Feldlazarett zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten in Indien | Bildquelle: RAJAT GUPTA/EPA-EFE/Shutterstock

Corona-Lockerungen in Indien "Viel schlimmer gekommen als gedacht"

Stand: 27.06.2020 20:26 Uhr

Die indische Hauptstadt Delhi ist besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Während die Todeszahlen weiter steigen, wird die Metropole auch noch von Heuschrecken heimgesucht.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Seit dem Ende des Lockdowns Anfang des Monats ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Indien sprunghaft angestiegen. Seit Freitag habe es mehr als 18.000 Neuinfektionen gegeben, meldeten die Behörden. Insgesamt seien jetzt als eine halbe Million Fälle registriert.

Maßnahmen gegen Covid-19 in Indien | Bildquelle: dpa
galerie

In Delhi werden alle Bewohner zu ihrer Gesundheit befragt.

Dabei ist Delhi die am stärksten betroffene Großstadt in Indien. Die Behörden in der indischen Hauptstadt haben jetzt damit begonnen, in der ganzen Stadt von Haus zu Haus zu gehen, um den Gesundheitszustand jedes Bewohners zu überprüfen.

Viele Tote nach Ende des Lockdowns

"Wir haben damit gerechnet, dass die Zahlen hochgehen, als wir den Lockdown aufgehoben haben, aber es ist viel schlimmer gekommen, als wir dachten", sagt Arvind Kejriwal, der Regierungschef von Delhi. "Schon in der ersten Juni-Woche wurden die Krankenhausbetten knapp und wir sind mit den Tests nicht mehr nachgekommen. Und weil es nicht genug Krankenhausbetten gab, konnten viele Leute nicht behandelt werden und so ist auch die Todesrate gestiegen."

Auf einem 70 Hektar großen Gelände in Delhi wurde inzwischen ein Feldlazarett mit 10.000 Betten errichtet. In dem Behelfskrankenhaus für Covid-19-Patienten stehen die aus Pappkartons zusammengebauten Betten, in dichten Reihen auf staubigem Boden, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur AP zu sehen war. Auch ausrangierte Eisenbahnwaggons wurden umgebaut und für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorbereitet.

Viele Inder besorgt über Situation

In der Bevölkerung wächst angesichts des desolaten Gesundheitssystems die Sorge vor der nahenden Katastrophe. "Die Regierung macht schon das Richtige, aber am Abend kommen die Familien - alt und jung - dann doch wieder alle zusammen, ohne Masken und ohne Abstand.", sagt Ram Bhagat, ein Einwohner von Delhi. "Sie essen aus dem gleichen Topf und trinken aus der gleichen Flasche. Was soll man da machen?"

"Überall verbreitet sich das Virus, weil sich die Leute einfach nicht an die Regeln halten", beklagt Girochand Sahu, ein Wachmann aus Delhi. "Was kann die Regierung da schon machen? Sie kann doch nicht alle verfolgen."

Auch noch Heuschreckenplage in Delhi

Und jetzt hat die nächste Katastrophe die indische Hauptstadt erreicht. In Gurgaon, einer Satellitenstadt am Rande von Delhi wurden die ersten Heuschreckenschwärme gesichtet.

Heuschrecke in Indien | Bildquelle: RAJAT GUPTA/EPA-EFE/Shutterstock
galerie

Die riesigen Heuschrecken vernichten Grünflächen und Felder.

Mit viel Lärm versuchen die Einwohner die bis zu zehn Zentimeter großen Tiere, die millionenfach herangeflogen kommen, zu vertreiben, damit sie nicht die Parks und Grünanlagen der Hauptstadt kahlfressen, wie schon in den vergangenen Wochen die Felder in Rajasthan und im Punjab.

Indien - mehr als eine halbe Million Corona-Fälle
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
27.06.2020 19:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 27. Juni 2020 um 17:18 Uhr.

Darstellung: