Martin Schulz und Bernd Lucke

ARD-Hochrechnung für Deutschland SPD im Aufwind, AfD jubelt

Stand: 26.05.2014 00:42 Uhr

Zwar bleibt die Union mit 35,3 Prozent bei der Europawahl stärkste Kraft, doch Verluste hat sie dennoch eingefahren: Im Vergleich zur Wahl 2009 verlor das Bündnis aus CDU und CSU laut Hochrechnung von Infratest dimap für die ARD 2,6 Prozentpunkte. Die Verluste gehen überwiegend auf das Konto der CSU, die 1,9 Prozentpunkte verlor (CDU: minus 0,7). Für den Freistaat Bayern bedeutet das, dass nur noch 40,5 Prozent der Wähler dort ihre Stimme der CSU gegeben haben. Bei der Europawahl vor fünf Jahren hatte sie dort noch 48,1 Prozent.

Die SPD gewinnt erstmals bei Europawahlen kräftig hinzu und kommt auf 27,2 Prozent - 6,4 Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2009. Damals hatte sie allerdings ihr bisher schlechtestes Ergebnis eingefahren. Die Sozialdemokraten um ihren deutschen Spitzenkandidaten Martin Schulz liegen nun besser als bei der Bundestagswahl. Wie populär er ist, zeigt sich am Wahlergebnis der SPD in Schulz' Heimatstadt Würselen bei Aachen: Dort kam die SPD auf 51,6 Prozent.

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Zahlen und Umfragen zur Europawahl

Aktuelle Zahlen und Analysen aus dem ARD-Wahlstudio

Bild: Vorl. Ergebnis

FDP stürzt ab

Drittstärkste Kraft werden die Grünen mit 10,7 Prozent (minus 1,4). Ebenfalls im Parlament vertreten ist die Linkspartei mit 7,4 Prozent (minus 0,1). Die FDP büßt wie schon bei der Bundestagswahl erneut massiv ein - minus 7,6 Prozentpunkte - und kommt nur noch auf 3,4 Prozent.

AfD mit 7,0 Prozent

Erstmals im Europaparlament vertreten ist die europakritische Partei Alternative für Deutschland (AfD). Sie kam auf 7,0 Prozent. Zudem werden wohl sieben kleine Parteien nach dem Wegfall der Sperrklausel den Sprung ins Europa-Parlament schaffen: Die Freien Wähler erreichen laut ARD-Hochrechnung 1,5 Prozent, die Tierschutzpartei 1,3 Prozent und die Familienpartei auf 0,7 Prozent. Die ÖDP kommt auf 0,6 Prozent, die rechtsextreme NPD auf 1,0 Prozent. Die Piratenpartei erhält 1,5 Prozent. Auch die satirische Die Partei wird wohl mit 0,6 Prozent der Stimmen einen Sitz gewinnen.

Europawahl in Deutschland
tagesschau 01:13 Uhr, 26.05.2014, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Union verliert Sitze

Aus der Hochrechnung ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU und CSU schicken demnach 34 Abgeordnete nach Straßburg und Brüssel - acht weniger als bisher. Die Sozialdemokraten kommen auf 27 Sitze und die Grünen auf 11. Dramatische Verluste muss die FDP verkraften: Sie verliert 9 Sitze und kommt nur noch auf drei Mandate. Die Linkspartei bekommt 7 Sitze, die AfD ist erstmals mit 7 Parlamentariern im EU-Parlament vertreten. Bei den kleineren Parteien entsendet laut momentanem Stand jede je einen Abgeordneten.

Berliner Reaktionen auf Ausgang der Europawahl
J. Garvert, ARD Berlin
25.05.2014 21:29 Uhr

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48 Prozent Wahlbeteiligung

Insgesamt waren in Deutschland gut 64 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,0 Prozent. Die Wähler entschieden über die Vergabe von 96 Sitzen im künftigen Europaparlament - womit Deutschland die meisten Abgeordneten aller EU-Mitgliedsländer stellt. Die Wahllokale öffneten um acht Uhr und schlossen um 18 Uhr.

400 Millionen Menschen aus 28 Ländern wahlberechtigt

Europaweit waren dieses Mal rund rund 400 Millionen Menschen aus 28 Ländern wahlberechtigt. In Großbritannien, den Niederlanden, Irland, Lettland, Tschechien, der Slowakei und Malta konnten die Bürger bereits seit Donnerstag abstimmen. In den übrigen 21 EU-Staaten wurde erst heute gewählt. Vor 23 Uhr wird es keine amtlichen Ergebnisse geben, da in Italien erst zu diesem Zeitpunkt die Wahllokale schließen.

Bereits im Vorfeld ließ sich absehen, dass Deutschland künftig im Europaparlament von mehr Parteien vertreten sein wird als je zuvor. Denn erstmals galt für die Europawahl keine Sperrklausel, wie sie etwa bei Bundestagswahlen in Form einer Fünf-Prozent-Hürde gilt. Diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bedeutete, dass eine Partei auch schon mit relativ wenigen Stimmen einen Parlamentssitz gewinnen konnte.

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