Nikos Anastasiades | Bildquelle: dpa

Anastasiades bleibt Zyperns Staatschef Gleicher Präsident - gleiche Probleme

Stand: 05.02.2018 01:42 Uhr

Präsident Anastasiades hat die Stichwahl in Zypern gewonnen, und es gibt viel für ihn zu tun: So muss er die Arbeitslosigkeit angehen - und sich um die Wiedervereinigung bemühen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul, zzt. Nikosia

Hupkonzerte in Nikosia - immer wieder waren sie am Abend in der Hauptstadt der Republik Zypern zu hören. Nikos Anastasiades, der Sieger der Stichwahl, ist der alte und neue Präsident Zyperns. Er selbst ließ sich vor der Zentrale seiner Konservativen Partei mit eher ernster Miene feiern. Nach dem ersten Wahlgang am letzten Sonntag hatte der 71-Jährige nur fünf Prozentpunkte vor seinem Verfolger Stavros Malas gelegen, dem linken Gegenkandidaten. Nun holte der Präsident 56 Prozent der Stimmen. Umso erleichterter bedankte sich Anastasiades nach dem schnellen und klaren Stichwahl-Ergebnis bei seinen Unterstützern.

Immer wieder hatte er in den vergangenen Tagen versprochen, auch auf die Botschaften seiner politischen Gegner zu hören. Und das sei auch wichtig, meint Hubert Faustmann, Politologe an der Universität Nikosia und Büroleiter der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung: "Der neue Präsident wird sich auf jeden Fall um die hohe Jugendarbeitslosigkeit kümmern müssen. Viele jungen Menschen wandern aus der Insel ab." Generell werde es darum gehen, die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben und die Krise endgültig zu überwinden. "Möglicherweise wird es auch in der Zypernfrage wieder Bewegung geben - der Präsident muss sich um die Wiedervereinigung bemühen. Er wird viel zu tun haben."

Stavros Malas | Bildquelle: AFP
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Stavros Malas mit einer enttäuschen Anhängerin.

Viel Eigenengagement gegen die Krise

Der unterlegene Malas - mit mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen kein schwacher Verlierer - wird weiterhin in seinem Hauptberuf als Genetiker arbeiten können. Bedrückte Gesichter gab es bei seinen Unterstützern aus dem linken Lager, als er vor die Mikrophone trat: "Das Volk hat gesprochen und man muss seine Entscheidung respektieren", sagte er. "Ich möchte zunächst Herrn Anastasiades gratulieren, mit dem ich vor Kurzem schon telefoniert habe. Und ich wünsche ihm viel Erfolg bei der Arbeit - ganz im Sinne unseres Landes. Und dass er auf unser Zypern aufpasst."

Stolz auf das eigene Land können viele Menschen im Süden der geteilten Insel sein, sagt Politologe Faustmann, weil sie auch mit reichlich Eigenengagement in beachtlicher Geschwindigkeit die Schlagzeilen von der Fast-Staatspleite überwunden haben. "In vielerlei Hinsicht hat sich das Land von diesem Schock 2013 erholt. Die Gehälter sind gerade dabei, wieder dieses Vor-Krisen-Niveau zu erreichen." Was aber immer noch sehr krisenhaft sei, sei die Arbeitslosigkeit. "In Sachen Jugendarbeitslosigkeit ist das Land eindeutig immer noch in der Krise. Aber das Bewusstsein, dass sie sonst weitgehend vorbei ist, macht sich schon breit."

Teilung bleibt ein Dauerproblem

Blick durch Stacheldraht auf türkische Seite Zyperns. | Bildquelle: AP
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Blick durch Stacheldraht auf die türkische Seite Zyperns. Die Teilung halten viele für ein Dauerproblem.

Eher frustrierend dagegen ist die Lage nach den gescheiterten Verhandlungen zur Wiedervereinigung der Insel. Der griechisch-zyprische Journalist Kyriakos Pierides glaubt, dass der wiedergewählte Präsident in den kommenden Jahren kaum Chancen hat, erfolgreich für die Überwindung der Teilung zu verhandeln: Es werde drei oder vier Jahre lang wenig geschehen - die Teilung damit sehr lange Zeit ein Dauerproblem bleiben. "Die Dynamik, die uns trennt, wird wesentlich stärker sein als die Dynamik, die uns bei der Hoffnung nach Wiedervereinigung begleitet und die uns zusammenbringen könnte. Unsere politischen Anführer auf beiden Seiten erklären uns, sie wollen Erfolg haben - aber sie sind gescheitert. Wenn sie in den kommenden Monaten weiter scheitern, wird es eine nochmal viel größere Enttäuschung auf beiden Seiten geben."

Die deutsch-zyprische Reiseleiterin Niki Pisi glaubt, dass die Wiedervereinigung gut für alle Menschen auf Zypern wäre. "Ich denke, wenn das Zypern-Problem gelöst wird, wird es unserer Wirtschaft wesentlich besser gehen. Es werden sehr viele Arbeitsplätze entstehen - für griechische Zyprer und türkische Zyprer. Man muss also anstreben, dass die Türkei entscheidet, ihre Truppen zurückzuziehen."

Hoffnung, Wünsche, Wahlversprechen und Analysen vermischen sich an diesem Wahlabend auf Zypern zu einer großen Botschaft an den wieder gewählten Präsidenten. Längere Antworten gab es von Nikos Anastasiades dazu erstmal keine. "Danke sehr", sagte er. "Ab morgen sprechen wir."

Reportage vom Wahlabend der Präsidenten-Stichwahl
Michael Lehmann, ARD Istanbul, zzt. Nikosia
04.02.2018 23:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2018 um 23:09 Uhr.

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