Rubiks Cube

Europäischer Gerichtshof urteilt Marke "Zauberwürfel" steht auf der Kippe

Stand: 10.11.2016 15:50 Uhr

Sechs Farben, 350 Millionen verkaufte Exemplare - der "Zauberwürfel" ist eines der erfolgreichsten Spielzeuge der Welt und als Marke geschützt. Dagegen kämpft ein deutscher Spielzeughersteller seit zehn Jahren und konnte nun einen Teilerfolg feiern.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Der "Zauberwürfel" hat sechs Seiten und sechs Farben: rot, gelb, grün, blau, orange und weiß. Er ist drehbar in verschiedene Richtungen. Das Ziel ist immer, ihn in so wenigen Zügen wie möglich zurück in die Ausgangsstellung zu bringen, egal, wie verdreht der Würfel ist. Zwanzig Züge waren Rekord, die meisten brauchen um die 40 oder mehr.

Erfolg in dritter Instanz

Der Erfinder des "Zauberwürfels" ist der ungarische Architekt und Bauingenieur Ernö Rubik. Er wollte seinen Studenten damals räumliches Denkvermögen beibringen. 1975 ließ Rubik seine Erfindung patentieren, erst Ende der 70er-Jahre bekam eine US-Firma von der kommunistischen Führung Ungarns eine Lizenz zur Herstellung. Auch in Deutschland ist der "Zauberwürfel" ein Riesenerfolg.

Der "Zauberwürfel" wurde bislang über 350 Millionen Mal verkauft und gehört zu den erfolgreichsten Spielzeugen der Welt. Bis heute wird er hergestellt und verkauft. Und an dieser Stelle kommt der Markenstreit um den "Zauberwürfel" ins Spiel. Der dauert nun schon zehn Jahre. Jetzt hat der Europäische Gerichtshof ein Urteil gefällt. Darin geben die Richter dem bayrischen Spielzeughersteller Simba Toys Recht. Ein wichtiger Erfolg für das Unternehmen, sagt Geschäftsführer Manfred Duschel aus Fürth: "Das freut uns natürlich riesig. Es hat ja einige Jahre gedauert."

Der Zauberwürfel kurz vor seiner Vollendung. | Bildquelle: AFP
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Dreht und wendet sich wie das Verfahren: Der "Zauberwürfel".

Patent - keine Marke

Simba Toys hatte geklagt, damit der Eintrag des "Zauberwürfels" beim europäischen Markenamt gelöscht wird. Dort war das Spielzeug 1999 als dreidimensionales Puzzle eingetragen worden. Der Markeneintrag war falsch, meint Geschäftsführer Duschel: "Es ist eine dreidimensionale Marke eingetragen worden, die unserer Auffassung nach nicht rechtens war. Dagegen sind wir vorgegangen."

Beim Markeneintrag müsse nicht nur die äußere Form des Würfels, also das Dreidimensionale, sondern auch das technische Innenleben, das die Drehbarkeit ermöglicht, berücksichtigt werden. Das Markenamt und ein erstes europäisches Gericht hatten das anders gesehen als das Unternehmen und die Klage abgelehnt. Das höchste europäische Gericht entschied nun zugunsten von Simba Toys. Nach Auffassung der Richter sind die Würfelform und Gitterstruktur des dreidimensionalen Geduldspiels eine technische Funktion, die nicht als Marke geschützt werden kann.

Marke muss erneut überprüft werden

Das bedeutet: Die Marke "Zauberwürfel" bleibt zwar zunächst weiterhin eingetragen. Das europäische Markenamt in Spanien muss nach dem EuGH-Urteil aber prüfen, ob die Marke "Zauberwürfel" zurecht eingetragen ist oder gelöscht werden muss. Die Entscheidung wird voraussichtlich in einigen Wochen fallen. Simba Toys hofft auch dort auf einen Erfolg. Denn für das Unternehmen hätte das laut Geschaftsführer Duschel den Vorteil, "dass wir unsere Version des "Zauberwürfels" problemlos weiterhin im Sortiment halten können und auch weiterhin verkaufen können."

Im Zweifelsfall könnte der ungarischen Ingenieur Ernö Rubik auf diese Weise den Markenschutz für seinen vor mehreren Jahrzehnten erfundenen "Zauberwürfel" verlieren.

Markenstreit um "Zauberwürfel": EuGH gibt Unternehmen Simba Toys Recht
Karin Bensch, WDR
10.11.2016 14:44 Uhr

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