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In Honduras' Hauptstadt ist es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Zelaya und der Polizei gekommen. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet. Der Druck auf Interimspräsident Micheletti wächst, doch der gibt sich ungerührt.
Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkstudio Mexiko-Stadt
[Bildunterschrift: Die Demonstrationen gegen die Interimsregierung werden immer gewalttätiger. ]
Trotz anhaltender Ausgangssperre demonstrieren Tausende in den Straßen Tegucigalpas gegen die Putschregierung. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit dem Militär. Offiziell bestätigt wurde der Tod von zwei Honduranern, Dutzende werden in Krankenhäusern behandelt. Mehrere hundert Personen wurden festgenommen und in einem Sportstadion interniert. Dort seien sie Sonne und Regen schutzlos ausgeliefert, berichtete ein Demonstrant, der mit Hilfe seines Anwalts wieder freikam. Es gebe keine medizinische Versorgung und kein Wasser oder Nahrung.
Die Machthaber versuchen mit allen Mitteln, den Widerstand der Zelaya-Anhänger zu brechen. Die seit Montag geltende Ausgangssperre wurde im ganzen Land erneut verlängert, zunächst bis heute 6 Uhr früh Ortszeit. Vereinzelt kam es zu Plünderungen von Geschäften.
Die internationale Journalisten-Organisation "Reporter ohne Grenzen" prangerte Zensur-Maßnahmen an, die wenigen unabhängigen Medien im Land würden bedroht oder mit Stromsperren außer Betrieb gesetzt.
[Bildunterschrift: Dem honduranischen Ex-Präsidenten Zelaya werfen seine Gegner Verfassungsbruch vor. ]
Aus seiner Zuflucht in der brasilianischen Botschaft sandte der gestürzte Präsident Manuel Zelaya einen Hilferuf an die internationale Gemeinschaft. "Wir haben eine Botschaft des Dialogs und des Friedens, doch sie haben uns mit Schüssen, Tränengas und Unterdrückung empfangen", sagte er. "Wir suchen das Gespräch und ihre Antwort ist Krieg. Wir werden belagert und gekidnappt von einem Regime, das unsere Rechte und unsere Freiheit mit Gewalt außer Kraft setzt."
Gestern war die Ausgangssperre erstmals seit zwei Tagen für sieben Stunden unterbrochen worden. Die Menschen stürmten Supermärkte, Apotheken, Banken und Tankstellen, um sich mit dem Notwendigsten zu versorgen. An vielen Orten brach Chaos aus, panisch wurden Hamsterkäufe gemacht.
Die rigiden Maßnahmen der Interimsregierung erzürnen auch immer mehr Honduraner, die die politische Krise bislang still verfolgt hatten. "Ich bitte die Verantwortlichen, dieses Problem schnell zu lösen. Wir haben Angst, machen uns Sorgen und sind angespannt. Aber wir vertrauen auf Gott", sagt einer. Ein anderer meint, die beiden Kontrahenten sollten flexibler sein.
International ist Honduras isolierter als je zuvor. Die UN-Vollversammlung drängt zum Dialog, und UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon setzte die technische Unterstützung für die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl Ende November aus. Glaubwürdige Wahlen seien derzeit nicht möglich, teilte er mit und mahnte die Putschregierung zur Einhaltung der Menschenrechte.
De-facto-Präsident Roberto Micheletti lässt der weltliche Gegenwind kalt. "Ich versuche permanent, nahe bei Gott zu sein. Außerdem haben wir die Verfassung, die unser Handeln deckt. Ich glaube, keine Nation der Welt kann stärker sein als der Wille Gottes. Wir stehen allein da, aber wir überleben."
Überleben soll eine über 30-jährige Vorherrschaft der Wirtschaftselite des Landes. Mittels zweier mehr oder weniger konservativer Parteien und einer auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Verfassung hatte sie sich ihre Herrschaft gesichert. Die Demonstranten fordern längst weit mehr als die Rückkehr des gewählten Präsidenten Zelaya, dessen Amtszeit sowieso im Januar endet: Sie wollen eine Demokratisierung des Landes, konkret: eine verfassungsgebende Versammlung.
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