Deniz Yücel | Bildquelle: dpa

Yücel über Haftbedingungen "Isolationshaft ist Folter"

Stand: 10.11.2017 21:24 Uhr

Neun Monate Haft ohne eine Anklageschrift: Was das für ihn bedeutet, hat der in der Türkei inhaftierte Journalist Yücel nun in einem Interview geschildert. Er spricht von Isolationshaft und von Folter - und fordert einen raschen Prozess.

Nach neun Monaten Haft ohne Anklage in der Türkei hat "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel der türkischen Justiz eine "Verschleppungstaktik" vorgeworfen. In der "taz am wochenende" fordert Yücel eine rasche Anklage: "Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen."

Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit Februar in Einzelhaft. Zu seinen Haftbedingungen sagte er: "Isolationshaft ist Folter. Auch wenn ich eigentlich guter Dinge bin, kann ich nicht absehen, welche langfristigen Folgen das haben wird."

Autokorso für Deniz Yücel in Berlin | Bildquelle: dpa
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Immer wieder finden in Deutschland Kundgebungen für Deniz Yücel statt - hier im September in Berlin.

Vom Staatspräsidenten schon verurteilt

Yücel (44) wurde am 14. Februar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen, am 27. Februar wurde gegen ihn U-Haft verhängt. Das Gericht begründete das mit dem Verdacht der Terrorpropaganda und der Volksverhetzung. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte Yücel außerdem öffentlich, ein Terrorist und Spion zu sein, ohne dafür Belege zu präsentieren.

Eine Anklageschrift legte die Staatsanwaltschaft immer noch nicht vor. Mehrere Anträge Yücels auf Freilassung wurden abgewiesen - zuletzt am 29. März vom türkischen Verfassungsgericht.

Hoffen auf den EGMR

Yücels Anwälte legten beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Beschwerde gegen seine Inhaftierung ein. Die Türkei hat noch bis zum 28. November Zeit für eine Stellungnahme. Yücel erklärte, er hoffe, dass der Gerichtshof zügig handele. Danach werde er gespannt sein, ob die Türkei ein Urteil zur Haftentlassung befolgen werde.

Der Gerichtshof entscheidet auf Antrag Yücels, ob dessen Grundrechte durch die seit Februar andauernde Inhaftierung verletzt sind. In diesem Fall wäre die Türkei als Europaratsmitglied nach Angaben von Yücels Anwälten verpflichtet, ihn aus der U-Haft zu entlassen. Die Türkei zählt allerdings zu den Staaten mit den meisten Verurteilungen durch den EGMR und den schlechtesten Umsetzungsbilanzen.

Zu wissen, nicht allein zu sein

Yücel bedankte sich in dem Interview für die Anteilnahme in Deutschland. Obwohl er in Einzelhaft sitze, wisse er "dank der vielen Menschen, die sich für mich und für meine inhaftierten Kollegen einsetzen, dass ich nicht alleine bin. Das hilft mir sehr."

Die Bundesregierung fordert die Freilassung Yücels und von mindestens acht weiteren deutschen Staatsbrügern, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin seit Monaten schwer.

Yücel hat neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er sitzt im Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul. Die "taz am wochenende" führte das Interview schriftlich über Yücels Anwälte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2017 um 16:00 Uhr.

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