Populisten in Athen: Stimmenfang mit einfachen Rezepten

Griechen mit Flaggen vor dem Parlament in Athen (Bildquelle: dpa)

Populisten in Griechenland

Stimmenfang mit einfachen Rezepten

Vor der Europawahl kämpfen in Griechenland Populisten aus dem rechten und linken Spektrum um Unterstützung. Ihre Rezepte zur Lösung der Krise klingen einfach. Ihre Versprechen sind verlockend. Reicht das für Wahlerfolge?

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Was für ein Auftritt für die Neonazis im griechischen Parlament: Die Polizei fährt zwei Abgeordnete mit Blaulicht ins Parlament. Eigentlich sitzen diese beiden Abgeordneten seit Monaten in Untersuchungshaft - unter dem Verdacht, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben. Zusätzlich sollen sie jetzt wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt werden. Beide hatten aber das Recht zugesprochen bekommen, sich im Parlament zu verteidigen.

Griechischer Abgeordneter Stathis Boukouras bei einer Rede im Parlament (Bildquelle: dpa)
galerie

"Ich bin doch kein Faschist, kein Nazi" - der griechische Abgeordnete Boukouras bei seiner Rede im Parlament.

Der Abgeordnete Stathis Boukouras nutzte seinen Auftritt im Parlament, um sich als Märtyrer zu präsentieren. Schluchzend rief er ins Plenum. "Was soll ich denn verbrochen haben", fragte er mit verzweifelter Stimme seine Kollegen Abgeordneten. "Ich bin doch kein Faschist, kein Nazi", ruft er, "ich bin ein griechischer Patriot, ich leide für mein Vaterland, ich werde weiter für mein Vaterland kämpfen".

Boukouras' theaterreifer Auftritt könnte der Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" Stimmen bringen. Allerdings ist die Partei in sich zerstritten. Der heulende Abgeordnete Boukouras zum Beispiel wurde vor zwei Monaten aus der Partei ausgeschlossen.

Griechenland - Populisten bei der EU-Wahl
T. Bormann, ARD Istanbul
13.05.2014 14:39 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Populisten von rechts bis links

Ebenfalls weit rechts, aber nicht so gewalttätig ist die Partei "Unabhängige Griechen" (ANEL). Die hat ein einfaches Rezept zur Lösung der Finanzkrise: Erst zahlt Deutschland Reparationen für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs, danach wird über eine Rückzahlung der griechischen Schulden verhandelt.

Auch links fischen etliche Populisten um Wählerstimmen. Die griechischen Kommunisten fordern: raus aus der EU, Banken und Firmen verstaatlichen, dann gibt's 1300 Euro Mindestlohn im Monat für alle.

Syriza will die Regierung stürzen

Die meisten Protestwähler aber schöpft die griechische Linkspartei Syriza ab. Syriza, das ist das Sammelbecken der Verlierer der Krise. Parteichef Alexis Tsipras ist ihr Erlöser. Er verspricht: Wählt mich - und die grausame Sparpolitik ist zu Ende. Tsipras will die jetzige Regierung stürzen. "Dieser Kurs führt in die wirtschaftliche Katastrophe und zerstört die Würde der Menschen. Das muss sofort gestoppt werden", sagt er.

Alexis Tsipras (Bildquelle: AFP)
galerie

Syriza-Chef Alexis Tsipras hofft, mit einem guten Ergebnis bei der Europawahl einen Regierungswechsel in Griechenland einleiten zu können.

Tsipras hofft, dass seine Syriza bei den Europawahlen stärkste Kraft in Griechenland wird. Dann will er vorgezogene Wahlen fürs griechische Parlament fordern und neuer griechischer Ministerpräsident werden. All die Milliardenkredite von den anderen Euro-Ländern will Tsipras nicht zurückzahlen, zumindest nicht ganz. Er will mit den anderen Euro-Ländern über einen Schuldenerlass verhandeln.

Soweit wird es aber vermutlich nicht kommen. Denn selbst wenn Tsipras‘ Linkspartei Syriza stärkste Partei werden sollte, zum Regieren wird es nicht reichen. In der zersplitterten Parteienlandschaft Griechenlands wird Syriza nach allen Umfragen auf kaum mehr als 20 Prozent kommen, also: in der Opposition verharren. Der alte Syriza-Slogan wird Wunschtraum bleiben - der lautet nämlich: "Wir machen das Unmögliche möglich."

Stand: 14.05.2014 12:22 Uhr

Darstellung: