Harry Belafonte im Jahr 2012 bei der Vorstellung seiner Biographie in Hamburg | Bildquelle: imago stock&people

Harry Belafonte wird 90 Unermüdlich gegen Rassismus

Stand: 01.03.2017 05:33 Uhr

Mit seinen 90 Jahren hat Harry Belafonte seine Karriere als Sänger aufgegeben. Aber Bürgerrechtler ist er noch - und fordert angesichts der aktuellen Entwicklungen in der US-Politik mehr Rebellion.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Mit Liedern wie "Matilda" und "Island in the Sun" hat er seinen Fans den Traum vom Karibik-Glück und der Flucht in den Urlaub millionenfach verkauft: Harry Belafonte, der Meister des Ohrwurms. Dieses Jahr wird der Sänger 90 Jahre alt und ist trotzdem absolut im Hier und Jetzt.

Im vergangenen Dezember sprach er in der New Yorks Riverside Church, um den 20. Geburtstag der Bürgerrechtsbewegung "Democracy now!" zu feiern. Einen Monat nach dem Wahlsieg von Donald Trump forderte der fast 90-Jährige mehr Abenteuergeist, mehr Rebellion von den Menschen und bekam dafür stehende Ovationen.

In einem schwarzen Rollkragenpullover und einem grauen Sakko mühte er sich die drei Stufen in den Altarraum hoch, gestützt auf einen Stock. Dazu das praktisch faltenlose Gesicht eines Mannes, der halb so alt sein könnte. Und ein scharfer Geist, der alterslos ist.

Belafonte mit Joe Adams und Dorothy Dandridge in dem Film "Carmen Jones" (1954) | Bildquelle: picture alliance / Mary Evans Pi
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Belafonte mit Joe Adams und Dorothy Dandridge in dem Film "Carmen Jones" (1954)

Seine Hauptkarriere ist die des Aktivisten

Seine Karriere als Sänger ist schon seit mehr als zehn Jahren zu Ende. Die Stimmbänder wollten nicht mehr. Doch seine Hauptkarriere, die des Aktivisten, geht weiter. Mühelos schlug Belafonte in seiner Rede in New York den Bogen von seiner Zeit bei der US-Marine während des Zweiten Weltkriegs hin in die Gegenwart: "Wir kamen aus dem Krieg zurück und wussten: Ja, wir mögen gekämpft haben, um Hitler zu besiegen, aber wir haben auch für unser Wahlrecht in Amerika gekämpft", sagt er.

Harry Belafonte | Bildquelle: picture alliance / Wolfgang Kumm
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Belafonte in seiner Funktion als UNICEF-Botschafter im Jahr 2012 in Berlin

Bei dem Kampf um diese Rechte habe sich die Bürgerrechtsbewegung gebildet, erinnerte er sich. Und diese Rechte seien jetzt in Gefahr, warnte er. "Wir müssen nur unsere alten Mäntel rausholen und abstauben. Aufhören herumzugammeln und guten Zeiten nachzuhängen - wir müssen wieder zur Sache kommen. Müssen ein paar Tritte in den Arsch verpassen!"

Harry Belafonte stand an der Seite von Martin Luther King, von Nelson Mandela und Fidel Castro. Er nennt sich selbst einen Schauspieler, der singt. Vor allem aber einen Aktivisten. Und zwar seit seinem fünften Lebensjahr, als er die Welt zum ersten Mal mit wachen Augen ansah. 1932 war das. Inmitten der Großen Depression. Als der Ku-Klux-Klan noch munter marschierte und Rassentrennung kein Wort war, sondern amerikanische Alltagspraxis.

Harry Belafonte | Bildquelle: picture alliance / Everett Colle
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Harry Belafonte mit Martin Luther King und Sammy Davis Junior in New York am 4. April 1965. Mit einem Benefizkonzert wurde Geld für die Bürgerrechtsbewegung gesammelt.

"Das Land ist so rassistisch wie nie"

Fast ein Jahrhundert hat Harry Belafonte nun im Blick. "Ich dachte, ich hätte alles gesehen, alles gemacht und jetzt muss ich mit fast 90 herausfinden, dass ich nichts weiß", sagt er. Er sei nun schon länger am Leben, als er selbst verstehen könne, sagt Belafonte der "New York Times". Es scheine noch einen letzten Akt für ihn zu geben - er wisse nur noch nicht genau, was das sein könne. Ein letzter Akt, der jedenfalls an den Anfang erinnert: den Rassismus in Amerika. Er habe das Land noch nie so rassistisch erlebt wie jetzt, erklärt er der Zeitung.

In der New York Riverside Church predigte vor knapp 50 Jahren Martin Luther King gegen den Vietnam-Krieg. Nun spricht hier sein Weggefährte Belafonte. Nur im Konjunktiv, doch er mahnt eindringlich aus dem Altarraum. "Die Eröffnungsworte einer meiner nächsten Ansprachen könnte sein: "Willkommen im 4. Reich!"

Harry Belafonte | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Harry Belafonte bei einer Rede in der Riverside Church zum Gedenken an Martin Luther King im Januar 2016

"Der Kampf stirbt nicht" - Harry Belafonte zum 90. Geburtstag
K. Clement, ARD New York
28.02.2017 16:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2017 um 23:33 Uhr.

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