Skripal | Bildquelle: dpa

Russischer Ex-Spion Mordanschlag mit Nervengift

Stand: 08.03.2018 13:39 Uhr

Der ehemalige russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Yulia sind laut britischer Polizei Opfer eines Mordversuchs durch Nervengift geworden. Im Koma liegt auch ein Polizist, der den beiden helfen wollte.

Auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal ist nach Erkenntnissen der britischen Polizei ein Mordanschlag mit einem Nervengift verübt worden. Skripal und seine Tochter seien Opfer eines "Mordversuchs durch Anwendung eines Nervenkampfstoffs" geworden, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley. Genauere Angaben zu dem eingesetzten Stoff machte er nicht. Die beiden seien "gezielt angegriffen" worden. Auch ein Polizeibeamter befinde sich inzwischen in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte Rowley.

Skripal und seine Tochter waren am Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben.

Regierung will "robust und angemessen" reagieren

Die britische Regierung verurteilte das Attentat als "widerwärtiges und skrupelloses Verbrechen". Die Öffentlichkeit verlange zu Recht, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May.

Innenministerin Amber Rudd versicherte bei einem Auftritt im Parlament, die Regierung werde "robust und angemessen" reagieren, sobald klar sei, wer hinter der Tat stecke. "Das war versuchter Mord auf eine höchst grausame und öffentliche Art", sagte Rudd. Trotzdem müssten Spekulationen vermieden werden.

Diplomatischer Schlagabtausch

Die Erkenntnisse der britischen Polizei dürften Vermutungen weiter anheizen, der Kreml könne seine Hände bei dem mutmaßlichen Giftanschlag im Spiel haben. Der Fall hatte zu einem diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London geführt.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte kaum verhohlen an Moskau gerichtet, kein Versuch, auf britischem Boden unschuldiges Leben zu nehmen, werde ohne Sanktionen oder ungestraft bleiben. Das Außenministerium in Moskau warf den britischen Behörden eine russlandfeindliche Kampagne vor. Noch vor Klärung der Fakten würden Vorwürfe gegen Russland erhoben, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. März 2018 um 17:49 Uhr.

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