Christopher Wray

King & Spalding Wrays Kanzlei und ihre Russlandverbindungen

Stand: 07.06.2017 22:16 Uhr

US-Präsident Trumps Kandidat für den Posten des FBI-Chefs ist ein Karrierejurist. Zu den Kunden der Anwaltskanzlei, für die Wray arbeitet, zählt offenbar die russische Firma Rosneft. Das könnte Fragen aufwerfen.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Nach all den Querelen um mögliche Russland-Verbindungen von US-Präsident Donald Trump und seinem Team scheint nun ein passender Kandidat für den Posten des FBI-Chefs gefunden: Der Karriereanwalt Christopher Wray soll Nachfolger von James Comey werden, den Trump inmitten der Ermittlungen um Verbindungen von Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn entlassen hatte. In der Tat wird Wray eine gute Reputation bescheinigt.

Anwaltskanzlei berät offenbar Rosneft

Für das Nominierungsverfahren im Senat wird sowohl die Unabhängigkeit Wrays gegenüber dem Weißen Haus eine Rolle spielen, als auch - angesichts der laufenden Ermittlungen - mögliche Verbindungen nach Russland.

So dauerte es nicht lange, bis US-Journalisten bei Recherchen auf etwas stießen: Die Anwaltskanzlei, bei der Wray Partner ist, berät offenbar seit 2015 die russische Ölfirma Rosneft, deren Mehrheitseigner der russische Staat ist. Chef Igor Setschin ist ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Gegen Setschin und das Unternehmen sind Sanktionen in Kraft, die die Regierung von Barack Obama 2014 im Zuge der Krim-Annexion und des Krieges in der Ostukraine verhängte.

Eingang des Rosneft-Sitzes in Moskau
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Rosneft gehört offenbar zu den Kunden der Kanzlei.

Als Beleg für die Verbindung zwischen King & Spalding und Rosneft gilt unter anderem eine Mitteilung auf der russischen Webseite oilru.com am 6. August 2015. Dort heißt es, dass die Kanzlei 2015 eine Ausschreibung gewonnen habe, bei der es um Beratungstätigkeiten bei LNG-Projekten über zwei Jahre gehe. Der Auftragswert betrage 45 Millionen Rubel (zu der Zeit etwa 619.000 Euro). Bei oilru.com handelt es sich um einen Brancheninformationsdienst, die Webseite gehörte bis 2012 der Ölfirma Lukoil.

Auch der unabhängige Informationsservice "Energy Intelligence" in den USA berichtete am 7. August 2015, dass King & Spalding die Auschreibung gewonnen habe.

Die Kanzlei betreibt ein Büro im Zentrum Moskaus, veröffentlicht auf ihrer Webseite Nachrichten zu Rosneft und beschreibt ihre Anwälte als erfahren im Umgang mit den komplexen Geschäftsbedingungen Russlands sowie unter anderem im Themenbereich Energie und Naturressourcen. Die Mitarbeiterin Alexandra A Rotar gibt an, Rosneft beim Kauf einer Firma beraten zu haben.

Ermittlungen zu Rosneft möglich

Fraglich ist allerdings, ob Wray in irgendeiner Weise in die Verbindungen der Kanzlei zu Russland eingebunden war. Die Firma beschäftigt mehr als 900 Anwälte. Wray ist in den Büros der Kanzlei in Atlanta und Washington tätig.

In den Ermittlungen über die Russland-Verbindungen von Trump und seinem Team könnte Rosneft jedoch eine Rolle spielen - und Wray als FBI-Chef damit zu tun bekommen. Denn das Unternehmen ist im Dossier des britischen Ex-Geheimdienstagenten Christopher Steele erwähnt, das im Januar für Aufsehen sorgte.

Demnach soll Rosneft-Chef Setschin Trump einen 19-Prozent-Anteil an der Firma im Gegenzug für die Aufhebung der Sanktionen geboten haben. Setschin habe das Angebot Wahlkampfmanager Carter Page in Moskau unterbreitet.

Die Untersuchungen zu Untersuchungen möglicher Verbindungen und Einflussnahme Russlands im Wahlkampf leitet Ex-FBI-Chef Robert Mueller im Auftrag des Justizministeriums. Wray hat schon einmal mit ihm zusammengearbeitet.

Dem Magazin "Newsweek" zufolge ist Wray auch nicht der Einzige aus Trumps Team, der bei King & Spalding gearbeitet hat. Demnach nominierte Trump Gilbert Kaplan, einen Partner der Kanzlei, als Unterstaatssekretär für Handel. Auch Trumps Geheimdienstdirektor Dan Coats habe einstmals für die Kanzlei gearbeitet. Zudem sei Bobby Burchfield als Partner der Kanzlei auch Ethik-Berater für den Trust, der Trumps Besitz verwaltet. King & Spalding beriet zudem Saudi-Arabien, wie "The Hill" berichtete und in einem Lobbyverzeichnis nachzulesen ist.

Trump hatte im Wahlkampf die Verquickung von Politik und Lobbyistentum scharf kritisiert. Er kündigte an, den "Sumpf trockenzulegen".

Enge Verbindungen zwischen der Politik und Lobbyisten sind in der Tat seit Jahren ein großes Problem in Washington. Besonders ehemalige Regierungsmitarbeiter und Abgeordnete sind bei Staaten und ausländischen Firmen beliebt, weil sie mit ihrem Wissen und Adressbüchern Kontakte herstellen und ein gutes Wort einlegen können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

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