die Prüfungsanforderungen aufgeweicht".

Alle gemeinsam für "einheitliche" Voraussetzungen

Um dem Bildungsförderalismus entgegenzuwirken schwebt Rauh ein "Bildungsforum" vor, wie es in den 1960er- und 1970er-Jahren bereits existiert habe. "In diesem Forum sollten dann auch wir - also die Eltern und Lehrer, die Schüler und Studenten sitzen", fordert Rauh. Um gemeinsam Ziele anzugehen - bei denen das Schlagwort stets "einheitlich" sein sollte: in der Lehrerausbildung, bei Lehrplänen, Schulformen und eben auch bei Prüfungsanforderungen.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 22. März 2017 um 00:35 Uhr.

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