Papst Franziskus | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Zika-Virus Verhüten mit dem Segen des Papstes

Stand: 19.02.2016 17:04 Uhr

Papst Franziskus hat Frauen zugestanden, zu verhüten. Grund ist die rapide Ausbreitung des Zika-Virus in Südamerika. Mittlerweile bestätigte der Vatikan die Lockerung des Verhütungsverbots. Könnte das die Wende in der katholischen Sexualmoral sein?

Von Karolin Wulf, tagesschau.de

Papst Franziskus ist bekannt dafür, überraschende sowie pragmatische Botschaften zu verbreiten. Wie auch diese: Auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom deutete das katholische Kirchenoberhaupt vor Journalisten an, dass angesichts des Zika-Virus Frauen Verhütungsmittel nutzten dürfen.

Eine "Schwangerschaft zu verhindern", sei kein "absolutes Übel". Eine Abtreibung sei im Kampf gegen den Erreger jedoch "kein kleineres Übel, sondern ein Verbrechen". Übersetzt: Abtreibung ist nach wie vor tabu. Doch Kondome und Pille haben nun den Segen des Papstes - zumindest in Zeiten des Zika-Virus.

Zuvor hatte bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Frauen in den betroffenen Regionen dazu aufgerufen, Kondome beim Geschlechtsverkehr zu nutzen. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Schwangeren schwere Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) der Ungeborenen zu verursachen.

Papst Franziskus spricht im Flugzeug mit Journalisten | Bildquelle: AFP
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Unerwartete Botschaft im Flugzeug: Auf seinem Rückweg aus Mexiko deutete Papst Franziskus an, dass Verhütung angesichts des Zika-Virus erlaubt sei.

"Die Aussage des Papstes ist nichts Neues"

Der Vatikan bestätigte die veränderte Haltung der katholischen Kirche beim Thema Verhütung. "Verhütungsmittel oder Präservative können in Fällen besonderer Not einer ernsthaften Gewissensprüfung unterzogen werden", betonte Vatikansprecher Federico Lombardi im Sender Radio Vatikan: "Das sagt der Papst."

Doch bedeutet die Aussage des Papstes eine grundsätzliche Wende in der katholischen Sexualmoral? Nein, glaubt die Leiterin der NDR-Redaktion "Religion und Gesellschaft", Anja Würzberg.

Schon allein deswegen nicht, weil Franziskus sich auf einen seiner Vorgänger, Papst Paul VI., berufen hatte, der von 1963 bis 1978 katholisches Kirchenoberhaupt war. Dieser hatte damals Frauen im Kongo Verhütungsmittel erlaubt, weil sie Opfer von Vergewaltigungen durch Soldaten geworden waren. "Insofern ist die Aussage also eigentlich nichts Neues", so Würzberg im Gespräch mit tagesschau.de.

Franziskus habe jedoch "ein tiefes Verständnis für die Nöte der Menschen". Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Benedikt XVI. und Johannes Paul II. sei Franziskus kein Dogmatiker, sondern ein Seelsorger: "Wenn ein Papst konkret sagt, 'Ihr dürft verhüten', dann ist das modern seelsorgerisch gedacht und nah am Menschen."

Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar

Und auch pragmatisch. Denn mittlerweile sind allein in Brasilien zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Menschen mit dem Zika-Virus infiziert. Weltweit ist Zika bislang in 40 Ländern aufgetaucht. Übertragen wird das Virus nicht nur über Mückenstiche der Ägyptischen Tigermücke, sondern möglicherweise auch beim Geschlechtsverkehr. Anfang Februar hatte die WHO aufgrund der schnellen Verbreitung des Virus in Lateinamerika den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Nach einer Schätzung der Weltbank wird der Kampf gegen das Virus und seine Folgen in Lateinamerika und der Karibik 3,5 Milliarden Dollar kosten. Sollte die Epidemie nicht bald gestoppt werden, könnte es sogar noch teurer werden, schätzen die Experten in Washington. Besonders die karibischen Länder, die in hohem Maße auf Touristen angewiesen sind, könnte dies treffen.

Ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde versprüht ein Insektizid in einer Kirche in Caracas | Bildquelle: AFP
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Ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde versprüht ein Insektizid in einer Kirche in Caracas.

Verhütung ist teuer

Das Problem mangelnder Verhütung in Südamerika könnte laut Würzberg jedoch nicht nur an der katholischen Dogmatik liegen, sondern vielmehr daran, dass sich viele Menschen Verhütungsmittel schlichtweg nicht leisten könnten.

Für die Stiftung Weltbevölkerung sind deswegen jetzt vor allem die lateinamerikanischen Regierungen in der Pflicht. Sie müssten dafür sorgen, dass die Frauen auch die Möglichkeit hätten zu verhüten, sagte Sprecherin Ute Stallmeister dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dafür brauche es Aufklärungsprogramme und subventionierte Verhütungsmittel.

Abwägung zwischen zwei Übeln

Für Stallmeister ist deshalb jede Äußerung des Papstes erfreulich, die das Recht der Frauen auf Familienplanung stärkt. Denn so lange die katholische Kirche einen so starken Einfluss habe wie in Lateinamerika, hätten derartige Worte eine große Wirkung. Die Äußerungen des Papstes würden "sicher dazu führen, dass mehr Frauen gewillt sind, zu verhüten."

Die Frage ist nur, für wie lang. Denn ob sich die Haltung der katholischen Kirche beim Thema Verhütung tatsächlich dauerhaft verändert hat, ließ Franziskus offen.

"Ich glaube nicht, dass Franziskus einen großen Stein ins Rollen gebracht hat", sagt die Journalistin Würzberg. "Für ihn war es in der akuten Situation eine Abwägung zwischen Abtreiben oder Verhüten - da hat er sich schlicht für das kleinere Übel entschieden."

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

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