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Medienbericht über chinesischen Ministerpräsidenten

Familie von Premier Wen soll Milliarden angehäuft haben

Chinas Ministerpräsident Wen gibt sich gern volksnah und bescheiden. Doch Familie und Verwandte des Premiers haben laut der "New York Times" ein Milliardenvermögen angehäuft. Die Beteiligungen an Firmen sollen rund 2,1 Milliarden Euro betragen. China nennt den Bericht verleumderisch.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Über das Vermögen von Chinas Spitzenpolitikern und ihren Familien wird in China zwar immer wieder spekuliert, doch selten gibt es harte Fakten - es ist offiziell eines der großen Tabuthemen.

So wurde auch diesmal, nachdem die "New York Times" die Ergebnisse ihrer wochenlangen Recherchen veröffentlicht hatte, die Webseite des Blattes von der Zensur sofort blockiert. Berichte ausländischer Fernsehsender werden unterbrochen, der Bildschirm wird vorübergehend einfach schwarz.

Familie soll Milliardenvermögen angehäuft haben
R. Kirchner, ARD Peking
26.10.2012 16:18 Uhr

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Enthüllungen kommen mehr als ungelegen

So kurz vor dem 18. Parteitag Anfang November, bei dem sich die Kommunistische Partei als integer und volksnah präsentieren will, kommen die Enthüllungen über Wen Jiabaos Familie mehr als ungelegen. "Diese Berichten beschmieren China, dahinter stecken üble Absichten", sagte Außenamtssprecher Hong Lei. Und zur Zensur der Berichte hieß es nur: "China verwaltet das Internet nach Recht und Gesetz."  

Die "New York Times" hat nach eigenen Angaben offizielle und Unternehmensdaten analysiert und Beteiligungen der Familie Wen in einem Gesamtwert von 2,1 Milliarden Euro ermittelt.

Nach den Recherchen des Blattes verfügt Ministerpräsident Wen Jiabao selbst zwar über keine direkten Firmen-Beteiligungen. Genannt werden aber unter anderem sein Sohn und seine Tochter sowie sein Bruder und Schwager. Sie seien während seiner Amtszeit "sehr reich" geworden, schreibt das Blatt.

Ein großer Teil des Vermögens der Familie Wen werde von entfernten Verwandten kontrolliert und nicht von der Ehefrau und den Kindern selbst, heißt es. In vielen Fällen habe es ein Geflecht von Partnerschaften und Anlage-Instrumenten gegeben und es sei oft schwierig, die wahren Eigentumsverhältnisse festzustellen.  

Krasser Gegensatz zum Image von Wen

Die Enthüllungen der Zeitung stehen im krassen Gegensatz zum Image von Wen Jiabao in China. Er gibt er sich gern volksnah und bescheiden. Das Staatsfernsehen zeigt ihn oft in alten Anoraks und ausgetretenen Schuhen, wie er den Menschen nach Naturkatastrophen Mut zuspricht. "Ich habe 45 Jahre meines Lebens in den Dienst dieses Landes gestellt", sagte er auch im März bei seiner letzten großen Pressekonferenz. Er habe nie persönliche Gewinne aus seinem Dienst am Lande gezogen.  

Chinas Premier Wen besucht Arbeiter nach einem Erdbeben in der Provinz Sichuan (Foto: Januar 2009)
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Chinas Premier Wen besucht Arbeiter nach einem Erdbeben in der Provinz Sichuan (Foto: Januar 2009)

Internetkommentatoren bezeichneten die Enthüllungen über Wen Jiabao als Teil eines Machtkampfes in der Parteispitze. Wen gilt als halbwegs reformfreudig. Er wird im kommenden Frühjahr zwar pensioniert, könnte aber wie viele Alt-Kader hinter den Kulissen weiter seinen Einfluss geltend machen.

Als Gegenspieler gelten die Unterstützer des in Ungnade gefallenen Spitzenpolitikers Bo Xilai. Ihm wird Amtsmissbrauch und Bestechung vorgeworfen und er wurde bereits aus der Partei ausgeschlossen. Nun wurde auch seine parlamentarische Immunität aufgehoben, was den Weg freimacht für eine Strafverfolgung.

Doch allgemein sorgt der Reichtum von Spitzenkadern immer wieder für Unmut - und entsprechende Berichte werden von der Zensur sofort unterdrückt. Erst im Juni hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über das millionenschwere Vermögen der Familie von Vizepräsident Xi Jinping berichtet, der im November neuer Parteichef und danach Staatspräsident werden soll. Auch die Webseiten von Bloomberg sind seitdem in China komplett blockiert.

Dieser Beitrag lief am 26. Oktober 2012 um 18:33 Uhr im Deutschlandfunk

Stand: 26.10.2012 17:11 Uhr

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