Zeitungsmarkt in den USA: Mehr Leser, aber weniger Geld

Zeitungsmarkt in den USA

Mehr Leser, aber weniger Geld

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA kämpfen viele Zeitungen ums Überleben. Die Berichterstattung verlagert sich mehr und mehr ins Internet. Tweets und Videos ergänzen das Angebot zu den Printausgaben. Doch obwohl die Zahl der Leser teilweise sogar zunimmt, sinken die Einnahmen.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Schriftzug des Wall Street Journals (Bildquelle: picture-alliance/ dpa)
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Das "Wall Street Journal" ist die größte Tageszeitung der USA.

Die größte Tageszeitung der USA ist das "Wall Street Journal" - eine Wirtschaftszeitung. Jeden Tag kaufen gut zwei Millionen Menschen das Blatt, ein Viertel davon im Internet. Ein Online-Abo kostet gut 20 Euro im Monat, ein paar ausgewählte Artikel gibt es kostenlos.

Während die kleineren Regionalzeitungen wie der "Miami Herald" oder die "Philadelphia Daily News" ums Überleben kämpfen, hat das "Wall Street Journal" in diesem Jahr zehn Prozent mehr Zeitungen verkauft als im vergangenen. Noch frappierender ist die Entwicklung bei der "New York Times". Die vielleicht berühmteste Tageszeitung der Welt hat ihre Auflage im vergangenen Jahr sogar um 40 Prozent gesteigert, dank Abos im Internet.

Ein Blick in die Zukunft - Zeitungssterben in den USA
S. Fritz, SWR Washington
24.11.2012 08:51 Uhr

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Kombinationen aus Printausgaben und Online-Angebot

Seit einem Jahr leitet Jill Abramson die "New York Times", die erste Chefredakteurin in der Geschichte der Zeitung. Als die 58-Jährige den Job antrat, erklärte sie, wie für sie Internet und Printausgabe zusammenpassen: "Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären: Als Steve Jobs starb, veröffentlichte unser HighTech-Experte noch in der Nacht einen brillanten Nachruf auf unserer Internet-Seite. Wir zeigten ein Video, es gab bewegende Blog-Einträge, und wir veröffentlichten die besten Tweets. Das ist alles Qualitätsjournalismus."

Chefredakteurin der New York Times Jill Abramson (Bildquelle: dpa)
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Die Chefredakteurin der New York Times, Abramson, will Print- und Online-Ausgabe kombinieren.

Das Problem ist: Das "Wall Street Journal" und die "New York Times" verlieren beide Geld mit ihrem Angebot. Der Verlag der "New York Times" hat in den vergangenen drei Monaten umgerechnet rund fünf Millionen Euro verdient, deutlich weniger als vor einem Jahr. Damals waren es 17 Millionen.

Obwohl die Leser der Zeitung in Scharen zulaufen, schwinden dennoch die Werbeeinnahmen: "Unsere Zahlen zeigen zunehmend weniger Werbeeinnahmen, aber mehr Leser durch unser Online-Angebot", erklärte der Verleger Arthur Sulzberger Jr., ein Sohn der legendären Verleger-Familie.

"Qualitätsjournalismus wird überleben"

Wenn es aber schon die Großen nicht schaffen, mit ihren Zeitungen genügend Geld zu verdienen, wie soll dies dann den Kleinen gelingen? Rund 100 amerikanische Tageszeitungen haben in den vergangenen zehn Jahren dicht gemacht, Tausende Journalisten haben ihren Job verloren. Die angesehene "Times-Picayune" aus New Orleans erscheint nur noch dreimal die Woche auf Papier,  die restlichen Tage finden im Internet statt.

Eine Antwort, wie man ohne die Einnahmen aus Auto- Häuser- und Stellenanzeigen eine gute Zeitung machen kann, haben auch die Amerikaner nicht. James O’Shea, der mit "Deal From Hell" ein Buch über die Zeitungskrise geschrieben hat, meint: "Meine Sorge ist, dass es bald keinen Journalismus mehr gibt. Zeitungen, die Qualitätsjournalismus liefern, werden überleben, weil sie ihren Inhalt an ihre Kunden liefern können. Freie Information ist dagegen nicht viel wert. Darum ist sie frei."

Schwierige Inhalte in unterhaltsamen Videos

Die Journalistengruppe Pro Publica versucht seit einigen Jahren einen anderen Weg. Die Internetzeitung will vor allem Geschichten und Hintergründe aufdecken - zum Wohle der Öffentlichkeit, wie es heißt. Pro Publica bietet diese Exklusiv-Geschichten anderen Zeitungen kostenlos an. Finanziert wird die Organisation durch Spenden. Hauptsponsor sind Herb und Marion Sandler, die ihr Geld mit Häuserkrediten gemacht haben. 2011 bekam die Gruppe einen Pulitzerpreis. Komplizierte Inhalte wie "Fracking" oder "Superpacs" verpackt Pro Publica schon mal in unterhaltsame Videos.

Ein bisschen Hoffnung gibt es, dass die Talfahrt auf dem Zeitungsmarkt gestoppt ist. Die Marktforschungsfirma Borell zum Beispiel rechnet für 2014 mit acht Prozent mehr Werbeeinnahmen für Tageszeitungen. Die Auflage der Zeitungen in den USA ist inzwischen stabil und viele Verlage, so Medienexperte Rick Edmunds, haben sich gesundgeschrumpft, sind nun kleiner und damit auch wieder profitabler.

Kleiner ist besser, das gilt auch manchmal für die "New York Times". Auf die Frage, was sie verändern will, sagte die neue Chefin: "Es muss nicht mehr jeder Artikel 1800 Wörter haben."  

Stand: 24.11.2012 08:56 Uhr

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