UN-Generalsekretär Ban (m.) mit dem Präsidenten der Republik Zypern Nikos Anastasiades (l.) und seinem türkisch-zyprischer Amtskollegen Mustafa Akinci (r.) | Bildquelle: dpa

Gespräche über Wiedervereinigung Ban sieht Zypern-Lösung in Reichweite

Stand: 07.11.2016 14:51 Uhr

Seit mehr als 40 Jahren ist die Mittelmeerinsel Zypern geteilt. Unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen haben in der Schweiz neue Verhandlungen begonnen, die den Weg für eine Wiedervereinigung ebnen sollen.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich, z. Zt. in Genf

Die Insel Zypern liegt im östlichen Mittelmeer, ist rund 9000 Quadratkilometer groß und hat etwa 1,2 Millionen Einwohner - wenn man die gesamte Insel nimmt. Doch Zypern ist geteilt - in einen griechisch-zyprischen Teil im Süden und einen türkisch-zyprischen Teil im Norden. Seit einem von Griechenland gestützten Putsch und einem militärischen Eingreifen der Türkei im Jahr 1974. Der Süden ist international anerkannt und Mitglied der EU. Der Norden ist weitgehend isoliert, wird nur von der Regierung in Ankara anerkannt. Eine von den Vereinten Nationen kontrollierte Pufferzone trennt beide Teile. Und die UN sind es auch, die sich seit Jahren für einen Friedensprozess stark machen, mit dem die Teilung überwunden werden soll.

"Lösung in Reichweite"

Zypern ist den Vereinten Nationen  ein wichtiges Anliegen. So sehr, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon extra zum Auftakt der jetzigen Gespräche in den Schweizer Ferienort Mont-Pélerin  gereist ist. Vor Beginn der Verhandlungen sagte er: "Die Aussicht auf eine Lösung in Zypern ist in Reichweite. Die Erwartungen in beiden Gemeinschaften sind hoch. Zypern gibt Menschen in aller Welt Hoffnung, dass dieser lange Konflikt friedlich gelöst werden kann auf dem Verhandlungsweg."

Karte von Zypern mit Hauptstadt
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Zypern ist seit 1974 in einen griechisch-zyprischen und einen türkisch-zyprischen Teil geteilt.

Verhandlungen seit 17 Monaten

An den Beratungen nehmen der Präsident der Republik Zypern, Nikos Anastasiades, und sein türkisch-zyprischer Amtskollege, Mustafa Akinci, teil. Seit 17 Monaten haben sie die nun begonnenen Gespräche vorbereitet. In wichtigen Punkten konnte man bereits eine Einigung erzielen. Deshalb ist UN-Generalsekretär Ban Ki Moon optimistisch, dass sogar schon bald eine Gesamtlösung steht: "Die Vertreter haben gesagt, dass sie hoffen, dass dieses Treffen den Weg ebnen wird für die letzte Phase der Gespräche, die zu einer Einigung noch im Jahr 2016 führen kann."

Einige sensible und schwierige Fragen sind aber nach wie vor offen. Größere Differenzen gab es bis zuletzt noch bei zwei Punkten: Zum einen die Rückgabe von griechisch-zyprischem Boden, der von türkischen Truppen besetzt wurde. Ganze Ortschaften stehen da zur Diskussion. Zum anderen die Frage, ob nach einer Wiedervereinigung türkische Soldaten auf der Mittelmeerinsel bleiben dürfen. Derzeit hat Ankara zirka 35.000 Soldaten auf Zypern stationiert.

Bei Einigung Volksabstimmungen

Ziel der Verhandlungen ist ein föderaler Staat zweier politisch gleichberechtigter Bundesstaaten. Beide Volksgruppen - die griechisch-zyprischen orthodoxen Christen im Süden und die türkisch-zyprischen sunnitischen Muslime im Norden - sollen eine gemeinsame Regierung führen. Das ist zumindest die Idee. Die Zyprer - im Süden und im Norden - müssen einer Verhandlungslösung in getrennten Volksabstimmungen zustimmen. Der Lösungsansatz müsste auch mit der Türkei, Griechenland und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien abgestimmt werden.

Auftakt der Zypern-Gespräche in der Schweiz
D. K. Mäurer, ARD Zürich
07.11.2016 14:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. November 2016 um 13:25 Uhr

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