Ein Polizeibeamter steht in Hongkong neben einem Plakat, auf dem der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zu sehen ist. | Bildquelle: AP

Kranker Nobelpreisträger Deutsche Ärzte dürfen zu Liu Xiaobo

Stand: 05.07.2017 08:25 Uhr

Der todkranke Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo darf sich von deutschen und US-amerikanischen Ärzten untersuchen lassen. Dieses Zugeständnis an den Menschenrechtler machte die chinesische Führung kurz vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi in Deutschland.

China hat nach eigenen Angaben Leberkrebs-Experten aus Deutschland und den USA eingeladen, den unter Arrest stehenden Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zu behandeln. Einem entsprechenden Antrag von Lius Familie sei stattgegeben worden, teilten die Behörden der nordostchinesischen Stadt Shenyang mit.

Die ausländischen Experten sollen sich dem Ärzteteam anschließen, das den 61-Jährigen betreut. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus | Bildquelle: AP
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Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus

Lebensbedrohliche Erkrankung

Der Bürgerrechtler leidet unter Leberkrebs im Endstadium, wie erst vor gut einer Woche bekannt wurde. Wegen seiner Erkrankung war Liu "Bewährung aus medizinischen Gründen" gewährt worden. Er wurde vom Gefängnis ins Krankenhaus verlegt. China lehnt jedoch die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab.

Das Schicksal des Friedensnobelpreisträgers könnte auch eine Rolle beim Besuch von Staats- und Parteichef Xi Jinping in Berlin spielen. Vor dem Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen (G20) in Hamburg empfängt Kanzlerin Angela Merkel den chinesischen Präsidenten heute zu politischen Gesprächen und einem gemeinsamen Mittagessen.

Gespräche mit China bei G20

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Merkel auf, sich für eine Ausreise von Liu Xiaobo einzusetzen. Die Vorwürfe gegen ihn sollten fallengelassen werden. Außerdem müsse der Hausarrest für Lius Ehefrau Liu Xia beendet werden.

Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, appellierte an Merkel, sich für Liu Xiaobo einzusetzen und Defizite bei den Menschenrechten in China offen anzusprechen. "Es gibt leider viele Punkte, bei denen wir China kritisieren müssen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Zu elf Jahren Haft verurteilt

Liu ist der bekannteste politische Gefangene Chinas. Seit Jahrzehnten setzt er sich für Demokratie und Menschenrechte in China ein. So saß der Literaturwissenschaftler schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking mehrmals in Haft.

Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo | Bildquelle: AFP
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Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo: Der Stuhl von Liu Xiabo blieb leer

Später wurde er zum Ehrenvorsitzenden des chinesischen Pen-Clubs unabhängiger Schriftsteller und ist Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der demokratische Reformen gefordert werden. Im Jahr 2009 wurde er wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt.

Ein Jahr später erhielt er den Friedensnobelpreis. Bei der Übergabezeremonie in Oslo blieb sein Stuhl leer. Seine Frau Liu Xia lebt seit damals praktisch unter Hausarrest in ihrer Wohnung in Peking.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2017 um 08:22 Uhr und am 08.07.2017 um 08:44 Uhr.

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