Deniz Yücel

Bundesregierung macht Druck Neuer Versuch im Fall Yücel

Stand: 07.07.2017 07:39 Uhr

Seit mehr als 140 Tagen sitzt der deutsch-türkische Journalist Yücel in Haft. Die Bundesregierung hat nun die Anklageschrift sowie Yücels Entlassung aus der U-Haft gefordert. Der Fall sei "eine schwere Belastung" für das bilaterale Verhältnis.

Die Bundesregierung hat die Türkei aufgefordert, die Anklageschrift gegen den inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel vorzulegen. Er sitzt seit mehr als 140 Tagen in türkischer Haft. "Wir sind kontinuierlich mit der türkischen Regierung im Gespräch und fordern ein zügiges und rechtsstaatliches Verfahren für Deniz Yücel", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, der "Welt". Der Journalist, der die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit hat, müsse aus der Untersuchungshaft freigelassen werden.

"Schwere Belastung" für bilaterales Verhältnis

"Das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit verlangt eine Anklageschrift, die die erhobenen Vorwürfe konkret benennt. Bislang haben wir nur Vorverurteilungen von Regierungsverantwortlichen gehört, die ihn pauschal als Spion oder Terroristen diffamieren", sagte Roth. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Yücel öffentlich beschuldigt, ein Terrorist und Spion zu sein.

Alle Appelle der Bundesregierung, den Journalisten freizulassen, waren bislang vergeblich. Roth nannte den Fall "eine schwere Belastung" für das bilaterale Verhältnis zur Türkei. Auch die Festnahme von Menschenrechtlern bei einem Treffen in der Nähe von Istanbul sei "ein zutiefst besorgniserregendes Signal".

Treffen von Merkel mit Erdogan

Am Abend hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Erdogan am Rande des G20-Gipfels getroffen und über "strittige" Aspekte der deutsch-türkischen Beziehungen gesprochen. Ob es auch um den Fall Yücel ging, wurde nicht bekannt. Der Wunsch nach dem bilateralen Treffen war von türkischer Seite geäußert worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2017 um 08:00 Uhr.

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