Der ehemalige FIFA-Chef | Bildquelle: dpa

Garcia-Bericht zur WM-Vergabe Mentalität der Selbstbedienung

Stand: 27.06.2017 21:23 Uhr

Unerwartet hat die FIFA den Garcia-Bericht zur Vergabe der Fußball-WM an Russland und Katar veröffentlicht. Viele Details bestätigen die Selbstbedienungsmentalität der Funktionäre. FIFA-Chef Blatter und Exekutivmitglied Beckenbauer werden aufgeführt.

Die FIFA ist in der Dauerdebatte um die skandalumtoste WM-Vergabe an Russland und Katar in die Offensive gegangen und hat den lange unter Verschluss gehaltenen Garcia-Bericht veröffentlicht. In dem 430-Seiten-Dokument des US-Juristen Michael Garcia aus dem Jahr 2014 werden mehr oder weniger gravierende Verstöße praktisch aller damaligen WM-Bewerber gegen die Ethikregeln des Fußball-Weltverbandes beschrieben.

Den klaren Beweis für eine gezielte Einflussnahme auf die WM-Abstimmung am 2. Dezember 2010 konnte Garcia in seinen rund zwei Jahre währenden Untersuchungen aber offenbar nicht feststellen. Klar wird allerdings auch, dass deutlich mehr anrüchiges Material gegen Katar als gegen Russland zusammengetragen wurde. In seiner Zusammenfassung kommt Garcia zu dem Schluss, dass vor allem FIFA-Wahlmänner sich nicht an die Regeln hielten.

Garcia-Report: FIFA veröffentlicht Bericht zur WM-Vergabe an Russland und Katar
27.06.2017

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Persönlichen Nutzen gesucht

"Darüber hinaus operierten die Bewerber in einem Umfeld, in dem mehrere Exekutivmitglieder nicht zögerten, ein System zu nutzen, das sie in bestimmten Bereichen nicht an die gleichen Regeln band wie die Bewerber", heißt es in dem Report. Einige Exekutivmitglieder hätten einen "persönlichen Nutzen" gesucht, um ihren Status in den Heimatländern zu verbessern.

Keine gravierenden Vorhaltungen werden dem früheren FIFA-Chef Joseph Blatter gemacht. Allerdings wird notiert, dass er kurz vor der Stimmabgabe einem Bonus von 200.000 Dollar für alle - auch für zwei gesperrte Mitglieder des Exekutivkomitees - zustimmte.

Auch die Rolle des damaligen deutschen Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, Franz Beckenbauer, wird detailliert erörtert. Diese Erkenntnisse sind aber nicht neu. Ein Interessenkonflikt bestand im Zusammenhang mit seinem Berater und Freund Fedor Radmann und der australischen Kandidatur.

Geschenke und Annehmlichkeiten

Russland konnten praktisch keinen gravierenden Verstöße nachgewiesen werden. So werden zwar beispielsweise Geschenke und Annehmlichkeiten wie Kreml- und Ballettbesuche aufgeführt, der Bericht stellt aber fest: "Auch wenn die kompletten Kosten für Reisen und Unterbringungen für Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees und ihre Familien das übersteigt, was man gewöhnlich als nebensächliche Kosten ansehen würde, war die Übernahme der Kosten nicht per se durch die damaligen FIFA-Verhaltenskosten verboten." Allerdings waren die Computer des russischen Bewerbungskomitees zum Zeitpunkt der Untersuchung schon zerstört.

Stadion-Neubau in Katar | Bildquelle: REUTERS
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Stadion-Neubau in Katar

Ein etwas deutlicheres Bild zeichnet sich rund um die Bewerbung Katars. So sollen südamerikanische Vertreter die Reise per Privat- oder Regierungsflugzeug aus und nach Rio de Janeiro verlangt haben. Auch landeten zwei Millionen US-Dollar auf dem Konto einer zehn Jahre alten Tochter eines Mitglieds des Exekutivkomitees. Der Bericht stellt aber auch fest, dass es "keinen Beweis in den Protokollen" für eine Verbindung der Zahlung zur Katar-Bewerbung gebe.

Bislang rechtliche Bedenken

Die Entscheidung zur unerwarteten Veröffentlichung habe die neue Spitze der FIFA-Ehtikkommission getroffen. Am Montagabend hatte die "Bild"-Zeitung Details aus dem Bericht des US-Juristen Michael Garcia zitiert. Dieser war bislang wegen rechtlicher Bedenken der Ethikhüter des Fußball-Weltverbandes nicht veröffentlicht worden.

Laut FIFA habe Präsident Gianni Infantino eine Veröffentlichung schon lange befürwortet. Trotz der belastenden Indizien zu möglicher Einflussnahme der Kandidaten auf die Wahlmänner des damaligen FIFA-Ethikkomitees hatte die FIFA die WM-Gastgeber Russland und Katar nicht sanktioniert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

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