Donald Tusk  | Bildquelle: OLIVIER HOSLET/EPA-EFE/REX/Shutt

Attacke gegen Brexit-Befürworter Tusk platzt der Kragen

Stand: 06.02.2019 15:30 Uhr

EU-Ratspräsident Tusk hat für die radikalen Brexit-Befürworter deutliche Worte gefunden. Er frage sich, wie der "besondere Platz in der Hölle" für sie aussehe. Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Angesichts des nicht enden wollenden Brexit-Dramas hat EU-Ratspräsident Donald Tusk deutliche Worte für die radikalen Austrittsbefürworter gefunden. "Ich denke manchmal darüber nach, wie der besondere Platz in der Hölle für jene aussieht, die den Brexit vorangetrieben haben, ohne auch nur die Skizze eines Plans zu haben, ihn sicher über die Bühne zu bringen", sagte Tusk nach einem Treffen mit dem irischen Regierungschef Leo Varadkar in Brüssel.

Tusk sagte, 50 Tage vor dem Brexit-Datum sei es nun oberste Pflicht, einen ungeregelten EU-Austritt zu verhindern. Er glaube immer noch, dass eine gemeinsame Lösung möglich sei und er werde alles in seiner Macht stehende tun, um diese zu finden.

Theresa May | Bildquelle: REUTERS
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Die britische Premierministerin May kommt morgen zu Gesprächen mit Tusk und anderen EU-Vertretern zusammen.

Theresa May in Brüssel

Morgen kommt die britische Regierungschefin Theresa May zu Gesprächen mit Tusk und anderen EU-Vertretern nach Brüssel, um ihre Ideen vorzustellen. "Ich hoffe, dass wir dann von Premierministerin May eine realistische Vorstellung bekommen, wie die Blockade beendet werden kann, in die das Verfahren eines geregelten Austritts Großbritanniens aus der EU sich nach den jüngsten Abstimmungen im Unterhaus befindet", sagte Tusk.

Für die EU blieben die irische Grenzfrage und der Friedensprozess in Irland oberste Priorität. Deshalb bestehe man auf der Garantie einer offenen Grenze, den sogenannten Backstop. "Es gibt hier keinen Spielraum für Spekulationen", betonte Tusk. "Die EU selbst ist in allererster Linie ein Friedensprojekt. Wir werden den Frieden nicht aufs Spiel setzen oder die Versöhnung einem Verfallsdatum unterwerfen."

An Großbritannien appellierte er: "Gebt uns eine glaubhafte Garantie für Frieden in Nordirland und Großbritannien wird die EU als vertrauenswürdiger Freund verlassen." Auch Varadkar betonte, die EU bleibe gesprächsbereit. Der Austrittspakt in seiner jetzigen Form sei aber vereinbart, betonte er.

"Himmlisches Dasein" nach dem Brexit

Nach Tusks Verbalattacke forderte die für Parlamentsfragen zuständige britische Ministerin, Andrea Leadsom, eine Entschuldigung. Tusks Kommentar sei "schändlich" und "boshaft" gewesen, sagte Leadsom der BBC, "Ich bin mir sicher, dass er sich wohl wünschen wird, er hätte es nicht getan, wenn er darüber nachdenkt." Leadsom ist selbst eine glühende Brexit-Anhängerin.

Der ehemalige Ukip-Chef Nigel Farage sagte, für Großbritannien werde es nach dem Austritt Großbritanniens "himmlisch" sein. Das Land sei dann endlich frei von "ungewählten, arroganten Mobs wie Tusk". Farage ist einer der prominentesten Brexit-Aktivisten.

Unterstützung bekam Tusk von der nordirischen republikanischen Partei Sinn Fein. Tusk habe mit seiner Äußerung nur die Frustration der Menschen widergespiegelt. Dies sei sein gutes Recht, sagte Parteichefin Mary Lou McDonald.

Premierministerin May reagierte zunächst nicht auf die Äußerung. Ein Sprecher sagte lediglich, es sei an Tusk zu entscheiden, ob seine Bemerkung "angemessen" gewesen sei.

Reaktionen auf Tusks Höllen-Bemerkung
Anne Demmer, ARD London
06.02.2019 19:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Februar 2019 um 17:45 Uhr in den Nachrichten.

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