Eine Mücke steht auf einem Arm und scheint zu stechen. | Bildquelle: AP

Zika-Virus in Südamerika Kolumbien rät von Schwangerschaften ab

Stand: 21.01.2016 11:06 Uhr

Nachdem die USA bereits von Reisen nach Südamerika aufgrund des sich ausbreitenden Zika-Virus abgeraten hatten, warnt nun auch Kolumbien seine Bürger vor den Konsequenzen. Frauen sollen besonders vorsichtig sein und bis zum Juli nicht schwanger werden.

Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit einem rasanten Anstieg bei Zika-Infektionen. "Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung wie beim Chikunguya-Virus im vergangenen Jahr, mit zwischen 600.000 und 700.000 Infektionen", erklärte der kolumbianische Gesundheitsminister Alejandro Gaviria in Bogota. Kolumbien sei damit nach Brasilien das von dem Virus am stärksten betroffene Land in Südamerika.

Der kolumbianischen Gesundheitsminister Alejandro Gaviria spricht auf einer Preseskonferenz. | Bildquelle: REUTERS
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Auf Schwangerschaften sollte man in Kolumbien laut Gesundheitsminister Gaviria bis zum Juli verzichten.

Das von Mücken übertragene Zika-Virus stammt aus dem tropischen Teil Afrikas, Südostasiens und karibischer Inseln und verursacht Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündungen. Bei Schwangeren besteht die Vermutung, dass das Virus auf das Ungeborene übergehen und Hirnfehlbildungen - in diesem Fall Mikrozephalie - verursachen kann. "Wissenschaftlich können wir die Verbindung aber noch nicht nachweisen", erklärt Jean Peron, Immunologie-Experte von der Universität Sao Paulo/Brasilien. In besonders schlimmen Fällen kann das Virus bei Kleinkindern auch zum Tod führen. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus und kein Medikament

Regierung: Schwangerschaften vermeiden

Die kolumbianischen Regierung rät daher allen Frauen, in den kommenden Monaten nicht schwanger zu werden. "Angesichts der Phase, in der sich die Epidemie befindet, und des bestehenden Risikos, raten wir Paaren, von einer Schwangerschaft bis Ende Juli 2016 abzusehen", teilte das Gesundheitsministerium in Bogota mit. Alle Schwangeren, die in einer Höhe von 2200 Metern lebten, werde zudem davon abgeraten in tiefer gelegene Gebiete zu reisen, da die Ansteckungsgefahr dort größer sei.

In Kolumbien gibt es laut den Gesundheitsbehörden 10.837 bestätigte Fälle von Zika-Infektionen sowie knapp 2000 Verdachtsfälle. Bei 459 der bestätigten und 101 der Verdachtsfälle handelt es sich um Schwangere. Bislang wurden in Kolumbien 106 Kinder geboren, deren Mütter während der Schwangerschaft mit Zika infiziert wurden. 30 der Neugeborenen von ihnen trugen neurologische Schäden davon. "Wir können mit 450 bis 600 Fällen von Mikrozephalie bei Kindern in Kolumbien rechnen, wenn sich die Lage wie in Brasilien entwickelt", erklärte Vize-Gesundheitsminister Fernando Ruiz.

Zika-Virus breitet sich in Südamerika weiter aus
tagesschau24 09:30 Uhr, 21.01.2016, Oliver Rabieh, ARD-Aktuell

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Das Virus breitet sich weiter aus

Brasilien berichtet seit dem vergangenen Jahr über eine rasant steigende Anzahl von Zika-Infektionen. Seit Oktober gab es in dem Land mehr als 3893 Fälle von Babys oder Föten mit Mikrozephalie registriert. Mindestens vier der Fälle wurden analysiert, bei allen hatten sich die Mütter während der Schwangerschaft mit dem Virus infiziert. Im gesamten Jahr 2014 gab es weniger als 150 Fälle von Mikrozephalie in Brasilien.

Der schwierige Kampf gegen das Zika-Virus
J. Segador, ARD Buenos Aires
08.12.2015 09:25 Uhr

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Andere Staaten mahnen ebenfalls zur Vorsicht, wie zum Beispiel die Behörden auf der Karibikinsel Jamaika: "Das Virus kommt Jamaika immer näher und näher", sagte der Gesundheitsminister des Karibikstaats Horace Dalley. Frauen, die sich bereits in der Schwangerschaft befinden, sollten sich besonders vor Mückenstichen schützen, zitiert ihn die jamaikanische Zeitung "The Gleaner".

Reisen vermeiden wenn möglich

Wegen der Ausbreitung des Virus hatte die USA in der vergangenen Woche bereits allen Schwangeren von Reisen in die betroffenen Länder abgeraten. Beflügelt wurde die Warnung durch die Nachricht über ein Baby auf Hawaii, das ebenfalls an Mikrozephalie leide. Die Mutter des Kindes war im vergangenen Jahr nach Brasilien gereist.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin hat die Ausbreitung des Zika-Virus in ihre Reisewarnung für Kolumbien aufgenommen. Dort heißt es: "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen." Das Amt hat zusätzlich ein Merkblatt im Internet bereitgestellt. Insgesamt sind mittlerweile 20 Staaten in Südamerika von dem Virus betroffen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Januar 2016 um 09:15 Uhr.

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