Schottland

Autonomiebestrebungen Schotten, Katalanen - und wer noch?

Stand: 06.10.2017 17:21 Uhr

Seit der Abstimmung über den Brexit erwägen die Schotten die Loslösung. Jetzt sind es die Katalanen, die die Unabhängigkeit fordern. Die beiden Regionen sind die aktuellsten Beispiele für Autonomiebestrebungen - aber nicht die einzigen. Ein Überblick.

Das Baskenland

Im Nordwesten Spaniens kämpfte die Untergrundorganisation ETA fast 50 Jahre lang für einen unabhängigen baskischen Staat. Bei rund 4000 Anschlägen wurden mehr als 800 Menschen getötet. 2011 erklärte die ETA einen Gewaltverzicht und verübte seither keine Anschläge mehr, im April dieses Jahres gab sie ihre Waffen vollständig ab. Die Unabhängigkeitsbefürworter der Bewegung EH Bildu sind noch immer die zweitstärkste politische Kraft in der Region. 40.000 Menschen gingen am Sonntag im baskischen Bilbao aus Solidarität mit den Katalanen auf die Straße.

Schriftzug ETA an einer Mauer
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Die Untergrundorganisation ETA kämpfte fast 50 Jahre lang für einen unabhängigen baskischen Staat.

Soll Schottland unabhängig werden? Befürworter und Gegner des Referendums demonstrieren in Edinburgh.
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Schottland erwägt zwar nicht erst seit dem Brexit die Unabhängigkeit - dieses Mal allerdings könnten die Schotten ernst machen.

Schottland

2014 stimmten die Schotten darüber ab, ob sie von Großbritannien unabhängig sein wollen - damals sprach sich eine Mehrheit von 55 Prozent dagegen aus. Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU hat der Unabhängigkeitsbewegung jedoch neuen Auftrieb gegeben: Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon will erneut abstimmen lassen, sobald die Folgen des Brexit abschätzbar sind.

Bereits seit 1998 ist Schottland mit seinen 5,2 Millionen Bürgern halb-autonom: Ein eigenes Parlament kümmert sich um Gesundheit, Bildung, Umwelt und Justiz. Nach dem harten Vorgehen der spanischen Polizei gegen katalanische Wähler übte Sturgeon Kritik an Madrid und forderte die Zentralregierung zu einem "Kurswechsel" auf.

Lombardei und Venetien

Die wohlhabenden Regionen in Norditalien wollen am 22. Oktober nichtbindende Referenden abhalten und dabei erkunden, wie ihre Bürger zu mehr Autonomie von Rom stehen. Mit dem Referendum der Katalanen ist diese Abstimmung nicht zu vergleichen - Regionalpräsident Roberto Maroni von der Lega Nord sagte, "die Frage einer Unabhängigkeit" stehe nicht zur Debatte. Die beiden Regionen machen gemeinsam fast ein Drittel der Wirtschaftskraft Italiens aus. Sie verlangen mehr Zugriff auf das Steueraufkommen in ihren Regionen.

Roberto Maroni | Bildquelle: picture alliance / Luca Bruno/AP
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Will mehr Geld für die Lombardei und Venetien: Regionalpräsident Roberto Maroni.

Südtirol

Auch in Südtirol gibt es den Ruf nach einer Volksabstimmung über eine Loslösung der traditionell deutschsprachigen Region von Rom. Wie in den anderen norditalienischen Regionen liegt das Bruttosozialprodukt in Südtirol deutlich über dem italienischen Durchschnitt.

Flandern

In Belgien setzt sich die "Neu-Flämische Allianz" für die Unabhängigkeit Flanderns ein. Die jetzt bereits größte Partei im Land will aus den nächsten Parlamentswahlen noch stärker hervorgehen - und ihr Ziel der Unabhängigkeit auf lange Sicht und friedlich erreichen. Zum belgischen Königreich gehören neben Flandern, wo Niederländisch gesprochen wird, auch die französischsprachige Wallonie und der Großraum Brüssel. Der Chef der Provinz Flandern, Geert Bourgeois, rief Madrid auf, Gespräche "mit den rechtmäßigen Anführern eines friedlichen Volkes" zu beginnen.

Karte Belgien Flandern Brüssel Gebiete
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"Flickenteppich" Belgien. Vor allem die Flamen streben nach Autonomie.

Korsika

Auf der Mittelmeerinsel Korsika kämpften militante Gruppen mehrere Jahrzehnte lang mit Gewalt für eine Unabhängigkeit von Frankreich. Ihre Attentate richteten sich oft gegen Vertreter des französischen Staates und Verwaltungsgebäude, aber auch gegen Ferienvillen von Festlandfranzosen. Die wichtigste Untergrundgruppe, die "Nationale Befreiungsfront Korsikas", erklärte im Sommer 2014 das Ende des bewaffneten Kampfes. Bei den Regionalwahlen im Dezember 2015 wurden dann mehrheitlich nationalistische Kandidaten ins Parlament gewählt. Das korsische Regionalparlament setzt sich seitdem etwa dafür ein, Korsisch neben dem Französischen als Amtssprache anzuerkennen.

Faröer

Die zu Dänemark gehörende Inselgruppe ist seit 1948 fast komplett unabhängig. Im April kommenden Jahres soll die Bevölkerung über eine neue Verfassung abstimmen, die den 48.000 Inselbewohnern vollständige Selbstbestimmung garantieren soll. Bisher ist die Regierung in Kopenhagen für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig.

Neukaledonien

Die südpazifische Inselgruppe gehört seit 1853 zu Frankreich. Spätestens im November kommenden Jahres muss das Archipel seine Bürger allerdings über die Unabhängigkeit abstimmen lassen, da sich ein Abkommen zur schrittweisen Entkolonialisierung zum 20. Mal jährt. Auf der 280.000 Einwohner zählenden Inselgruppe befindet sich ein Viertel des bekannten Nickelvorkommens der Welt.

AFP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2017 um 09:24 Uhr, am 11. September 2017 um 07:38 Uhr und Deutschlandfunk Nova am 23. Oktober 2012 um 12:02 Uhr.

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