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Neue Terrorvideos - Sicherheit im Superwahljahr

Bericht aus Berlin, 25.01.2009

Neue Terrorvideos - Sicherheit im Superwahljahr

Die deutschen Sicherheitsbehörden sind alarmiert: Die Terrorvideos der letzten Tage, besonders das vom letzten Wochenende in deutscher Sprache zeigen: Im Superwahljahr 2009 ist die Gefährdungslage in diesem Land besonders hoch. Hauptgrund: Das Bundeswehrengagement in Afghanistan. Große Sorge bereitet den Geheimdiensten die enge Vernetzung der Terrorgruppen untereinander. Hinzu kommt: Erstmalig ist wohl ein Deutscher in den Führungskreis von Al Kaida aufgerückt.

Von Wolfgang Wanner

Deutschland im Visier der Djihadisten - Al Kaida droht mit Anschlägen. Ein deutscher Staatsbürger als Al Kaida-Terrorist. Sein Kampfname: Abu Talha, der Deutsche. Er fordert den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan. Sicherheitsexperten sind alarmiert:

August Hanning, Bundesinnenministerium: "Hier erleben wir zum ersten Mal, dass Deutschland sehr deutlich adressiert wird. Und zwar von jemandem, der unsere Innenpolitik kennt, der die inneren Verhältnisse hier kennt, und der sich sehr spezifisch mit uns hier in Deutschland auseinandersetzt. Dass sehen wir als eine neue Qualität der Bedrohung an."

Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik: "Diese Botschaft ist im Grunde eine Bekräftigung, damit es tatsächlich auch der Letzte, der sich jetzt noch nicht mit diesem Thema befasst hat, versteht. Deutschland ist aufgrund seiner Präsenz in Afghanistan gefährdet."

Die Häufung von Drohbotschaften macht Sicherheitsbehörden Sorge. Denn zeitgleich häufen sich die Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan. Zuletzt ein Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul. Der Wunsch des deutschen Djihadisten: sich für Allah in die Luft zu sprengen. Seine Warnungen ganz allgemein. Doch bezieht er sich ausdrücklich auf die Bundestagswahl im Herbst. Experten besorgt, sie sehen Parallelen zu den Anschlägen von Madrid.

Guido Steinberg: "Wir hatten im Jahr 2004 die Anschläge von Madrid, ganz kurz vor den Wahlen und zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, diesen Wahlen so zu beeinflussen, dass die Spanier ihre Truppen zurückziehen würden. Man kann davon ausgehen, dass Al Kaida, wenn sie denn die Möglichkeiten dazu hat, in den nächsten Monaten deutsche Ziele angreifen wird, um die Wahlen zu beeinflussen, um die Debatte über Afghanistan zu beeinflussen und damit möglicherweise einen Rückzug deutscher Truppen zu bewirken."

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Die Sicherheitsbehörden kennen den Vermummten: Bekkay Harrach, 31 Jahre, in Marokko geboren. Bis vor zwei Jahren soll er in diesem Haus in Bonn gelebt und der dortigen Islamistenszene angehört haben. Harrach gilt als typisches Beispiel für eine djihadistische Karriere. Inzwischen ermittelt auch die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt er: Aleem Nasir. Gebürtiger Pakistani mit deutschem Pass. Nasir soll im Auftrag von Al Kaida in Deutschland Kämpfer rekrutiert haben. Darunter auch Harrach im Jahr 2007.

Rainer Griesbaum, Bundesanwalt Bundesgerichtshof: "Er hat dem Anforderungsprofil von Nasir entsprochen, er bekam Empfehlungsschreiben für die Al Kaida-Führung und wurde dann erfolgreich geschleust in Richtung Pakistan, Afghanistan."

Derzeit wird Nasir vor dem Oberlandesgericht Koblenz der Prozess gemacht. Nasir soll im Deutschen Terror-Netzwerk eine zentrale Figur sein mit Kontakten zur Führungsspitze von Al Kaida. Das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, vor allem Waziristan, gilt als Rückzugsraum von Al Kaida und anderen Terrororganisationen. Harrach soll heute ebenfalls in dieser Region leben. Vergangenes Jahr soll er seine Familie nachgeholt haben, wie auch schon andere Djihadisten aus Deutschland. Dafür wird in aktuellen Propaganda-Videos sogar auf deutsch geworben.

Propaganda-Video: "Kommt allesamt und lebt den Djihad mit der gesamten Familie."

Djihadisten aus unterschiedlichen Ländern sammeln sich in Waziristan.

Guido Steinberg: "Das führt wohl dazu, dass hier Türken, Araber, Kurden, Deutsche, Afghanen sehr, sehr viel enger und sehr viel vertrauensvoller zusammenarbeiten, als das in der Vergangenheit der Fall war."

So soll in dieser Grenzregion Harrach auch Mitglieder der sogenannten Sauerlandgruppe kennengelernt haben. Diese sollen im Sommer 2007 einen Anschlag mit Autobomben in Deutschland geplant haben. Und Verbindungen soll es nach Erkenntnissen des Bundesinnenministeriums auch zwischen Harrach und den beiden Männer geben, die im September 2008 am Flughafen Köln/Bonn wegen Terrorverdachts vorübergehend festgenommen wurden. Im deutschen Terrornetzwerk scheint jeder jeden zu kennen.

August Hanning: "Alle haben einen Deutschlandbezug, und sie alle kennen sich und wir müssen befürchten, dass sie auch im Ernstfall eng miteinander verbunden sind und eng zusammenarbeiten."

Ein Terrornetzwerk, das offensichtlich nur ein Ziel kennt: Deutschland zum Abzug der Soldaten aus Afghanistan zu zwingen.

Kontakt zum Autor: internet@ard-hauptstadtstudio.de

Stand: 25.01.2009 19:46 Uhr

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