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09.09.2010

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Ausland
USA: Neue Formen des investigativen Journalismus
Investigativer Journalismus in den USA

Ausgelagert und erfolgreich

Geheime Dokumente zu veröffentlichen - was früher Aufgabe der traditionellen Medien war, übernehmen in den USA zunehmend Webportale wie WikiLeaks. Vielen Redaktionen sind investigative Recherchen zu teuer. Enthüllungsjournalisten weichen daher auf unabhängige Reporterpools aus.

Von Nicole Markwald, RBB-Hörfunkstudio Washington

huffpostfund.org [Bildunterschrift: Screenshot der Webseite des "Huffington Post Investigative Fund" ]
Die Zahlen des Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center sind kalt und eindeutig: Amerikanische Medien müssen mit weniger Geld auskommen. Allein 2009 gingen die Werbeeinnahmen bei Zeitungen um mehr als ein Viertel zurück. Die Rückgänge treffen alle: Bei Fernsehnetworks sind es minus acht Prozent, bei Zeitschriften minus 17 Prozent, und Radiosender verzeichnen demnach ein Minus von 22 Prozent.

Der Schreibtischstuhl wurde in den vergangenen Jahren für viele amerikanische Journalisten zum Schleudersitz. Rund 15.000 Reporter und Redakteure verloren seit 2007 ihren Job. Gehen mussten häufig Enthüllungsjournalisten - zu teuer. Sie brauchen viel Zeit, das liegt in der Natur der Sache. Nun gleicht Enthüllungsjournalismus einer aussterbenden Kunst, sagt Nick Penniman, der Geschäftsführer des "Huffington Post Investigative Fund".

"Es darf nicht ums Geldverdienen gehen"

Wer also deckt in Zukunft Skandale auf, gräbt beharrlich nach Informationen und setzt Tausende Puzzleteile zu einer großen Geschichte zusammen? Penniman glaubt, bei Enthüllungsjournalismus dürfe es nicht mehr ums Geldverdienen gehen. Vielmehr müsse er gemeinnützig betrieben werden, wie es beispielsweise der "Huffington Post Investigative Fund" tue.

Dieser Journalistenpool wird durch Spenden finanziert. Wie auch ProPublica, eine weitere Stiftung für investigativen Journalismus. 32 Reporter und unzählige Freiwillige arbeiten für ProPublica. Geführt wird die Organisation von Paul Steiger, der zuvor das "Wall Street Journal" geleitet hatte. Mit 65, wenn sich Kollegen in die Rente verabschieden, wagte Steiger das Experiment "Journalismus unter Berücksichtigung des Gemeinwohls". Üppig ist das Online-Angebot von "ProPublica", es gehe aber nicht um die beste Seite im Netz, betont Steiger, sondern darum, zu verändern.

Exklusiv - oder so breit wie möglich?

propublica.org [Bildunterschrift: Screenshot der Website propublica.org. ]
Dabei operieren die Reporterpools unterschiedlich. ProPublica zum Beispiel finanziert mit Spenden seine Recherchen und kooperiert für die Veröffentlichung kostenlos mit nur einem "traditionellen" Medium, beispielsweise der "New York Times". Schließlich sei es besser, eine Geschichte einmal prominent auf der Titelseite zu haben, als bei 50 Blättern auf Seite 19 zu verschwinden, so Steigers Motto.

Andere dagegen setzen auf breite Verteilung - bei Zeitungen und natürlich immer im Netz. Die meisten finanzieren sich durch Spenden, einige werden von Universitäten unterstützt, wie der "Investigative Reporting Workshop an der American University". Alle einen drei Herausforderungen: Geld auftreiben, gute Geschichten recherchieren, so breit wie möglich veröffentlichen.  Ein Glaubwürdigkeitsproblem haben diese ausgelagerten Reporterpools übrigens nicht: Ein Bericht von ProPublica über die Geschehnisse in einem Krankenhauses in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina gewann in diesem Jahr den renommierten Pulitzer Preis.

Stand: 31.07.2010 14:05 Uhr
 

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