Kampf gegen das Zika-Virus in Südamerika | Bildquelle: AP

Virus breitet sich "explosionsartig" aus WHO befürchtet Millionen Zika-Fälle

Stand: 28.01.2016 15:03 Uhr

Die WHO ist wegen der "explosionsartigen" Ausbreitung des Zika-Virus besorgt. Auf dem amerikanischen Kontinent könnten bis zu vier Millionen Menschen infiziert werden. Auch eine weltweite Ausbreitung sei nicht ausgeschlossen, so die Weltgesundheitsorganisation.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des vor allem in Südamerika grassierenden Zika-Virus eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Epidemie verbreite sich "explosionsartig" auf dem amerikanischen Kontinent, erklärte WHO-Chefin Margaret Chan in Genf. Daher sei für Montag eine Krisensitzung angesetzt worden. Ihre Organisation sei besonders besorgt über eine mögliche weltweite Ausbreitung des Virus.

Das Virus könnte nach WHO-Berechnungen bis zu vier Millionen Menschen auf dem amerikanischen Kontinent infizieren, davon bis zu 1,5 Millionen Menschen in Brasilien. Meistens bleibt eine Infektion mit dem Virus folgenlos. Allerdings wird ein Zusammenhang mit einigen Erkrankungen gesehen. Chan zog eine Verbindung zum Guillain-Barre-Syndrom, das zeitlich begrenzte Lähmungen auslöst. Eine Impfung gegen das Zika-Virus gibt es bisher nicht.

Löst das Virus Schädelfehlbildungen aus?

Marcos Espinal, vom WHO-Ableger des amerikanischen Kontinents, kündigte die Präsentation einer Studie an, die eine Verbindung zwischen dem Zika-Virus und Mikrozephalie - Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen - für wahrscheinlich hält. Noch sei nicht bekannt, ob das Virus die Plazenta passiere, aber insgesamt gebe es kaum Zweifel, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Virus und den Fehlbildungen gebe.

Weil 80 Prozent der Infizierten keine Symptome haben, ist es für Schwangere schwierig zu wissen, ob sie selbst erkrankt waren oder sind. Sie gelten deshalb als besonders gefährdete Gruppe.

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

Es gibt keine Impfung

Das von Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in Südamerika. Es führt bei rund 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich.

Besonders betroffen ist Brasilien. Allein dort wurden seit Oktober ungefähr 4000 Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen gezählt, die auf das Zika-Virus zurückgeführt werden. 2014 waren es noch 147 Fälle gewesen. Bei Mikrozephalie ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind meist die Folge. 49 der betroffenen Kinder sind inzwischen gestorben.

WHO schlägt Alarm wegen der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus
tagesschau 20:00 Uhr, 28.01.2016, Hennig Winter, ARD Genf

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1000 Fälle in Honduras

Neue Zahlen liegen aus Honduras vor. Dort wurden etwa 1000 Infektionen mit dem Zika-Virus nachgewiesen. Die Behörden untersuchten zudem einen Todesfall, der durch den Erreger verursacht worden sein könnte, wie der stellvertretende Gesundheitsminister, Francis Contreras, mitteilte. In dem mittelamerikanischen Land habe es seit Jahren immer wieder Zika-Infektionen gegeben.

Erstmals registrierte das Nachbarland Nicaragua zwei Erkrankungen, wie das örtliche Gesundheitsministerium bekannt gab. Betroffen waren demnach zwei Frauen in der Hauptstadt Managua. Den Behörden zufolge war der Zustand der Patientinnen stabil.

Viele der betroffenen Länder in Nord-, Mittel- und Südamerika wie beispielsweise Kolumbien, das mehr als 16.400 Zika-Fälle meldet, haben bereits Konsequenzen ergriffen und Frauen dazu geraten, gewollte Schwangerschaften zu verschieben.

Frankreich warnt Schwangere vor Reisen

Inzwischen warnte auch die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine Schwangere vor Fahrten in französische Überseegebiete. Geplante Reisen auf die Karibikinsel Martinique, nach Französisch-Guayana und in andere französische Überseegebiete sollten verschoben werden, sagte Touraine dem Sender France Info. Auf Martinique wurden bereits mehr als 100 Fälle registriert, in Guayana 45 Infektionen mit dem Zika-Virus.

Zuvor hatte unter anderem Deutschland gewarnt. "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", rät das Auswärtige Amt mit Blick auf die rasante Ausbreitung, die im Mai 2015 in Brasilien begann.

Medienberichten zufolge wurde inzwischen bei einer Kölnerin das Virus im Blut nachgewiesen. Sie werde in einer Hamburger Spezialklinik behandelt, berichtet der WDR.

WHO besorgt über schnelle Ausbreitung von Zika-Virus
P. Steffe, ARD Kairo
28.01.2016 15:50 Uhr

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