Bradley Manning - Saboteur oder Held?

Anhörung des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten

Bradley Manning - Saboteur oder Held?

Er gilt als der Informant von WikiLeaks, der geheime US-Daten an die Enthüllungsplattform weitergegeben haben soll: Vor einem Militärgericht in Maryland hat die Anhörung des Soldaten Manning begonnen. Während seine Anhänger ihn als Helden feiern, werfen ihm seine Kritiker Sabotage vor.

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

Es sind die Widersprüche im Leben des Bradley Manning, die auffallen und für die es so schwer ist, gerechte Erklärungen zu finden. Der heute 23-jährige Computerexperte  ist ein schüchterner junger Mann, der immer zurückgezogen lebte. Aber wenn es um seine Moralvorstellungen ging, trat er dafür lautstark und offensiv ein. In seiner Jugend war er oft ein Verlierer, der eigentlich ein Sieger sein wollte - in seinem Elternhaus, in der Schule, unter Freunden.

Bradley Manning's Profilfoto bei Facebook am 29. November 2010 (Bildquelle: AFP)
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Mannings Profilfoto bei Facebook am 29. November 2010

"Er wollte nicht zur Armee"

Dem Militär stand er immer ablehnend gegenüber, aber trotzdem entschloss er sich, zu den Streitkräften zu gehen. Offensichtlich gab er dem ungeliebten strengen und cholerischen Vater nach. Das zumindest bestätigte Bradley Mannings Vater in einem Interview mit dem Filmautor Martin Smith: "Er wollte nicht zur Armee gehen". Dies habe der Sohn immer wieder klar gemacht. Auf die Frage des Interviewers, warum er trotzdem Druck auf seinen Sohn ausgeübt habe, Soldat zu werden, antwortete er: "Weil er eine Struktur in seinem Leben brauchte."

Bradley Manning - Held oder Saboteur?
K. Kastan, BR Washington
16.12.2011 08:14 Uhr

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Doch Manning erhielt in der Armee keine Struktur und keinen Halt. Er zerbrach an der Armee. Dabei hatte er keine Schwierigkeiten wegen des rauhen Umgangstons. Er zerbrach, weil er in seiner Tätigkeit als Geheimdienst-Analyst an seinem Computer miterlebte, wie amerikanische Soldaten - unter ihnen auch hohe Offiziere - zu Tätern im Irak-Krieg wurden. Als er einmal seinem Vorgesetzten erbost über einen Zwischenfall berichtete, wies der ihn nur zurecht und herrschte ihn an: "Halte Deine Klappe!" Manning verzweifelte.

Manning verzweifelte an seiner Einsamkeit

An seinem Computer war er für die Armee als Aufklärer tätig, aber er durfte nie die ganze Wahrheit sagen. In seiner Einsamkeit und seiner Verzweiflung vertraute er sich im Internet-Chatroom einem gewissen Adrian Lamo an. Mit ihm baute er eine Cyber-Beziehung auf.

Lamo gestand er auch ein, dass er, Bradley, sich sexuell mehr als Frau fühle. Der Web-Freund beantwortete solche Mails nur mit einem Wort: "Hug - Umarmung." Im Laufe der Zeit hinterfragte Manning den Irak-Krieg immer mehr. Und er tat mit Unterstützung von Lamo das, was ihm in zweierlei Hinsicht zum Verhängnis wurde: Mit seiner Hilfe nahm er Kontakt zu Julian Assange von der Enthüllungsplattform WikiLeaks auf.

Vermutlich kopierte Manning Anfang 2010 Hunderttausende als geheim eingestufte Regierungsprotokolle und gab sie an WikiLeaks weiter. Dies zumindest behauptet die Staatsanwaltschaft. Aber auch die Verteidigung des 23-Jährigen wird das wohl nicht leugnen. Zum Verhängnis wurde Lamo für den engen Cyber-Vertrauten Manning aber auch, weil er ihn gegenüber den Behörden verriet. 

"Er hat seine Arbeit gut gemacht"

Die Frage heute ist: Was ist Bradley Manning? Ein Held oder ein Saboteur? Die erste Antwort hierzu kommt von Ann Wright. Die heute 64-Jährige arbeitete insgesamt über 40 Jahre für das Außenministerium als hohe Diplomatin und für das US-Verteidigungsministerium. Heute gehört sie dem Unterstützungskomitee von Bradley Manning an: "Wenn sein Motiv war, dass er Rechtsverletzungen der Regierung offenlegen wollte, dann ist er ein Held. Er hat seine Arbeit gut gemacht."

Gegner von Bradley Manning sehen das anders. Zu ihnen gehört Seton Motley, der Präsident der konservativen Organisation "Less Government": "Sollte seine Schuld vom Gericht festgestellt werden, ist er ein Schurke und gehört hingerichtet. Dann ist er des Hochverrates schuldig."

Stand: 28.02.2013 21:51 Uhr

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