Al-Schabaab-Angriff auf Westgate Mall Norweger unter Verdacht

Stand: 19.10.2013 02:18 Uhr

Standbild einer Videkamera der Westgate Mall während des Terrorangriffs (Bildquelle: AFP)
galerie

Videoaufnahmen aus dem Einkaufszentrum zeigen einen der Terroristen.

Rund einen Monat nach dem Terrorangriff auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi verfolgen Ermittler auch eine Spur nach Norwegen. Angehörige der norwegischen Sicherheitspolizei sind nach Angaben der Behörde nach Kenia gereist, um mit der dortigen Polizei zusammenzuarbeiten. Unter Verdacht steht ein 23-jähriger norwegischer Staatsbürger, dessen Familie Ende der 1990er-Jahre aus Somalia nach Norwegen gezogen war. Ehemalige Mitschüler aus Larvik wollen ihn auf Videoaufnahmen aus der Mall erkannt haben. In der weiterführenden Schule habe sich der junge Mann zunehmend für Religion interessiert und angefangen, mehrmals täglich zu beten, erzählte ein früherer Mitschüler der norwegischen Zeitung "Ostlands Posten".

Die Schwester des 23-Jährigen bestreitet allerdings, dass Ihr Bruder auf den Videoaufnahmen zu sehen ist. "Er sieht nicht wie mein Bruder aus", sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Er sei 2009 für mehrere Monate nach Somalia gereist und im März 2010 permanent dorthin gezogen. Von angeblichen Verbindungen zur radikal-islamischen Al-Schabaab-Miliz sei ihr aber nichts bekannt, betonte die Frau, die noch in Larvik lebt. Ihr Bruder habe in Norwegen Wirtschaftswissenschaften studiert und habe dies in Mogadischu fortsetzen wollen. Ob sie seit dem Terrorakt Kontakt zu ihrem Bruder hatte, sagte sie der AP nicht.

Mehrere Ausländer unter Verdacht

Bisher hatten die kenianischen Behörden die Terroristen lediglich nach der Farbe ihrer Kleidung benannt. Der Norweger ist der einzige Verdächtige, der namentlich genannt wird. Zuvor hatte es bereits Hinweise auf die Verstrickung eines deutschen Islamisten gegeben, der laut "Focus" an den Vorbereitungen des Angriffs beteiligt gewesen sein soll. Zudem fahndet Interpol nach einer 29-jährigen Britin, der eine Beteiligung an dem Terrorakt nachgesagt wird. Diese beiden Verdächtigen waren aber in der Westgate Mall vor Ort.

Leichenteile in Einkaufszentrum entdeckt

In Nairobi waren am Donnerstag in einem ausgebrannten Teil des Einkaufszentrums Leichenteile geborgen worden, bei denen es sich um sterbliche Überreste von Angreifern handeln könnte. In der Nähe des Fundortes wurden vier AK-47 Sturmgewehre und Magazine gefunden, wie sie von den Terroristen benutzt wurden. Die kenianischen Sicherheitskräfte verwenden andere Waffen. Rechtsmediziner arbeiten nun an der Identifizierung der Leichen.

Rauch steigt am 23. September über der Westgate Mall auf. (Bildquelle: AP)
galerie

Die Sicherheitskräfte brauchten mehrere Tage, um die Westgate Mall unter Kontrolle zu bringen. Teile des Einkaufszentrums wurden durch ein Feuer zerstört.

Tagelange Geiselnahme im September

Mitglieder der somalischen Al-Shabaab-Miliz hatten die Westgate Mall in Nairobi am 21. September überfallen. Zunächst hatten die kenianischen Behörden von zehn bis 15 Angreifern gesprochen, auf veröffentlichten Videoaufnahmen aus dem Einkaufszentrum konnten bisher jedoch nur vier unterschiedliche Männer identifiziert werden. Die Aufnahmen zeigen wie Zivilisten kaltblütig erschossen werden. Andere Kunden und Angestellte fliehen in Panik oder suchen Schutz in Geschäften.

Erst vier Tage später gelang es Sicherheitskräften, die Geiselnahme zu beenden. Das Einkaufszentrum stürzte nach einem Großfeuer teilweise ein. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 72 Menschen ums Leben.

Darstellung: