Titelblatt der türkischen Zeitung Zaman. | Bildquelle: AFP

Türkische Zeitung "Zaman" Radikaler Kurswechsel nach staatlicher Übernahme

Stand: 06.03.2016 15:58 Uhr

Erst am Freitag wurde die regierungskritische türkische Zeitung "Zaman" unter staatliche Kontrolle gestellt, die Polizei stürmte das Redaktionsgebäude. Schon heute ist "Zaman" nicht wiederzuerkennen: ein regierungsfreundliches Blatt mit einem lachenden Präsidenten auf der Titelseite.

Die unter Zwangsverwaltung gestellte türkische Oppositionszeitung "Zaman" hat einen radikalen Kurswechsel vollzogen: Auf der Titelseite der ersten Ausgabe unter Kontrolle eines staatlichen Treuhänders erschienen am Sonntag ausschließlich regierungsfreundliche Artikel.

Die Sonntagsausgabe von "Zaman" unterschied sich damit kaum noch von den Ausgaben der regierungsfreundlichen Presse. Unter anderem zeigte sie ein Foto von Staatschef Recep Tayyip Erdogan, wie er die Hand einer älteren Frau festhält. Ein "Zaman"-Journalist sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Ausgabe stamme nicht von der alten Redaktion.

Ihre letzte unabhängig produzierte Ausgabe hatte das Blatt noch mit der Schlagzeile aufgemacht, "Die Verfassung ist ausgesetzt". "Die auflagenstärkste Zeitung der Türkei ist beschlagnahmt worden, trotz der Zusicherung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, dass 'die freie Presse unsere rote Linie' sei", beklagte die Zeitung. Die Redaktion konnte sie am Freitagabend noch drucken, obwohl die Justiz bereits die Zwangsverwaltung angeordnet hatte.

Der bisherige Chefredakteur wurde gefeuert

Die Behörden hatten die mit 650.000 Exemplaren auflagenstärke Zeitung des Landes am Freitag unter Zwangsverwaltung gestellt. Nach Protesten vor dem Verlag verschaffte sich die Polizei um Mitternacht gewaltsam Zugang zu dem Gebäude und drang in die Redaktion ein. Anschließend übernahmen die vom Gericht ernannten Verwalter die Leitung von "Zaman". Der bisherige Chefredakteur Abdulhamit Bilici wurde gefeuert, die restlichen Mitarbeiter mussten sich am Eingang strikten Kontrollen unterwerfen.

Fethullah Gülen | Bildquelle: AP
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Der Prediger Gülen ist beim türkischen Präsidenten Erdogan in Ungnade gefallen.

"Zaman" gehört zur Hizmet-Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der seit 1999 im Exil in den USA lebt. Präsident Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten vor, die Regierung stürzen zu wollen, seine Hikmet-Bewegung wurde zu einer "terroristischen Vereinigung" erklärt. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch das Vorgehen gegen "Zaman" zu verstehen.

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