Polizei vor "Zaman"-Gebäude | Bildquelle: AFP

Übernahme von regierungskritischer Zeitung Türkische Polizei stürmt "Zaman"-Gebäude

Stand: 05.03.2016 01:25 Uhr

Die türkische Zeitung "Zaman" ist von der Polizei gestürmt worden. Die Sicherheitskräfte setzten zudem Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten vor dem Gebäude ein. Zuvor war die Zeitung unter staatliche Kontrolle gestellt worden.

Die türkische Polizei ist gewaltsam in das Gebäude der regierungskritischen Zeitung "Zaman" eingedrungen. Um das Tor des Zeitungshauses zu öffnen, nutzten die Beamten Metallschneider. Redakteure der Zeitung hatten die Stürmung bereits erwartet, nachdem ein Istanbuler Gericht die Regierung zum Treuhänder ernannt hatte.

Mitarbeiter schildern auf Twitter, dass Polizisten sie daran gehindert hätten, das Zeitungshaus zu betreten. Angesichts der staatlichen Kontrolle über "Zaman" befürchten einige Redakteure, womöglich ins Gefängnis gebracht zu werden.

Die Chefredakteurin der englischsprachigen Ausgabe des Blattes, Sevgi Akarcesme, sagte zum Vorgehen der Justiz gegen die Zeitung: "Das ist das Ende der Pressefreiheit in der Türkei."

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Tränengas gegen Demonstranten

Die Polizei setzte am späten Abend Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten vor dem Gebäude ein. Die Menschenmenge skandierte "Diebe raus".

"Zaman" - die auflagenstärkste Zeitung der Türkei - steht der Bewegung des Predigers Fetullah Gülen nahe. Er war einst ein Verbündeter von Präsident Recep Tayyip Erdogan, ist jetzt aber zu dessen Gegner geworden.

Gülens "Hizmet"-Bewegung ist in der Türkei inzwischen zur Terrororganisation erklärt worden. Chefredakteur Abdulhamit Bilici beklagte, seit mehren Jahren drohten Regierungskritikern Gerichtsverfahren, Haftstrafen oder wie im Falle seines Blattes eine Übernahme durch die Regierung.

Protest vor dem Gebäude der Zeitung "Zaman" | Bildquelle: AP
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Vor dem Gericht in Istanbul versammelten sich Redakteure, um für Medienfreiheit zu demonstrieren.

Kritik aus den USA

Das US-Außenministerium kritisierte die Übernahme der Zeitung durch die Regierung. "In einer Demokratie sollten kritische Meinungen nicht zum Schweigen gebracht werden, sondern sie sollten bestärkt werden", sagte der Sprecher des Außenministeriums, John Kirby. Die türkische Regierung müsse sicherstellen, dass die Pressefreiheit eingehalten werde, forderte er.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2016 um 12:00 Uhr.

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