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09.02.2010

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Ausland
Williamson soll widerrufen
Vatikan: Williamson soll widerrufen
Vatikan verlangt Widerruf von Williamson

Papst wäscht seine Hände in Unschuld

Der Vatikan hat den Traditionalisten-Bischof Williamson in einer Erklärung aufgerufen, seine Holocaust-Leugnung "in unmissverständlicher Weise" zu widerrufen. Der Papst habe von Williamsons Schoah-Erklärung nichts gewusst, hieß es weiter. Im Vatikan scheint es Kommunikationsprobleme zu geben.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der Vatikan versucht die Affäre um die Wiedereingliederung der Traditionalisten mit einer offiziellen Aufforderung nach Entschuldigung beizulegen. Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz hat Papst Benedikt XVI. das Thema persönlich zwar überhaupt nicht angesprochen, aber spätestens nach der Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern war klar, dass der Vatikan in irgendeiner Form reagieren muss und das Thema nicht einfach aussitzen kann.

Vatikan: Williamsons Ansichten absolut unannehmbar

Der britische Bischof Richard Williamson steht auf dem Rhein/Main-Flughafen in Frankfurt. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der britische Bischof Richard Williamson steht wegen seiner Aussagen zum Holocaust seit Tagen in der Kritik. ]
Das Kardinal-Staatssekretariat, sozusagen die vatikanische Regierung, hat den umstrittenen Bischof Williamson nun in einer schriftlichen Erklärung aufgefordert, sich öffentlich und absolut unmissverständlich von seinen bisherigen Äußerungen zu distanzieren. Diese Ansichten seien, so der Text der Erklärung, absolut unannehmbar und würden von Papst Benedikt aufs Heftigste zurückgewiesen. Schließlich habe der Papst erst vor einer Woche seine volle Solidarität mit den älteren jüdischen Brüdern erklärt. Außerdem, so ist dem Schreiben zu entnehmen, hat Papst Benedikt der XVI. nichts von den Williamson-Aussagen gewusst, als er die Exkommunikation zurücknahm. Letztere Bemerkung ist sozusagen die offizielle Bestätigung dafür, dass in der Kommunikationsstruktur des Vatikans einiges im Argen liegt und dass der Papst tatsächlich schlecht informiert wurde.

Williamson hatte sich für seine Äußerungen zwar beim Papst entschuldigt, sich aber nicht von seinen Aussagen distanziert. Das Staatssekretariat geht aber noch weiter. Für eine endgültige Anerkennung müsse die Piusbruderschaft sämtliche Reformen des zweiten vatikanischen Konzils anerkennen, sowie das Lehramt aller Päpste seit Johannes dem XXIII., unter dem das Konzil stattfand.

Zweites Vatikanisches Konzil:

Das Zweite Vatikanische Konzil wurde 1962 von Papst Johannes XXIII. einberufen, dauerte bis 1965 und diente der Erneuerung der Katholischen Kirche. Die mehr als 2500 Konzilsväter - darunter sämtliche Bischöfe - beschlossen eine tiefgreifende Reform der Liturgie inklusive der Einführung der Volkssprache anstelle von Latein. Auch wurde ein verstärkter Dialog mit Anders- oder Nichtgläubigen beschlossen: Christen, Juden und Muslime sollten gegenseitige Missverständnisse im Dialog ausräumen.
Quelle: Quelle: AP, www.kirchensite.de,

Kein Recht auf Ausübung des Bischofsamts

Die umstrittene Weihe von vier Bischöfen. Zweiter von links: Williamson. (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die umstrittene Weihe von vier Bischöfen im Jahr 1988. Zweiter von links: Williamson. ]
Ferner lässt der Vatikan wissen, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe diese von einer schweren kanonischen Strafe befreie. An der rechtlichen Situation der Piusbruderschaft habe sich jedoch nichts geändert. Nach wie vor werde diese nicht von der katholischen Kirche anerkannt. Auch hätten die vier betroffenen Bischöfe keinerlei Funktion innerhalb der Kirche und sie würden auch kein Amt ausüben. Der heilige Vater habe vielmehr durch die Aufhebung der Strafe eine Tür zum Dialog öffnen wollen. Jetzt erwarte man, dass die vier Bischöfe die gleiche Bereitschaft zeigten, und die Lehre und Disziplin der katholischen Kirche in vollem Umfang unterstützten.

Was passiert, wenn die Betroffenen nicht reagieren, ist unklar, rein theoretisch könnte der Papst seine Entscheidung auch wieder zurücknehmen. Bei dem Druck der derzeit auf dem Vatikan lastet, wäre dies auch recht wahrscheinlich.

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Unklar ist, wie glaubwürdig eine Entschuldigung des umstrittenen Holocaust-Leugners sein dürfte. Wohl die wenigsten dürften ihm abnehmen, dass er sich nicht nur von seinen Aussagen distanziert, sondern seine Meinung tatsächlich geändert hat.

Und viele Katholiken dürften weiter der Auffassung sein, dass solche Leute in der Kirche nichts verloren haben. Deswegen ist die Erklärung des Vatikans als wichtiger Schritt zu werten – aber auch nicht als mehr.

Stand: 04.02.2009 18:25 Uhr

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