Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: dpa

Provokationen Nordkoreas China muss Kim in die Schranken weisen

Stand: 04.09.2017 17:07 Uhr

Raketentests und Wasserstoffbombe - die Welt sieht mit Sorge auf die Provokationen Kim Jong Uns. Selbst der letzte Verbündete China scheint seinen Einfluss auf Nordkorea verloren zu haben. Trotzdem hat Peking ein Druckmittel - und muss es endlich auch einsetzen.

Ein Kommentar von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der neueste Atomtest Nordkoreas ist für China die größtmögliche Provokation. Ausgerechnet zum Auftakt des Gipfeltreffens der fünf Staaten der BRICS-Gruppe lässt Kim Jong Un die Bombe hochgehen und führt China damit auf internationaler Bühne vor.

Schaut her, sagt er damit: Wir lassen uns von unserer de-facto-Schutzmacht China nicht nur nichts mehr sagen, wir können ihr sogar direkt auf der Nase herumtanzen.

Chinas Staatschef Xi Jinping ließ sich beim Auftakt des BRICS-Gipfeltreffens im südchinesischen Xiamen zwar nichts anmerken. Den Atomtest erwähnte er mit keinem Wort. Innerlich dürfte Xi allerdings gekocht haben. Die nukleare Provokation des 31 Jahre jüngeren Machthabers aus Nordkorea ist wie ein Schlag ins Gesicht für Xi.

China letzter Verbündeter? Im Gegenteil

Jahrzehntelang hat China den Nachbarstaat gegen Anfeindungen aus dem Westen verteidigt und sowohl den Vater als auch den Großvater Kim Jong Uns hofiert. Dass die Führung in Peking zum Enkel des Staatsgründers keinen Draht hat, wurde zwar schon bald nach dessen Machtübernahme Ende 2011 deutlich. Seit einigen Wochen ist nun aber ganz klar zu sehen, dass an der Floskel, China sei der letzte Verbündete Nordkoreas, überhaupt nichts mehr dran ist. Im Gegenteil. Kein anderer Staat sorgt dieser Tage für so viel Unmut und Ärger in Peking.

Präsident Xi steckt in einem Dilemma. Die Weltgemeinschaft verlangt von ihm, kein Öl mehr ins Nachbarland zu liefern. Zurecht. Ein Stopp der überlebenswichtigen Treibstofflieferungen könnte Kim Jong Un mittelfristig tatsächlich das Genick brechen.

Sanktionen müssen umgesetzt werden

China aber will Nordkorea aus zwei Gründen politisch stabil halten: Erstens hat die Führung in Peking Angst vor einem Regimewechsel in Pjöngjang. Politisches Chaos in Nordkorea könnte dafür sorgen, dass sich Millionen Flüchtlinge auf den Weg nach China machen. Unkontrollierbares Chaos wäre programmiert. Zweitens braucht die Pekinger Führung Nordkorea als Puffer gegenüber dem Südteil des Landes. Dort sind zigtausende US-Soldaten stationiert. Die will man auf keinen Fall gen Norden, in Richtung der eigenen Grenze, vorrücken sehen.

Trotzdem muss Xi nun Farbe bekennen. China muss endlich die bestehenden Sanktionen mit voller Kraft umsetzen. Schafft China das nicht, lässt es Technologie- und Devisenschmuggel an der 1400 Kilometer langen Landgrenze weiter durchgehen, macht es sich international lächerlich.

Auch, wenn sich Nordkorea von der Pekinger Politik nichts mehr sagen lässt: China hat das Nachbarland wirtschaftlich in der Hand. Und diesen Einfluss muss Xi nutzen.

Kommentar: Nordkoreas Atomtest ist wie ein Schlag ins Gesicht für China
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
05.09.2017 10:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. September 2017 um 17:08 Uhr.

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