Die Sonne geht über dem Pazifik auf. | Bildquelle: dpa

Versunkener Kontinent "Zealandia" Eine Zeitreise in den Tiefen des Meeres

Stand: 28.09.2017 13:48 Uhr

Die Entdeckung von "Zealandia" wurde im Februar bekannt: fünf Millionen Quadratkilometer groß, östlich von Australien gelegen. Nach zweimonatiger Forschungsreise haben Wissenschaftler nun erste Erkenntnisse über den versunkenen Kontinent vorgestellt.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Manchmal ist Wissenschaft richtig spannend: Zum Beispiel, wenn man sich auf einem Forschungsschiff befindet und einen versunkenen Kontinent sucht. Ende Juli startete die Expedition der "Joides Resolution". An Bord befand sich ein Forscherteam mit einem bestimmten Auftrag: Den sogenannten achten Kontinent "Zealandia" zu untersuchen.

"'Zealandia' war schon hundert Millionen Jahre hier. Aber erst jetzt wurde es entdeckt, weil es sich die ganze Zeit unter dem Meer versteckt hat", sagt Professor Rupert Sutherland von der neuseeländischen Victoria University nach dem Abschluss der zweimonatigen Expedition.

"Zealandia" größer als indischer Subkontinent

Für ihn und seine Kollegen steht fest, dass "Zealandia" ein eigenständiger Kontinent ist: fünf Millionen Quadratkilometer groß, größer als der indische Subkontinent. 94 Prozent davon liegen unter Wasser, nur Neuseeland und Neukaledonien sind sichtbar. Beide sind damit aus Sicht der Experten keine Inselketten, sondern herausragende Teile eines zusammenhängenden Kontinents.

"Es wäre leichter, wenn wir einfach einen Stöpsel aus dem Ozean ziehen könnten. Dann sähe jeder, dass da ein Kontinent mit Gebirgsketten weit über dem Meeresboden hervorsteht", meint ein Kollege von Sutherland.

Um den Kontinent zu untersuchen, nahmen die Forscher auch Bohrungen vor. "Wir haben fantastische Sachen gefunden", berichten Sutherland und Dr. Gerald Dickens, amerikanischer Geologe. Erst hätten sie sich durch viele Schichten von Tiefseeschlamm gearbeitet und dann war plötzlich harter Fels. "Fels, der früher an der Erdoberfläche war, als 'Zealandia' noch über Wasser lag."

Das Forschungsschiff "Joides Resolution" | Bildquelle: AFP
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Zwei Monate war das Forschungsschiff "Joides Resolution" unterwegs.

Die vom Forschungsschiff entnommenen Gesteinsproben werden in der Universität Zealandia untersucht. | Bildquelle: https://www.victoria.ac.nz/news/
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Die vom Forschungsschiff entnommenen Gesteinsproben werden in der Universität untersucht.

Bohrkerne als Zeitmaschine

Was Wissenschaftler und was Laien fantastisch finden, unterscheide sich ja manchmal, räumt Dickens ein. Bei Forschern seien das eben "keine Einhörner oder Feen, aber ganz schön coole Steine".

Die Bohrkerne sind das, was den Wissenschaftlern den Blick in die Erdgeschichte ermöglicht, eine Art Zeitmaschine. "Zealandia" habe vor 100 Millionen Jahren begonnen, sich als großer Block von den damals noch verbundenen Erdteilen Australien und Antarktis abzulösen, fasst Dickens zusammen. Vor 80 Millionen Jahren habe sich ein Ozean gebildet. "Und dann - vor etwa 53 Millionen Jahren - hört dieser Prozess plötzlich auf. Warum? Das wollten wir herausfinden."

Dickens präsentiert mehrere Bohrkerne, deutet auf die verschiedenen Adern und Farben, die darin zu erkennen sind - für Laien schwer lesbar. Die Wissenschaftler schließen aus ihnen, dass der Kontinent eine Periode der Kompression erfuhr und versank, dann aber nochmals auftauchte. Vor 35 Millionen Jahren versank er schließlich fast komplett.

Liefert Forschung auch Erkenntnisse zum Klimawandel?

Die Entdeckung von mikroskopisch kleinen Hüllen von Organismen, die in warmen, flachen Meeresteilen lebten, sowie von Festlandpflanzen beweise, dass die Geographie und das Klima von "Zealandia" sich dramatisch vom heutigen Klima unterschieden, führt Dickens weiter aus. Diese Erkenntnis wiederum hilft den Wissenschaftlern, wichtige Fragen zu beantworten: Wie haben sich Pflanzen und Tiere im Südpazifik verbreitet und entwickelt? Das flache Meer und das vorhandene Land während der Zeit von "Zealandia's" Oberflächendasein, waren Verbindungswege für Tiere und Pflanzen.

Die Forscher werden die Bohrkerne weiter auswerten und wollen so Einblicke in das vergangene Klima von "Zealandia" gewinnen - möglicherweise auch mit neuen Erkenntnissen zum Klimawandel. Das Forschungsschiff "Joides Resolution" soll im nächsten Jahr wieder aufbrechen

Versunkenes Zealandia - Neues vom achten Kontinent
L. Bodewein, ARD Singapur
28.09.2017 11:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info in der Sendung Logo am 29. September 2017 um 21:05 Uhr.

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