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Xi Jingping

Spekulationen um Vizepräsident Xi

Wo ist Chinas Kronprinz abgeblieben?

In wenigen Wochen steht in China der große politische Führungswechsel an. Nach zehn Jahren soll Staats- und Parteichef Hu abgelöst werden. Als Kronprinz gilt Vizepräsident Xi. Doch genau der ist seit Tagen nicht mehr gesehen worden. Die Pekinger Gerüchteküche brodelt.  

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Zehn Tage ist es her, dass Vizepräsident Xi Jinping das letzte Mal öffentlich gesehen wurde - als er Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking empfing und kurz darauf ein Parteitreffen leitete. Seitdem hat er alle öffentliche Termine abgesagt: US-Außenministerin Hillary Clinton konnte ihn letzte Woche nicht treffen - auch Termine mit den Regierungschefs von Singapur und Dänemark wurden kurzfristig gestrichen.

Nur wo Xi Jinping ist, darauf gibt es bislang keine Antwort. Außenamtssprecher Hong Lei bügelt entsprechende Fragen von Journalisten ab: "Ich würde mir wünschen, dass Sie ernsthafte Fragen stellen."  Dennoch hakt die nächste Journalistin nach: "Denken Sie, dass die Chinesen ein Recht darauf haben, zu erfahren, wo ihr Vizepräsident ist?" Als Antwort gibt es nur kurz: "Ich habe die Fragen ihrer Kollegen schon beantwortet."

Spekulationen um Chinas Vize-Präsident Xi Jinping
R. Kirchner, ARD Peking
11.09.2012 17:24 Uhr

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Von einem leichten Herzinfarkt ist ebenfalls die Rede

Regierung und Partei hüllen sich in Schweigen. Die staatlich gelenkten Medien dürfen nicht berichten. In den Nachrichten wird ausführlich über den Inselstreit mit Japan berichtet. Zu Xi Jinping kein Wort. Im Internet wiederum wird zensiert.

Trotzdem - oder gerade deshalb - kocht die Gerüchteküche: Xi Jinping sei krank, will eine anonyme Quelle wissen. Er habe sich beim täglichen Schwimmen am Rücken verletzt, heißt es an anderer Stelle. Von einem leichten Herzinfarkt ist ebenfalls die Rede. Eine chinesische Website im Ausland verbreitet kurzzeitig das Gerücht, es habe einen Anschlag auf den Vize gegeben - er liege jetzt im Krankenhaus. Vielleicht bereitet er sich auch einfach nur intensiv auf den Parteitag vor?

Die Partei tut nichts, um den Spekulationen Einhalt zu gebieten

Xi Jingping
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Vor zehn Tagen das letzte Mal gesehen: Xi Jingping.

Zuverlässige Informationen hat niemand. Und die Partei tut nichts, um den Spekulationen Einhalt zu gebieten. Ist das nicht kontraproduktiv? Der Hongkonger Politologe Joseph Cheng meint genau das.

"Aber leider glaubt die chinesische Führung, dass mehr Öffnung ihr Machtmonopol gefährden könnte", führt er aus: "Und daher ist sie in gewissem Maße bereit, dafür auch den Preis zu zahlen - mit einem Mangel an Transparenz. Und das führt natürlich zu ständigen politischen Gerüchten."

Falschinformationen und Nachrichtensperren

Letztlich hätten die Gerüchte eine destabilisierende Wirkung, sagt Cheng – und erreichten genau das, was die Regierung unter allen Umständen verhindern wolle. Denn sie beschädigten das Bild von Harmonie und Stabilität, das der Führung vor dem Generationswechsel auf dem 18. Parteitag so wichtig sei.

Für einen Machtkampf hinter den Kulissen gibt es allerdings genauso wenig Belege wie für die Gerüchte über den Verbleib von Xi Jinping. Nur eines ist klar: Jahrelange Zensur, Falschinformationen und Nachrichtensperren haben dazu geführt, dass auch im modernen China Gerüchten oft mehr Glauben geschenkt wird, als der oft weitaus weniger spektakulären Wahrheit.

Stand: 11.09.2012 17:26 Uhr

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