Syrische Flüchtlinge in Bekaa, Libanon (Archiv). | Bildquelle: REUTERS

UN reduzieren Hilfe für Syrien-Flüchtlinge Jetzt nur noch die Hälfte zum Überleben

Stand: 03.07.2015 11:00 Uhr

Millionen Syrer hausen seit Jahren in Lagern jenseits der Grenzen. Ihre Situation ist kritisch wie nie: Sie hängen von internationaler Hilfe ab - aber die fließt immer spärlicher. Experten kritisieren das schwindende Interesse der Weltöffentlichkeit.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Ein inoffizielles Flüchtlingslager im Bekaa-Tal, im Osten des Libanon: Dicht an dicht stehen Zelte, die sich mehrköpfige Familien, Kinder und  Alte teilen müssen. Schon vier Jahre lebe sie hier seit ihrer Flucht aus Syrien, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sie habe kleine Kinder, fünf und anderthalb Jahre alt, erzählt sie - und klagt: "Womit soll ich sie ernähren? Nur Gott weiß das. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was Gott mit mir vorhat."

Auch der junge Familienvater Ahmad al-Assaf sorgt sich um seine Kinder. Das jüngste, ein Säugling, trägt er auf dem Arm. Das Hilfsprogramm der UN-Welternährungsorganisation WFP sei für ihn unverzichtbar, sagt auch er.

Dabei musste die UN-Einrichtung mangels Geldzuwendungen schon im Januar die Beträge für die syrischen Flüchtlinge im Libanon auf 19 Dollar pro Monat kürzen. Die Beträge sind auf den sogenannten E-cards gespeichert - das elektronische Lebensmittelkarten, mit denen die Flüchtlinge einkaufen können.

13,50 Dollar statt 30 Dollar

Die Karte sei früher 30 Dollar wert gewesen, dann nur noch 19 Dollar, sagt al-Assaf. Pro Person seien also elf Dollar gestrichen worden. Die verbleibenden 19 Dollar seien aber nicht genug für einen ganzen Monat: "Gegen Mitte des Monats ist man nicht mehr in der Lage, drei Mahlzeiten pro Tag zu haben. Ja, die Lebensmittelsachen sind im Lager unser Hauptnotwendigkeit." Seit Monatsbeginn musste das WFP den Wert E-Card sogar von 19 auf 13,50 Dollar pro Person und Monat verringern.

Nur 19 Prozent der Finanzmittel stehe für die Flüchtlingshilfe in den überlasteten Nachbarländern Syriens zur Verfügung, erklärte das WFP. Bis September benötige man 139 Millionen Dollar, um den syrischen Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon, in der Türkei, im Irak und in Ägypten weiterhin helfen zu können.

"Massiv unterfinanziert"

Die Syrien-Krise sei "massiv unterfinanziert", sagt auch Mark Goldring, der britischer Oxfam-Chef ist. Die Welt stelle weniger als 20 Prozent der Mittel zur Verfügung, die notwendig wären, "um effektiv diesem riesigen Ausmaß zu begegnen": elf Millionen Menschen, die innerhalb und außerhalb Syriens vertrieben wurden.

Die Gründe für die ausbleibenden Geldzuwendungen für die syrischen Flüchtlinge? Es sei ein Phänomen, dass die Öffentlichkeit rasch und großzügig bei Naturkatastrophen spende, sagt Goldring. Bei einem Dauerkonflikt wie dem Syrien-Krieg sei das aber anders: "Die Komplexität, die politischen Einflüsse, der Konflikt, die Tatsache, dass der Konflikt von Menschen gemacht worden ist, dass man das Gefühl hat, es handelt sich um einen lang andauernden Konflikt - all das verschlimmert diese Herausforderung, aber wir können uns nicht einfach von den Menschen abwenden, die leiden."

Die Kürzungen der UN-Lebensmittelzuwendungen für die Syrien-Flüchtlinge im Libanon kommen ausgerechnet während des Fastenmonats Ramadan - darauf weist das WFP zu recht hin. Für viele Flüchtlinge ist es bereits zum fünften Mal, dass sie Ramadan auf der Flucht begehen müssen.

UN reduziert Hilfe für syrische Flüchtlinge
C. Verenkotte, ARD Kairo
03.07.2015 11:21 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. Juli 2015 um 08:11 Uhr im Deutschlandfunk.

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