Drei Neugeborene liegen in der Wochenstation der Universitätsfrauenklinik in Leipzig in einem Bett. | Bildquelle: dpa

Mohammed als Vorname "Der Gelobte" und die Kinder von Berlin

Stand: 06.05.2019 14:22 Uhr

Eine Meldung geht um die Welt: International berichten Medien, Mohammed sei der häufigste Vorname bei Jungen in Berlin, die AfD warnt vor einer "Islamisierung". Doch die Schlagzeilen sind irreführend.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Screenshot Facebook-Seite der AfD
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AfD-Mitteilung zu den Vornamen in Berlin

Für die AfD ist die Meldung der vermeintliche Beweis, dass in Deutschland eine "Islamisierung" stattfinde: "Neugeborene: Mohammed auf Platz 1 der Vornamen in Berlin", schreibt die Partei auf Facebook.

Und weiter: "Bei einer solchen Tendenz wird Deutschland in 50 Jahren nicht mehr Deutschland heißen, sondern Germanistan, wo Mohammed und seine Sippschaft herrschen - im schlimmsten Fall nach den Regeln der Scharia."

Internationale Berichterstattung

Medien wie "Breitbart" und die "Daily Mail" berichten, Mohammed sei im Jahr 2018 in Berlin der beliebteste Vorname ("first name") für neugeborene Jungs gewesen.

Auf Basis dieser Artikel publizierten verschiedene Nachrichtenseiten und Blogs Kommentare, in denen es beispielsweise heißt, die "Transformation" sei fast komplett und der Name Mohammed ("der Gelobte") in Berlin inzwischen gängiger als Hans oder Otto. Die Meldungen über die Rangliste wird als Beweis gewertet, dass es einen "Bevölkerungsaustausch" gebe - eine in rechten Kreisen populäre Verschwörungstheorie.

Pressemitteilung sorgt für großes Aufsehen

Basis für diese Berichte und tausende Kommentare im Netz ist eine Pressemitteilung des Vereins "Gesellschaft für deutsche Sprache" in Wiesbaden, der eine Auswertung der Vornamen für 2018 vorgenommen hat. Die beliebtesten Babynamen waren demnach Marie und Paul. Auf den weiteren Plätzen der Top-Ten-Liste von Erst- und Zweitnamen folgen Sophie und Maria sowie Alexander und Maximilian.

Die Statistik bezieht sich auf Auswertungen in den Bundesländern. Bereits im Februar 2019 hatte der RBB über die Zahlen aus Berlin berichtet und diese ausführlich dargestellt. Das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten hatte die Daten am 16. Januar veröffentlicht - weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Demnach waren bei den Mädchen - wie schon 2017 - am häufigsten der Name Marie (656) vergeben, gefolgt von Sophie (541), Charlotte (467), Maria (439) und Emilia (389). Bei den Jungen führte wieder Alexander. Der Name wurde 439 mal vergeben. Insgesamt wurden der RBB-Auswertung zufolge mehr als 43.000 Geburten und fast 70.000 Namen beurkundet.

Erstnamen und Namen insgesamt

Für Verwirrung sorgte die Tatsache, dass es zwei Statistiken gibt: Einmal die Angabe, wie oft ein Vorname generell vergeben wurde - und eine andere Zahl zeigt, wie oft Erstnamen registriert wurden. Erstnamen sind diejenigen, die bei mehreren Vornamen als erste genannt werden, allerdings muss es sich nicht zwingend um den Rufnamen handeln.

Bei den Erstnamen waren laut RBB in Berlin Emil und Emilia am populärsten: Emil wurde 236 Mal als erster Vorname für Jungen vergeben und verdrängte damit Noah von der Spitze. Emilia hingegen konnte ihren ersten Platz halten und wurde 272 Mal als erster Vorname für Mädchen vergeben.

Lukas vor Mohammed

Der Name Mohammed taucht in den Statistiken 52 mal als Erstname auf, am häufigsten im Bezirk Mitte, nämlich zwölf Mal. Nimmt man nun verschiedene Schreibweisen des Namen hinzu - beispielsweise Mohamad, Mohammad, Muhamnmed, Mohammed sowie weitere - kommt man auf etwa 280 Erstnamen - abhängig davon, welche Schreibweisen man noch dazu zählt.

Das gilt aber auch für andere Namen: Der RBB zählte beispielsweise Varianten wie Lukas, Lucas, Luka und Luca zusammen - und kommt auf weit mehr als 400 Treffer, also deutlich mehr als für Mohammed.

AfD-Behauptung nicht korrekt

Doch selbst wenn man nur bei Mohammed die unterschiedlichen Varianten zusammenzählt, ist der Name insgesamt bei Weitem nicht der häufigste in Berlin, so wie es unter anderem die AfD behauptet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Mai 2019 um 15:15 Uhr.

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