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Der US-Geheimdienst CIA unterstützt offenbar bereits seit Wochen mit verdeckten Aktionen die Gegner des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi. Die Spione kundschafteten dabei mögliche Ziele für Luftangriffe aus und versuchten überdies, Kontakte zu den Aufständischen zu knüpfen, berichtete die "New York Times" online unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Sie seien Teil einer "Schattenmacht" westlicher Bürger, von denen die Obama-Regierung hoffe, dass sie Gaddafis Militär schaden könne.
Mit der Sache vertraute Regierungsmitarbeiter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, US-Präsident Barack Obama habe die CIA-Autorisierung innerhalb der vergangenen zwei oder drei Wochen unterzeichnet. Das Weiße Haus lehnte es derweil ab, dazu Stellung zu nehmen. "Es ist gängige Praxis für diese und alle anderen US-Regierungen, sich zu Geheimdienst-Angelegenheiten nicht zu äußern", teilte Präsidentensprecher Jay Carney mit.
[Bildunterschrift: Die US-Regierung nimmt üblicherweise keine Stellung zu den Einsätzen der CIA. ]
Ein ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur AP, dass in diesem Monat erneut Agenten in das nordafrikanische Land entsandt worden seien. Die Agenten hätten beispielsweise bei der Rettung des Waffenleitoffiziers des in Libyen abgestürzten US-Kampfjets geholfen. Außerdem würden die Geheimdienstmitarbeiter Kontakt zu den Aufständischen suchen, sagte der Gewährsmann.
Es gebe nach wie vor keine Entscheidung darüber, die Regimegegner oder irgendeine andere Gruppe in Libyen mit Waffen zu versorgen, sagte Präsidentensprecher Carney. "Weder schließen wir es aus, noch schließen wir es ein", erklärte er. "Wir erörtern und prüfen Optionen für alle Arten von Unterstützung, die wir dem libyschen Volk geben können." Man habe sich dabei direkt mit der Opposition wie auch den internationalen Partnern der USA beraten.
Angesichts der Luftangriffe der internationalen Streitkräfte änderten die Gaddafi-Truppen unterdessen offenbar ihre Taktik. Immer häufiger verzichteten die Soldaten auf Panzer und schwere Geschütze und führen stattdessen in Kleinbussen und Geländewagen zur Front, hieß es aus US-Geheimdienstkreisen. Diese Taktik erschwere Luftangriffe, da die Piloten der internationalen Streitkräfte nicht zwischen Aufständischen und Regierungstruppen unterscheiden könnten, sagte ein Vertreter der US-Geheimdienste.
Die libyschen Aufständischen geraten weiter verstärkt unter Druck durch Gaddafis Truppen. So konnte die Küstenstadt Brega, aus der sie gestern von den Regimetruppen vertrieben worden waren, bislang nicht wieder eingenommen werden. Der Vorstoß mit mehreren Dutzend Fahrzeugen geriet in heftiges Artilleriefeuer der Verbände Gaddafis und musste abgebrochen werden, berichtete ein BBC-Reporter aus dem Kampfgebiet. Die Milizen der Regimegegner stünden nun unverändert etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Adschdabija.
Der arabische Nachrichtensender Al Arabija hatte am frühen Morgen gemeldet, Aufständische seien wieder in Brega. Dabei könnte es sich um Kundschafter gehandelt haben, die vor Angriffen versuchen, das Terrain zu sondieren.
Oppositionelle erklärten indes, in der Oasen-Stadt Kufra im Süden Libyens seien etliche Offiziere der Chamies-Brigade zu den Aufständischen übergelaufen. Die Brigade, die zu den am besten ausgerüsteten Einheiten der libyschen Streitkräfte zählt, ist nach Chamies, einem Sohn von Staatschef Gaddafi, benannt. Chamies soll vor einigen Tagen getötet worden sein. Die Staatsführung bestreitet dies jedoch.
[Bildunterschrift: Bei der Beerdigung eines jungen Mannes, der bei den Luftangriffen der Alliierten getötet worden sein soll, gab es gestern 30 Kilometer südlich von Tripolis Pro-Gaddafi-Proteste. ]
Die NATO übernahm nach Angaben ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen am Morgen das alleinige Kommando über die Luftangriffe in Libyen. Titel der NATO-Operation: "Unified Protector" (Vereinigte Schutzmacht). Das Engagement der US-Streitkräfte bei den Luftangriffen werde damit spürbar reduziert, kündigte NATO-Kommandeur Admiral James Stavridis vor dem US-Kongress an. Bislang sei etwa die Hälfte der Luftangriffe von US-Piloten geflogen worden.
Innerhalb der Nato ist umstritten, ob die UN-Resolution auch - wie vor allem die USA meinen - eine militärische Unterstützung der Rebellen mit Waffenlieferungen einschließt. Sie erlaubt zum Schutz der Zivilbevölkerung "alle notwendigen Maßnahmen". Rasmussen selbst sagte jedoch: "Wir sind dort, um das libysche Volk zu schützen, nicht um Leute zu bewaffnen."
Dem Vatikan zufolge sind bei Luftangriffen der Alliierten auf Tripolis mindestens 40 Zivilisten getötet worden. "Die sogenannten humanitären Angriffe haben Dutzende zivile Opfer in einigen Vierteln von Tripolis getötet", sagte Giovanni Innocenzo Martinelli, der Apostolische Vikar von Tripolis, der katholischen Nachrichtenagentur Fides. "Ich habe mehrere Augenzeugenberichte von vertrauenswürdigen Personen."
Der chinesische Präsident Hu Jintao verurteilte die Luftangriffe auf Libyen. Bei einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Peking erklärte er, "wenn die Militäroperation Unglück über unschuldige Menschen bringt und eine noch größere humanitäre Krise auslöst, steht das im Gegensatz zum ursprünglichen Ziel der UN-Resolution". Der chinesische Präsident forderte einen sofortigen Waffenstillstand und zeigte sich besorgt über eine mögliche Teilung Libyens.
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