Smartphone mit Yahoo-Schriftzug | Bildquelle: AFP

E-Mail-Verkehr Geheimdienst bittet, Yahoo liefert

Stand: 05.10.2016 15:28 Uhr

Die Durchleuchtung eines speziellen E-Mail-Verkehrs - Routinesache. Die Überwachung sämtlicher E-Mails sämtlicher Kunden eines Anbieters stößt dagegen in eine neue Dimension vor. Angeblich hat Yahoo vor einem Jahr für einen US-Dienst das ganz große Schleppnetz ausgeworfen.

Yahoo hat nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters auf Anweisung der US-Behörden die eingehenden E-Mails aller Kunden durchsucht. Der Internet-Konzern habe damit im vergangenen Jahr einer geheimen Anordnung der US-Regierung Folge geleistet, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Agentur.

Yahoo habe ein spezielles Programm geschrieben, um die einlaufenden Mails von mehreren Hundert Millionen Kunden nach einer bestimmten Zeichenkette zu durchforsten. Unklar blieb, welche Daten Yahoo an die US-Behörden übergab oder ob auch andere Internet-Konzerne beteiligt waren.

Yahoo-Campus in Sunnyvale, Kalifornien | Bildquelle: REUTERS
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Hier gab es einiges zu durchflöhen: Yahoo-Camous in Sunnyvale

War's die NSA? Oder das FBI? Oder das FBI für die NSA?

Den zwei ehemaligen Mitarbeitern und einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge kam die Anordnung entweder von dem Nachrichtendienst NSA oder der Bundespolizei FBI. Die NSA stellt oft derartige Anträge über das FBI, was die genaue Zuordnung zu einem Dienst erschwert.

Experten zufolge ist es der erste bekannte Fall, in dem ein US-Konzern der Forderung nach einer kompletten Überwachung des gesamten eingehenden Mail-Verkehrs nachgegeben hat. Yahoo erklärte auf Anfrage lediglich, man halte sich an die Gesetze der USA. Die NSA verwies auf das Büro des Direktors der US-Geheimdienste, das eine Stellungnahme ablehnte.

Yahoo: Halten uns an die Gesetze

Yahoo erklärte in einer Reaktion zunächst lediglich, man halte sich an Gesetze der USA. In einer weiteren Stellungnahme bei der Website "Ars Technica" hieß es, die Darstellung sei "irreführend". Ein solches Durchforsten von E-Mails gebe es im Yahoo-System nicht - diese Formulierung bezog sich zugleich auf die heutige Zeit, machte aber keine Angaben zur Vergangenheit.

Die beiden anderen großen Anbieter von E-Mail-Diensten, Google und Microsoft, erklärten unabhängig voneinander, keine Mails durchsucht zu haben. "Wir haben eine solche Anfrage nie bekommen", sagte ein Sprecher des Google-Mutterkonzerns Alphabet. "Und wenn, hätte unsere Antwort gelautet: auf keinen Fall." Ein Microsoft-Sprecher sagte, der Konzern habe keine Mails überprüft. Ob das Unternehmen eine entsprechende Anfrage erhalten habe, wollte er allerdings nicht sagen.

Yahoo hatte zuletzt mit der Mitteilung für Schlagzeilen gesorgt, dass Hacker Ende 2014 Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Geburtsdaten von mindestens 500 Millionen Nutzern geklaut hatten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Wissen am 05. Oktober 2016 um 08:10 Uhr

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