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10.02.2010

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Ausland
Zugunglück in Russland (Foto: AFP)
Russland: 26 Tote und noch immer 20 Vermisste nach Anschlag
Bergungsarbeiten in Russland weitgehend beendet

26 Tote nach Anschlag auf Schnellzug

Nach dem Anschlag auf einen russischen Schnellzug haben die Rettungskräfte 26 Tote geborgen. Rund 20 Menschen werden noch vermisst. Wer die Bombe im Gleisbett platzierte und den "Newsky Express" entgleisen ließ, ist weiter unklar.

Von Hermann Krause, WDR-Hörfunkstudio Moskau

"Ich denke, es war ein Terroranschlag. Denn es hat geknallt. Das habe ich genau gehört." Diese Aussage eines Augenzeugen bestätigte sich am Nachmittag. Die Ermittlungsbehörden fanden Reste eines Sprengkörpers. Aus den Fragmenten wurde eine Sprengkraft von sieben Kilogramm TNT abgeleitet, anscheinend war die Bombe unter den Gleisen befestigt und ferngezündet worden. Als Folge entgleiste um 21.34 Uhr der Newsky Express. Zwischen 25 und 30 Menschen kamen ums Leben - die genaue Zahl steht immer noch nicht fest.

Ermittler gingen schon früh von Anschlag aus

Die Ermittlungsbehören gingen schon relativ früh von einem Anschlag aus, da neben den Gleisen auch ein Krater entdeckt wurde. "Als Folge des Unfalls des Newski-Expresses ist ein Strafverfahren wegen Terrorismus und dem gesetzeswidrigen Einsatzes von Sprengstoff eingeleitet worden", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.   

Am frühen Morgen war als einer der ersten Offiziellen Eisenbahnminister Wladimir Jakunin am Unglücksort. "Dem Stab wurde bereits um 10.00 Uhr ein Bericht vorgelegt, in dem meine Vermutung betätigt wurde, dass es sich um ein Attentat handelt. Alles ähnelt dem Anschlag vor zwei Jahren, leider gibt es nun Tote."  

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Während die Passagiere in den vorderen Waggons mit dem Schrecken davon kamen, sprangen die letzten drei Waggons aus den Schienen. Den Rettungsmannschaften bot sich ein Bild des Grauens. Nur mit Schweißbrennern gelang es, Eingeklemmte  zu bergen, die meisten waren schwerverletzt oder bereits tot. Erschwert wurden die Rettungsarbeiten, die mittlerweile abgeschlossen sind, von den örtlichen Gegebenheiten, da der Unglücksort in einem schwer zugänglichen Waldgelände im Gebiet Twer liegt. "Wir standen alle unter Schock. Die ersten eineinhalb Stunden haben die Passagiere einander geholfen. Die Zugbegleiter haben gefragt, ob jemand Schmerztabletten dabei hat, die haben sie dann den Überlebenden in den hinteren Waggons gegeben", berichtet ein Augenzeuge.

Dramatische Szenen in Twer, Moskau und St. Petersburg

Auf den Bahnhöfen in Moskau und St. Petersburg spielten sich den ganzen Tag über dramatische Szenen ab. Da sich in Russland auch Bahnreisende registrieren lassen müssen, waren die Namen der Opfer schnell bekannt. Mittlerweile sind erste Angehörige in die Stadt Twer, zwischen Moskau und Petersburg gelegen, unterwegs. Dort werden die Leichen aufgebahrt. Die Verwandten müssen sie nun identifizieren, Psychologen begleiten sie auf diesem schweren Weg.

"Täter dürfen nicht davonkommen"

Die Bahnstrecke bleibt vorerst gesperrt, so dass Züge umgeleitet werden müssen, Verspätungen bis zu zwölf Stunden sind keine Seltenheit. Insgesamt sind davon nach Angaben des Eisenbahnministeriums 27.000 Passagiere in ganz Russland betroffen. Präsident Medwedew ließ sich stündlich informieren. Am Nachmittag ordnete er eine Schweigeminute an und forderte  auf einer Sondersitzung seines Kabinetts umfangreiche Untersuchungen. Die Täter, so der Präsident, dürften nicht entkommen.

Bekennerschreiben wird geprüft

In einem Blog im Internet ist unterdessen ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Ob es als authentisch einzuordnen ist, ist im Moment noch unklar. Eine rechtsextreme Gruppe, die sich "Combat 18" nennt, wobei 18 für die Initialen Adolf Hitlers steht, behauptete am Mittag, sie habe den Anschlag durchgeführt. Dieser wäre nur der Anfang, der Krieg beginne jetzt erst. Ob das ernst zu nehmen ist, müssen nun Experten herausfinden. Offiziell wird das Schreiben nicht erwähnt. Rechtsextremisten werden in Russland bisher kaum behelligt. 

Stand: 29.11.2009 05:15 Uhr
 

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