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Weltkonferenz des Online-Lexikons in Washington

Wikipedia sucht neue Autoren

Wikipedianer aus mehr als 100 Ländern kommen in der amerikanischen Hauptstadt zusammen, um sich drei Tage lang über die Zukunft des Online-Lexikons auszutauschen. "Wikimania" nennt sich die Jahrestagung, zu der rund 1000 ehrenamtliche Autoren und Wissenschaftler nach Washington gereist sind. Doch die Wiki-Gemeinde plagen Nachwuchssorgen.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales zeigt während eines Interviews ein Ipad mit der Wikipedia-Seite.
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Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales möchte neue Autoren gewinnen.

Eigentlich ist Wikipedia eine Erfolgsgeschichte. Gerade mal elf Jahre jung, aber längst etabliert als eine der meistgenutzten Wissensquellen weltweit. Über 250 unterschiedliche Sprachversionen hat das Online-Lexikon und diese bieten mehr als 20 Millionen Artikel.

Doch auf dem Erreichten wollen sich die nach Washington gereisten Wikipedianer nicht ausruhen. Denn die Wiki-Gemeinde sucht dringend neue Autoren, sagt Pavel Richter, der Vorstand von Wikimedia Deutschland. Vor allem aus anderen Bevölkerungsgruppen: "Frauen machen zum Beispiel nur neun Prozent der Autoren aus. Ältere Menschen über 60 sind zwar sehr internetaffin, arbeiten aber sehr wenig in Wikipedia mit. Menschen ohne Hochschulabschluss, Menschen mit Migrationshintergrund - das sind alles Gruppen, die in Wikipedia deutlich unterrepräsentiert sind. Damit sind ihre Sichtweisen deutlich unterrepräsentiert."

Wikipedia sucht neue Autoren
M. Ganslmeier, NDR Washington
12.07.2012 15:30 Uhr

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Um die 30, gebildet, männlich

Wer sich im Konferenzzentrum der George-Washington-University umschaut, erkennt schnell, wer bei Wikipedia ehrenamtlich und ohne Honorar Artikel schreibt. Der typische Wiki-Autor ist um die 30, Akademiker und männlich. Und das ist nicht nur in Deutschland so, sondern ein weltweites Phänomen, bestätigt Sumana Harihareswara aus New York.

Jede Menge findet man bei Wikipedia zu naturwissenschaftlichen Themen, Technik und Popkultur. Andere Wissensgebiete sieht die Amerikanerin unterrepräsentiert: "Zum Beispiel die Geschichten von Frauen oder Kunstgeschichte, Architektur oder Mode. Das, was Frauen in der Vergangenheit geschaffen haben - all das kommt zu wenig vor. Jetzt ist die Chance, dies zu ändern."

Alte Hasen verschrecken neue Autoren

Logo Wikipedia
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Die Online-Enzyklopädie Wikipedia leidet unter Autorenschwund.

Auch die Art des Umgangs mit neuen Autoren müsse sich ändern, meinen die Wikipedianer selbstkritisch. Wer mit viel Herzblut zum ersten Mal einen Artikel in das Online-Lexikon einstelle, dürfe nicht gleich mit kritischen Anmerkungen überschüttet werden. Und um ältere Internet-Nutzer als Autoren zu gewinnen, will Wikipedia verstärkt mit Volkshochschulen und Bibliotheken zusammenarbeiten.

"Silberwissen" heißt das Programm, mit dem Pavel Richter Einstiegsängste für ältere Autoren abbauen will: "Ein bisschen die Scheu nehmen, sich da plötzlich so einzumischen, so nach dem Motto, wer bin denn ich, dass ich jetzt an einer Enzyklopädie mitarbeite? Und hier ist einfach viel Aufklärungsarbeit notwendig, um zu vermitteln, das ist genau die Einladung, die Wikipedia ausspricht. Sie ist die Enzyklopädie, an der jeder mitarbeiten kann."

Nutzung soll einfacher werden

Noch in diesem Jahr wird Wikipedia ein nutzerfreundlicheres Textverarbeitungssystem anbieten. Denn auch die komplizierte Texteingabe schreckt neue Autoren ab. Davon sollen dann auch jene Sprachen profitieren, deren Online-Lexikon noch ziemlich klein ist. An der Spitze bringt es das englischsprachige Wikipedia auf drei Millionen Artikel, gefolgt von der deutschen Version mit 1,4 Millionen Beiträgen.

Hoffnung auf Asien, aus Afrika und Lateinamerika

Doch die größten Wachstumschancen sieht Pavel Richter für andere Regionen: "Die nächste Milliarde Menschen, die online geht, kommt aus Asien, aus Afrika und Lateinamerika. Das wird Wikipedia verändern, das muss es auch. Das ist großartig. Das ist eine enorme Chance, diese Plattform weltweit zu sein, auf der Menschen das teilen können, was mit am wichtigsten ist: nämlich Wissen."

Und noch etwas will die Wikimania in Washington voranbringen: Das Projekt Wiki-Data soll dafür sorgen, dass der Name eines neuen Präsidenten oder einer neuen Olympiasiegerin nur einmal zentral eingegeben werden müssen - und dann die Aktualisierung in allen Sprachversionen von Wikipedia erscheint.

Stand: 12.07.2012 14:59 Uhr

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