Nach Zugunglück in Spanien Lokführer verweigert Aussage

Stand: 27.07.2013 10:10 Uhr

Der Lokführer des in Spanien verunglückten Schnellzuges verweigert offenbar die Mithilfe bei den Ermittlungen. Der Mann, der mit leichten Verletzungen im Krankenhaus liegt, habe die Fragen der Polizei nicht beantwortet und solle nun "so bald wie möglich" einem Richter vorgeführt werden, sagte ein Polizeisprecher. Der erfahrene Eisenbahner wurde noch im Krankenhaus unter dem Vorwurf der Fahrlässigkeit festgenommen und soll nun als Beschuldigter vor dem Untersuchungsrichter aussagen.

Einem Zeitungsbericht zufolge konnte der 52-Jährige den viel zu schnell fahrenden Zug nicht mehr rechtzeitig bremsen. Der Lokführer hätte den Bremsvorgang gemäß den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unglücksstelle bei Santiago de Compostela beginnen müssen, erklärte der Präsident der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Gonzalo Ferre, in Madrid.

190 statt 80 Kilometer pro Stunde

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge raste der Unglückszug vier Kilometer vor der Einfahrt in Santiago mit rund 190 Kilometern pro Stunde in eine Kurve, in der höchstens Tempo 80 erlaubt war.

Alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert, aber selbst für den Fall eines Systemversagens verfüge der Lokführer über einen genauen Plan mit allen Anweisungen, betonte der Behördenchef. Im Gespräch mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE fügte Ferre noch an: "Das ist ja die Aufgabe des Lokführers: die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Sonst wäre er Passagier."

Ermittlungen zu den Ursachen des Zugunglücks laufen weiter
tagesschau24 12:30, 27.07.2013, Tom Schneider, ARD Madrid

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Blackbox geborgen

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun von der Blackbox des Zuges, die laut Gerichtsangaben inzwischen gesichert wurde. Bei dem Unglück waren am Mittwochabend nach Polizeiangaben mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen und rund 180 weitere verletzt worden, von denen am Freitag noch 81 im Krankenhaus behandelt wurden.

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Nach Zugunglück: Lokführer schweigt

S. Heberer, ARD Madrid
27.07.13 05:33 | audio

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