Eingang des Universitätshospitals in Aarhus | Bildquelle: AP

Gefahr durch Mücke Zika-Virus auch in Europa

Stand: 27.01.2016 16:44 Uhr

Immer mehr Reisende bringen das Zika-Virus nach Europa. Sechs Länder meldeten bereits Infektionsfälle. Das Virus steht im Verdacht, bei Schwangeren das Kind zu schädigen. In Brasilien wurden inzwischen 4000 Fälle von Schädelfehlbildungen gezählt.

Mehrere Reisende haben das Zika-Virus nach Europa eingeschleppt: Bei einem Dänen sei nach einer Reise durch Süd- und Mittelamerika der Erreger festgestellt worden, teilte ein Krankenhaus in Aarhus mit. Der junge Mann habe Fieber und Kopfschmerzen. Er sei aber nicht der erste Fall in Europa.

In der Schweiz wurde das Virus nach Angaben der Gesundheitsbehörden bei zwei Patienten diagnostiziert, die aus Haiti und Kolumbien zurückgekehrt waren. Beide müssten nicht ins Krankenhaus, auch liege keine Schwangerschaft vor.

Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden und die Niederlande als europäische Länder Zika-Infektionen gemeldet. Die schwedische Gesundheitsbehörde teilte mit, es habe bereits vergangenen Sommer einen Zika-Fall gegeben. Alle Betroffenen waren in Süd- und Mittelamerika unterwegs gewesen, wo das Virus in den vergangenen Wochen hauptsächlich aufgetreten war.

Auch in Deutschland ist das Virus schon aufgetreten: Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin habe seit 2013 zehn Infektionen festgestellt, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Verbreitung von Zika-Virus in Deutschland unwahrscheinlich
tagesschau 17:00 Uhr, 27.01.2016, Jürgen Kreller, NDR

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4000 Schädel-Fehlbildungen in Brasilien

Das von Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in Südamerika. Es führt bei rund 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu Schädel-Fehlbildungen - Mikrozephalie - führen kann.

In Brasilien wurden inzwischen mehr als 4000 Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen gezählt. Seit Oktober wurden in dem Land Neugeborene mit Mikrozephalie registriert - im gesamten Jahr 2014 waren es dagegen nur 147 Fälle. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind meist die Folge. 49 der betroffenen Kinder sind inzwischen gestorben.

Andere Länder, andere Konsequenzen

Viele der 21 betroffenen Länder in Nord-, Mittel- und Südamerika wie beispielsweise Kolumbien, das mehr als 16.400 Zika-Fälle meldet, darunter 1090 Schwangere, haben bereits Konsequenzen ergriffen und Frauen dazu geraten, gewollte Schwangerschaften zu verschieben. Ein Fall bei dem Mikrozephalie festgestellt wurde, nachdem eine Schwangere an dem Virus erkrankte, habe es in Kolumbien bis jetzt aber noch nicht gegeben.

Auf Puerto Rico wurden nach Angaben von Gesundheitsministerin Ana Rius bislang 19 Fälle von Zika-Infektionen bestätigt. Bei keinem dieser Fälle handelte es sich um eine Schwangere. Das Gesundheitsministerium des Inselstaats, der zu den USA gehört, kündigte an, präventive Maßnahmen zu veranlassen und weitere Tests bei Personen durchzuführen, die an dem Virus erkrankt sind.

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

El Salvadors Gesundheitsministerium forderte kurzzeitig sogar einen zweijährigen Schwangerschaftsverzicht - bis Spott und Proteste es zum Zurückrudern zwangen. Inzwischen raten die Behörden Schülerinnen nur noch, lange Hosen statt Röcke zu tragen, um sich vor Mückenstichen zu schützen.

Schwangere sollten von Reisen in Gefahren-Gebiete absehen

Das Virus verunsichert viele Touristen. "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", rät das Auswärtige Amt in Berlin inzwischen mit Blick auf die rasante Ausbreitung, die im Mai 2015 in Brasilien begann.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut rät im ARD-Morgenmagazin, auch Frauen, die schwanger werden wollen, sollten vorerst nicht in die betroffenen Gebiete reisen.

Jonas Schmidt-Chanasit, Bernhard-Nocht-Institut, zur Gefahr des Zika-Virus
tagesthemen 22:15 Uhr, 27.01.2016

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USA starten Forschung nach Impfstoff

Die US-Regierung gab bekannt, dass mit Forschungen begonnen wurde, um einen Impfstoff gegen das Zika-Virus zu entwickeln. Allerdings könnten Jahre vergehen, bis ein entsprechendes Mittel gefunden werde, sagte Anthony Fauci von der US-Gesundheitsbehörde NIH: "Das geht nicht über Nacht." Die Suche könnte aber dadurch erleichtert werden, dass es bereits Impfstoffe in verschiedenen Entwicklungsstadien gegen Viren gibt, die der gleichen Familie zugeordnet werden wie das Zika-Virus. Dazu gehören Krankheiten wie das Denguefieber.

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