Frauen-Demo in Ankara | Bildquelle: AP

Gummigeschosse und Tränengas Türkische Polizei löst Frauen-Demo auf

Stand: 06.03.2016 22:53 Uhr

In Istanbul und Ankara hat die türkische Polizei mit Gewalt Demonstrationen zum Frauentag aufgelöst. Die Demonstranten forderten die Stärkung der Frauenrechte. Die Zeitung "Zaman", die unter staatliche Kontrolle gestellt wurde, berichtet inzwischen regierungsfreundlich.

Die türkische Polizei hat in Istanbul eine Demonstration zum Weltfrauentag gewaltsam aufgelöst. Dabei feuerten die Sicherheitskräfte Gummigeschosse in die Menschenmenge im Bezirk Kadikoy. Dort hatten sich Hunderte Frauen versammelt, um für eine Stärkung ihrer Rechte zu demonstrieren.

Die Organisatoren hatten die Kundgebung vor dem Weltfrauentag am Dienstag vorgezogen, um mehr Teilnehmer anzuziehen. Die Behörden hatten die Veranstaltung aber aus Sicherheitsgründen verboten. Auch in der Hauptstadt Ankara kam es bei Frauen-Demonstrationen zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Polizei löst Frauen-Demo in Istanbul auf
tagesthemen 22:45 Uhr, 06.03.2016

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Die konservativ-islamische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan steht nicht nur wegen Fragen der Bürgerrechte oder der Meinungs- und Pressefreiheit in der Kritik sondern auch wegen ihrer Frauen-Politik. Die Gewalt gegen Frauen in der Türkei ist hoch. Auf einem Gleichberechtigungsindex des UN-Entwicklungsprogramms UNDP liegt die Türkei auf Rang 77 von 138 Plätzen.

Zeitung "Zaman" ändert Berichterstattung

Auf dem Medienmarkt gibt es nun eine regierungskritische Zeitung weniger. Die Ende unter Zwangsverwaltung gestellte Oppositionszeitung "Zaman" vollzog einen Kurswechsel: Auf der Titelseite der ersten Ausgabe unter Kontrolle eines staatlichen Treuhänders erschienen am Sonntag ausschließlich regierungsfreundliche Artikel.

Die Sonntagsausgabe von "Zaman" unterschied sich damit kaum noch von den Ausgaben der regierungsfreundlichen Presse. Unter anderem zeigte sie ein Foto von Staatschef Recep Tayyip Erdogan, wie er die Hand einer älteren Frau festhält. Ein "Zaman"-Journalist sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Ausgabe stamme nicht von der alten Redaktion.

Der bisherige Chefredakteur wurde gefeuert

Fethullah Gülen | Bildquelle: AP
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Der Prediger Gülen ist beim türkischen Präsidenten Erdogan in Ungnade gefallen.

Die Behörden hatten die mit 650.000 Exemplaren auflagenstärke Zeitung des Landes am Freitag unter Zwangsverwaltung gestellt. Nach Protesten vor dem Verlag verschaffte sich die Polizei um Mitternacht gewaltsam Zugang zu dem Gebäude und drang in die Redaktion ein. Anschließend übernahmen die vom Gericht ernannten Verwalter die Leitung von "Zaman". Der bisherige Chefredakteur Abdulhamit Bilici wurde gefeuert, die restlichen Mitarbeiter mussten sich am Eingang strikten Kontrollen unterwerfen.

"Zaman" gehört zur Hizmet-Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der seit 1999 im Exil in den USA lebt. Präsident Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten vor, die Regierung stürzen zu wollen, seine Hikmet-Bewegung wurde zu einer "terroristischen Vereinigung" erklärt. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch das Vorgehen gegen "Zaman" zu verstehen.

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