Spanien: Anruf lenkte Lokführer ab

Bahnkatastrophe in Spanien

Anruf lenkte Lokführer ab

Zum Zeitpunkt des verheerenden Zugunglücks in Spanien war der Lokführer offenbar durch den Anruf eines Bahnangestellten abgelenkt. Er bremste erst Sekunden vor der Entgleisung. Das teilte das Regionalgericht von Galicien nach einer ersten Auswertung der Blackbox mit.

"Wenige Minuten vor der Entgleisung erhielt der Lokführer einen Anruf auf seinem Diensttelefon", teilte das Gericht mit. Ein Bahnmitarbeiter habe ihm die Route des Zuges nach dem Passieren von Santiago erklärt. Dem Inhalt des aufgezeichneten Gesprächs und den Hintergrundgeräuschen zufolge konsultierte der Fahrer eine Karte oder ein ähnliches Papierdokument, heißt es in der Erklärung des Gerichtes.

Francisco José Garzón (Bildquelle: dpa)
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Der Lokführer des Unglückszuges von Santiago de Compostela verlässt das Gerichtsgebäude.

"Einige Sekunden vor dem Unfall wurde eine Bremse aktiviert", heißt es weiter. Auf den Kilometern vor der Unglücksstelle hatte der Zug noch ein Tempo von 192, im Moment der Entgleisung war er noch 153 Stundenkilometer schnell, erklärte das Gericht. An der Unglücksstelle galt eine Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Auf der geraden Strecke davor war Tempo 220 erlaubt.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Gegen den Mann wird bereits wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Er ist derzeit ohne Kaution auf freiem Fuß. Der Fahrer ist seit 30 Jahren bei der Bahngesellschaft Renfe beschäftigt und verfügt über eine zehnjährige Erfahrung als Lokführer. Die Strecke von Madrid nach Santiago de Compostela befuhr er seit einem Jahr.

Die Zeitung "El Pais" berichtete, der Lokführer habe eingeräumt, unvorsichtig gehandelt zu haben. Das Blatt schrieb zudem, der Lokführer habe bei der Befragung mehrfach geweint und unter anderem gesagt, er habe einen Aussetzer gehabt und den Streckenabschnitt verwechselt. Er würde lieber sterben, "als mit der Schuld leben zu müssen", habe der Eisenbahner erklärt. Allerdings habe er auch auf die schlechte Beschilderung an der Unglückskurve "A Grandeira" hingewiesen.

Bei dem Unglück bei Santiago de Compostela waren vergangene Woche 79 Menschen ums Leben gekommen. Gestern war der Opfer in einer bewegenden Trauerfeier gedacht worden.

Trauergottesdienst am Unglücksort
morgenmagazin 07:30 Uhr, 30.07.2013, Tom Schneider, ARD Madrid

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Stand: 30.07.2013 20:55 Uhr

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