Deniz Yücel | Bildquelle: dpa

Journalist in Untersuchungshaft Das wirft die Türkei Yücel konkret vor

Stand: 28.02.2017 13:49 Uhr

Die türkischen Behörden erheben massive Vorwürfe gegen den "Welt"-Korrespondenten Yücel. Dem ARD-Studio Istanbul liegt das Vernehmungsprotokoll Yücels vor - aus ihm geht hervor, dass ihm die Ermittler gleich mehrere Artikel aus dem vergangenen Jahr zur Last legen.

13 Tage saß der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam, dann wurde er in Istanbul einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dieser verfügte anschließend Untersuchungshaft für den Journalisten. Das Protokoll der Vernehmung liegt dem ARD-Studio Istanbul vor. Aus ihm geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft dem 43-Jährigen "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Volksverhetzung" vorwirft.

In der Verfügung heißt es, Yücel habe in einem Artikel über ein Interview mit dem PKK-Führer Cemil Bayik vom August 2015 Aussagen Bayiks über den türkischen Staatspräsidenten wiedergegeben und die "Terrororganisation PKK als legitime Organisation" bezeichnet. In einem weiteren Artikel habe es über dem Foto von Erdogan den Titel "Putschist" gegeben, außerdem stehe im Text, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gründe - ohne auf andere Meinungen zu achten - seinen eigenen Staat. Das Land werde mit Protesten gespalten.

"Oberkommandant" als Beleg für Propaganda?

In einem Artikel vom 19.06.2016 habe Yücel PKK-Chef Abdullah Öcalan als "Oberkommandanten der PKK" bezeichnet und somit Propaganda für die Terrororganisation gemacht. Ein Artikel vom 26.10.2016, in dem er einen Witz über die türkisch-kurdische Beziehung widergibt, sei Volksverhetzung.

In einem weiteren Artikel, nach dem er in der Vernehmung befragt wurde, habe er geschrieben, dass es noch "keine konkreten Beweise gibt, dass der Putschversuch vom 15. Juli 2016 von der Gülen-Gemeinde durchgeführt wurde". Das sei auch Propaganda für diese Terrororganisation.

In einem Artikel vom 12.12.2016, in dem er über den Eingriff der türkischen Streitkräfte im Ort Cizre berichtet, habe er unwahre Tatsachen erzählt und damit Propaganda für die Terrororganisation PKK betrieben und Volksverhetzung begangen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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