Deniz Yücel  | Bildquelle: imago/Müller-Stauffenberg

Türkische Opposition CHP-Chef fordert Freilassung von Yücel

Stand: 21.02.2017 15:11 Uhr

Die türkische Opposition hat die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gefordert. Es schade der Demokratie und dem Ansehen der Türkei, wenn Journalisten festgesetzt werden, sagte der CHP-Chef Kilicdaroglu.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hat die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel aus dem Polizeigewahrsam in Istanbul gefordert. "Wir verlangen, dass er bald wieder freikommt", sagte der Chef der Mitte-Links-Partei CHP vor seiner Fraktion im Parlament in Ankara.

Journalisten ins Gefängnis zu werfen und sie zum Schweigen zu bringen, sei nicht richtig. "Das schadet der Demokratie. Das schadet der Türkei. Das schadet dem Ansehen der Türkei", sagte Kilicdaroglu.

Der Journalist - der sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt - hatte sich am vergangenen Dienstag bei der Polizei gemeldet, weil nach ihm gefahndet wurde. Er war dann unter Terrorverdacht in Polizeigewahrsam genommen worden. Hintergrund sind offenbar Yücels Bericht über gehackte E-Mails, die vom Konto des Energieministers Berat Albayrak stammen sollen. In den E-Mails geht es unter anderem um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne und die Beeinflussung der Öffentlichkeit. Albayrak ist der Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

"Spartanische" Bedingungen im Gefängnis

Zuvor war bekannt geworden, dass Yücels Polizeigewahrsam verlängert wird. "Am Montag teilte die Polizei Yücels Rechtsanwälten mit, dass der Staatsanwalt die Verlängerung des Gewahrsams um weitere sieben Tage verfügt hat", schrieb seine Zeitung die "Welt".

Nach den Regeln des Ausnahmezustandes, den die türkische Regierung nach dem Putschversuch vom 15. Juli verhängt hatte, dürfen Verdächtige mindestens bis zu sieben Tage ohne richterlichen Beschluss von der Polizei festgehalten werden. Am Dienstag gegen 16.10 Uhr wäre diese Zeit abgelaufen, so die Zeitung. Spätestens nächste Woche Dienstag muss der 43-Jährige nun einem Richter vorgeführt werden, der über Untersuchungshaft oder Entlassung aus dem Gewahrsam entscheiden muss.

Wie die "Welt" weiter schreibt, geht es Yücel den Umständen entsprechend gut. Der Journalist soll seine Zelle im Istanbuler Polizeipräsidium allerdings mit zwei weiteren Personen teilen. Die Bedingungen seien spartanisch. Warme Mahlzeiten gebe es nicht. Das Rauchen sei untersagt. Bücher würden geprüft, bevor sie Yücel ausgehändigt würden.

Demonstranten fordern die Freilassung von Deniz Yücel. | Bildquelle: dpa
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Demonstranten in Berlin fordern die Freilassung von Deniz Yücel.

Deutsche Politiker fordern Freilassung

In der Türkei sitzen zahlreiche kritische Journalisten wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda in Untersuchungshaft. Yücel ist der erste deutsche Journalist, der in der Türkei seit der Verhängung des Ausnahmezustands im vergangenen Juli in Polizeigewahrsam genommen wurde.

Auch zahlreiche deutsche Politiker hatten seine Freilassung gefordert - verpackt mit teils deutlicher Kritik an der türkischen Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Fall bei einer Begegnung mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim bei der Münchner Sicherheitskonferenz an und forderte eine faire und rechtsstaatliche Behandlung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Februar 2017 um 17:00 Uhr.

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