Proteste gegen Präsident Zuma | Bildquelle: AP

Landesweite Proteste Tausende Südafrikaner fordern Zumas Rücktritt

Stand: 07.04.2017 15:36 Uhr

"Zuma muss gehen", "Feuert Zuma" - Tausende Südafrikaner haben landesweit gegen Präsident Zuma demonstriert und seinen Rücktritt gefordert. Vereinzelt wurden Ausschreitungen gemeldet. Auslöser der Proteste war die Entlassung von Finanzminister Gordhan vor einer Woche.

Bei landesweiten Demonstrationen haben Zehntausende Südafrikaner Präsident Jacob Zuma zum Rücktritt gefordert. "Zuma muss gehen", riefen die Menschen in mehreren Großstädten. "Feuert Zuma", hieß es auf Transparenten. Vereinzelt wurden Ausschreitungen gemeldet.

Allein in Johannesburg folgten rund 10.000 Anhänger der oppositionellen Demokratischen Allianz (DA) einem Aufruf von Parteichef Mmusi Maimane zu einer Kundgebung gegen den Präsidenten. Zu den Demonstranten gehörten auch mehrere hundert Bewohner der vor allem von Weißen bewohnten wohlhabenden Viertel im Norden der Stadt, was ungewöhnlich ist. Demonstrationen gab es auch in Pretoria, Durban, Kapstadt.

Proteste gegen Präsident Zuma in Pretoria | Bildquelle: AP
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Etliche Demonstranten zogen durch die Straßen Pretorias.

Bei Demonstrationen in Johannesburg griffen Mitglieder des regierenden African National Congress (ANC) laut Medienberichten in Johannesburg mehrere Teilnehmer des von der größten Oppositionspartei Demokratische Allianz organisierten Protests an. Andere, uniformierte ANC-Mitglieder, die das Parteihauptquartier bewachten, brachten die Demonstranten in Sicherheit. Die Regierung rief zur Ruhe auf.

Auslöser: die Entlassung des Finanzministers

Auslöser der Proteste war die Entlassung von Finanzminister Pravin Gordhan durch Zuma vor einer Woche. Der Schritt hatte in der Bevölkerung zu Unmut über Regierungskorruption und die lahmende Wirtschaft geführt. Gordhan war wegen seiner harten Haltung gegen Korruption angesehen. Die Entlassung brachte Zuma Rücktrittsforderungen sogar aus den eigenen Reihen ein. Nach Gorhans Absetzung vergangene Woche hatte eine Ratingagentur Südafrika-Anleihen auf "Ramschniveau" abgestuft. Die Landeswährung Rand brach ein.

Der 74-jährige Zuma, der seit 2009 Präsident ist, steht wegen einer ganzen Reihe von Korruptionsskandalen seit langer Zeit in der Kritik. Die Beliebtheit des ANC, der seit dem Ende der Apartheid 1994 ununterbrochen in Südafrika an der Macht ist, hat unter Zuma zuletzt stark gelitten. Bei der Kommunalwahl im August kam die Partei des legendären ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela nur noch auf 53 Prozent der Stimmen und verlor wichtige Bürgermeisterämter an die Opposition. Zuma wird unter anderem vorgeworfen, die einflussreiche indischstämmige Industriellenfamilie Gupta begünstigt zu haben.

Zehntausende in ganz Südafrika fordern Präsident Zumas Rücktritt
J. Schlüter, ARD Johannisburg
07.04.2017 18:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. April 2017 um 14:45, 15:45 und 16:45 Uhr in den Nachrichten.

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