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Zoonosen-Forschung in Kenia
Wenn Krankheiten von Tieren auf Menschen übergehen
Wenn Tierkrankheiten auf Menschen überspringen, spricht man von Zoonosen - die berühmteste ist Aids. Von Zoonosen betroffen sind vor allem Länder, in denen Menschen eng mit Vieh zusammenleben: Nigeria, Indien und Äthiopien. Ein Forschungsprojekt der Universität Nairobi soll helfen, diese Gefahren einzudämmen.
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Sarah Kimani lebt am Stadtrand von Nairobi. Ihr Haus ist aus Wellblech und ein paar Latten gebaut. Direkt daneben hält sie ihre Kühe. Deren Milch ist die Lebensgrundlage für Sarah und ihre vier Kinder. Lange Zeit wäre es der 38-Jährigen nicht in den Sinn gekommen, dass ihre Kühe für die Familie auch gefährlich werden können.
Doch sie können Krankheiten übertragen. Zum Beispiel Kryptosporidiose, eine Durchfallerkrankung: "Dein Körper wird schwächer. Die Symptome sind ähnlich wie bei Malaria. Darum glauben viele, dass sie daran leiden."
Sarah dagegen kennt sich inzwischen gut mit so genannten Zoonosen aus, mit Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übergehen. In ihrem Viertel wurde ein Pilotprojekt durchgeführt, um die Leute über die Risiken der Viehhaltung aufzuklären.
Die Universität Nairobi arbeitet dabei mit dem International Livestock Research Institute (ILRI) zusammen. Die Fachleute haben Daten aus aller Welt gesammelt. "Tatsächlich fanden sich 60 Prozent der Erkrankungen, die Menschen treffen, ursprünglich bei Tieren. Dazu gehören bekannte Krankheiten wie Vogelgrippe oder Rinderwahnsinn", sagt Delia Grace, die die Studie leitet.
Forscher in Nairobi untersuchen Zoonosen
A. Diekhans, ARD Nairobi
14.08.2012 05:29 Uhr
Auch Aids ist eine Zoonose
Aber nicht immer verrät schon der Name, woher der Erreger kommt: Auch die Immunschwächekrankheit Aids ist eine Zoonose. Der Erreger sprang erst vermutlich von Schimpansen und Affen auf einzelne Menschen über, bis er die Pandemie auslöste, unter der vor allem Afrika bis heute leidet.
Die Forscher befürchten, dass Zoonosen in Zukunft noch häufiger auftreten. Besonders betroffen sind im Moment drei Länder: Indien, Äthiopien und Nigeria: "Es gibt mehrere Gründe dafür. Einer ist schlicht und einfach, dass hier viele Menschen leben und dass sie häufig Vieh halten. Aber dann kommen noch andere Faktoren hinzu: kulturelle Besonderheiten oder auch das Klima. Alles zusammen ergibt die Bedingungen für die hohen Fallzahlen."
Verzehr von rohem Fleisch kann Zoonosen auslösen
In Äthiopien beispielsweise wird Fleisch oft roh gegessen. Und auch Milch wird nicht abgekocht: "Bei den Viehzüchtern in Äthiopien und im Norden von Kenia ist es üblich, Milch direkt von der Kuh zu trinken. Solche Angewohnheiten können zu einem verstärkten Auftreten von Zoonosen führen", erklärt Delia Grace. Die Krankheiten können sich schnell weltweit ausbreiten. Deswegen sollen die Zoonosen quasi im Keim erstickt werden. Dort, wo sie besonders häufig vorkommen, wenn Menschen eng mit ihrem Vieh zusammenleben.
"Nur noch mit Gummistiefeln zu den Kühen"
Die Aufklärungskampagne im Vorort von Nairobi ist ein Anfang. Bisher infizieren sich hier etwa fünf Prozent der Menschen mit der Durchfallerkrankung Kryptosporidiose. Doch die Zahlen sollen jetzt gedrückt werden. Mit Vorsorgemaßnahmen, wie sie Sarah Kimani schon umsetzt: "Wir gehen jetzt nur noch mit Gummistiefeln zu den Kühen und ziehen Handschuhe an. Wenn wir Dünger verteilt haben, waschen wir uns danach gründlich die Hände, die Erreger sind ja häufig sehr klein."
Ihr Wissen gibt Sarah an ihre Nachbarn weiter, von denen die meisten auch Rinder oder Hühner haben. Sie hat sich damit schon einen Ruf erarbeitet: "Viele nennen mich Doktor. Denn ich habe dafür gesorgt, dass sie Krypto und andere Krankheiten kennen."
Stand: 14.08.2012 11:09 Uhr
