Wilders träumt von rechter Allianz in Europa
Rechtspopulist vor der Europawahl
Wilders träumt von Nationalisten-Allianz
In den Niederlanden könnte die Partei des Rechtspopulisten Wilders bei der Europawahl stärkste Kraft werden. Nun schmiedet er an einer Allianz der Nationalisten in Europa. Doch einige potenzielle Partner schreckt er durch radikale Aussagen ab.
Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Den Haag
All jene, die Geert Wilders vor zehn Jahren nur eine geringe Halbwertszeit voraussagten, haben sich getäuscht. Der Rechtspopulist mit der wasserstoffblondierten Gel-Frisur ist noch immer da. Seine Partei hat Umfragen zufolge gute Chancen, als stärkste Kraft aus der Europawahl in den Niederlanden hervorzugehen.
Insofern, so der Utrechter Soziologe Paul Schnabel, ist Wilders durchaus ein Phänomen. "Es ist ja erstaunlich, wie lange das schon läuft", sagt er, und wie Wilders immer wieder die Möglichkeit habe, die gesellschaftliche und politische Debatte "praktisch zu monopolisieren: Weil er natürlich immer sehr starke Positionen einnimmt, müssen alle anderen darauf reagieren."
Wilders' Pläne einer rechten Allianz in Europa
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
07.05.2014 17:26 Uhr
"Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner?"
So wie nach seinem Auftritt am Abend der niederländischen Kommunalwahl im März: Vor Parteifreunden in Den Haag ließ sich Wilders zu einer Rede hinreißen, die in der Wortwahl passagenweise an Goebbels’ berüchtigte Sportpalastrede erinnerte: "Also, ich frage euch: Wollt ihr in dieser Stadt und in den Niederlanden mehr oder weniger Marokkaner?", fragte er. "Weniger, weniger", grölten seine Anhänger. Und dann der Satz: "Dann werden wir das regeln."
Mit dem Aufruhr, der darauf folgte, hatte der 50-Jährige vermutlich nicht gerechnet. Rund 5000 Niederländer erstatteten Anzeige gegen Wilders wegen Aufruf zum Fremdenhass. Mehr als ein Dutzend Abgeordnete und Parteimitglieder verließen empört die PVV - darunter die designierte Spitzenkandidatin für die Europawahl.
Hat sich Wilders damit um den schon sicher geglaubten Wahlsieg gebracht? "Bei den Europawahlen wird ihm das wahrscheinlich nicht schaden", glaubt der Soziologe Schnabel. In seiner eigenen Partei habe das doch wieder zu Splittergruppen und Leuten geführt, die sich von ihm verabschiedet hätten. "Und das macht es für ihn immer schwieriger, wieder akzeptiert zu werden als ein möglicher Koalitionspartner. Eigentlich ist das praktisch ausgeschlossen", meint Schnabel.
Einige Europakritiker gehen auf Distanz
Auch unter den Parteien in Europa, mit denen Wilders in Brüssel eine Fraktion der Nationalisten schmieden möchte, dürften manche aufgehorcht haben. Marine Le Pen vom französischen Front National hat Hollands "Verbal-Krawallo" zwar längst für seine Allianz-Pläne gewinnen können.
Anderen Europakritikern hingegen sind die Positionen des Niederländers zu radikal. So lehnt Nigel Farage von der britischen UKIP-Partei eine Zusammenarbeit mit Wilders kategorisch ab. "Er hat eine starke euroskeptische Agenda. Da sind wir uns einig", sagt Farage über Wilders. "Aber wir müssen uns sehr genau seine Standpunkte über den Islam anschauen. Als britische Partei bemühen wir uns sehr darum, mit den großen, gemäßigten muslimischen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten. Also das sollten wir uns gut überlegen." Farage verweist auf Wilders' Vorschlag, "in den Niederlanden den Koran zu verbieten". Darüber denken er anders, sagt Farage."
Europas Rechtspopulisten liegen programmatisch weit auseinander. Viele Parteien verbindet nicht mehr als die Ablehnung des Technokraten-Apparates in Brüssel. Bis zu einer Allianz der europäischen Nationalisten wird Wilders noch viel reisen müssen. "Ich bin in Frankreich gewesen, in Belgien, in Schweden, in Italien - auch in anderen Ländern, um zu gucken, ob wir mit Parteien dort zusammen gegen dieses Europa arbeiten können", sagt er. Es gebe genug Parteien, "die finden, dass ihr Land die EU oder die Eurozone verlassen und die nationale Souveränität wiederherstellen sollte".
Weil die Niederländer nie am Wochenende zur Wahlurne schreiten, wird dort bereits am 22. Mai gewählt - drei Tage vor der Europawahl in Deutschland.
Stand: 12.05.2014 08:52 Uhr

